Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Bericht der EU-Kommission: Herkunfts-Label könnte Fleisch massiv verteuern

Eine Herkunftskennzeichnung für Fleisch könnte für Verbraucher teuer werden. Zusätzliche Kosten von bis zu 50 Prozent seien möglich, warnt die Europäische Kommission. Der Preisanstieg könnte fast komplett auf den Konsumenten abgewälzt werden.

Pferdeschlachterei in Rumänien: Verbraucher zahlen Kosten der Kennzeichnung Zur Großansicht
AP

Pferdeschlachterei in Rumänien: Verbraucher zahlen Kosten der Kennzeichnung

Brüssel - Eine verbindliche Herkunftskennzeichnung bei Fleisch könnte nach Einschätzung der EU-Kommission zu einem massiven Preisanstieg führen. Je nach Art der Kennzeichnung könnten die Produktionskosten um bis zu 50 Prozent steigen, heißt es laut Nachrichtenagentur AFP in dem Berichtsentwurf der EU-Kommission an das Europäische Parlament und den EU-Rat vom Freitag. Die Kostensteigerungen könnten zu 90 Prozent auf die Verbraucher abgewälzt werden.

Die EU-Kommission analysiert in dem Bericht die Auswirkungen einer Herkunftskennzeichnung für drei mögliche Varianten: Die Kennzeichnung bleibt wie bisher freiwillig, es wird künftig angegeben, ob Fleisch aus der EU kommt oder nicht, oder die Fleischindustrie nennt künftig das genaue Herkunftsland. In der EU hatte der Pferdefleischskandal zu Jahresbeginn die Diskussion um eine Herkunftskennzeichnung für Fleisch, Fleischprodukte und andere verarbeitete Lebensmittel mit Fleisch befeuert.

Nach dem BSE-Skandal gilt eine verbindliche Herkunftskennzeichnung bislang nur für Rindfleisch. Angegeben werden müssen Geburts- und Mastort, Schlacht- und Zerlegungsbetrieb. Nun will die EU eine Herkunftskennzeichnung auch für Schwein, Geflügel, Schaf und Ziege einführen.

Preis bei Kaufentscheidung am wichtigsten

In ihrem Bericht kommt die Kommission zu dem Schluss, dass bei einer freiwilligen Kennzeichnung wie bisher auch die Kosten auf bisherigem Niveau blieben, ein verbindlicher Herkunftsnachweis hingegen für Unternehmen Kostensteigerungen in der Produktion und im Verwaltungsbereich bringe. Auch Aufsichtsbehörden müssten mit höheren Ausgaben rechnen, wenn sie die Kennzeichnung der Fleischindustrie kontrollieren müssten.

Würden Verbraucher künftig darüber informiert, ob Fleisch aus der EU komme oder nicht, könne dies die Produktionskosten um bis zu 25 Prozent nach oben treiben, heißt es in dem EU-Bericht. Werde künftig das Herkunftsland von Fleisch ausgewiesen, könne dies für Kostensteigerungen bei den Fleischproduzenten zwischen 15 und 50 Prozent sorgen. Die Kosten für Lebensmittelbehörden zur Kontrolle der Fleischindustrie würden um bis zu 30 Prozent steigen.

Es sei davon auszugehen, dass die Fleischbranche die Kostensteigerungen zu 90 Prozent an die Verbraucher weitergebe, heißt es in dem Report. Zehn Prozent der Mehrkosten verblieben voraussichtlich auf Seiten der Industrie.

Allerdings seien die Verbraucher kaum bereit, mehr Geld für eine Herkunftskennzeichnung bei Fleisch auszugeben, so der EU-Berichtsentwurf. Am wichtigsten sei bei der Kaufentscheidung der Konsumenten der Preis, dann die Beschaffenheit und Qualität des Fleisches. Zwar bestehe auf Seiten der Verbraucher auch der Wunsch nach einer Herkunftskennzeichnung. Diese spiegele sich aber nicht in einer höheren Bereitschaft wider, dafür auch zu zahlen.

Die Grünen im Bundestag forderten - trotz erwartbarer Kosten - eine künftige Herkunftskennzeichnung für Fleisch nach dem Herkunftsland. Eine Kennzeichnung lediglich unter dem Gesichtspunkt, ob Fleisch aus der EU komme oder nicht, wäre "nichtssagend", kritisierte Fraktionsvizechefin Bärbel Höhn. Die Kennzeichnung zum Herkunftsland solle auch Angaben zur Geburt der Tiere enthalten, zur Aufzucht und Schlachtung.

lei/AFP

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 129 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Wieso
pacificwanderer 01.11.2013
das Fleisch um 25%teurer werden muesste ist nicht nachvollziehbar. Die Kaufvertraege ueber das Schlachtvieh seitens der verarbeitenden Industrie muessten nur ins Portal der Verkaeufer gestellt werden, zusammen mit der Produktkennzeichnung.
2. Teuer?
Ze4 01.11.2013
Angesichts von Preisen wie 3 Euro für ein Kilo "arme Sau" sind 50% Preiserhöhung doch ein Witz. Am besten gleich nochmal 50% drauf und die Schlachtsklaven mal besser bezahlen.
3. Was bringt es ...
rf1234 01.11.2013
... zu wissen, aus welchem Land das Fleisch stammt? Viel wichtiger wäre doch die Gewissheit, dass die entsprechenden Hygiene- und Tierschutz Vorschriften eingehalten wurden - und das ist nun mal unabhängig vom Herkunftsland.
4. Blödsinn
sp66 01.11.2013
Ein Label soll bis zu 50% des eigentlichen Produktes als zusätzliche Kosten bringen? Das heisst, dass der Herstellungsprozeß von Fleisch zu billig wäre oder man hier doch nur versucht ein notwendiges Label zu verhindern! Oder schon mal im Voraus eine Entschuldigung für eine krasse Preissteigerung sucht. Die Industrie drückt sich gern um Labels die nicht "made in Germany" lauten. "made in Germany" würde man selbstlos ohne Mehrkosten drauflabeln, wenn mans könnte!!! Ich würde Lebensmittel "made in China" und zum Teil aus anderen Ländern gern vermeiden und vorzugsweise lieber Deutsche bzw. Europäische kaufen. Abgesehen nachtürlich von Lebensmittels, die es halt naturbedingt nur in wenigen Ländern gibt, z.B. Bananen. Ich will aber keinen nicht-europäischen Honig oder Erbeeren!
5. Frisches 'Gammelfleisch' gefälligst?
roedaelefanten 01.11.2013
Wir essen schon heute viel zu viel (minderwertiges=billiges) Fleisch. Weniger wäre tatsächlich mehr. Qualität hat eben ihren Preis! Man muss deswegen nicht gleich zum Vegetarier werden. Denn die leben für ihre selbstgetroffene Entscheidung auch nicht billig.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: