Schuldenkrise EU drängelt im Kampf gegen Jugendarbeitslosigkeit

Berufseinsteiger sind in Europa besonders häufig ohne Job. In Griechenland und Spanien ist die Jugendarbeitslosigkeit drastisch gestiegen. Die EU-Kommission drängt die Staaten zum Handeln.

EU-Kommissionschef Barroso: Druck auf die Mitgliedsländer
AFP

EU-Kommissionschef Barroso: Druck auf die Mitgliedsländer


Brüssel - Die EU-Kommission drückt im Kampf gegen die hohe Jugendarbeitslosigkeit aufs Tempo: Vorgesehene Fördergelder müssten schneller zum Einsatz kommen, forderte die Behörde in einem am Mittwoch veröffentlichten Papier. Um Menschen unter 25 Jahren innerhalb von vier Monaten zu einer Arbeit, einer Ausbildungsstelle oder einem Praktikum zu verhelfen, können die Mitgliedstaaten auf EU-Gelder zurückgreifen.

Sechs Milliarden Euro sind dafür bis zum Jahr 2020 eingeplant. Diese Mittel für die sogenannte Jugendgarantie müssten schon in den kommenden beiden Jahren verwendet werden, erklärte die EU-Behörde. Die endgültige Einigung für den Finanzrahmen 2014 bis 2020 der Union steht allerdings noch aus.

"Wenn es nicht bald gelingt, die aktuellen Trends umzukehren, besteht die Gefahr, dass die aktuelle hohe Jugendarbeitslosigkeit die längerfristigen Beschäftigungsaussichten der jungen Menschen zunichtemacht", heißt es in dem Appell, den EU-Kommissionschef José Manuel Barroso an die Staaten und das Europaparlament richtete. Bei dem Treffen steht das Themen neben der Finanzierung für mittelständische Unternehmen im Mittelpunkt.

Krisenländer sollen bis Oktober Plan vorlegen

Zum Handeln zwingen will Barroso vor allem jene Länder, in denen die Jugendarbeitslosigkeit bei über 25 Prozent liegt. Diese Staaten sollen bis zum Oktober einen Plan für die genaue Umsetzung der Jugendgarantie vorlegen. Die übrigen Staaten müssten solche Pläne erst im Frühjahr 2014 präsentieren. Über die Jugendarbeitslosigkeit beraten auch die Arbeits- und Sozialminister bei ihrem Treffen am Donnerstag in Luxemburg.

Traurige Rekorde schreiben insbesondere Griechenland (62,5 Prozent Jugendarbeitslosigkeit), Spanien (56,4 Prozent), Portugal (42,5 Prozent) und Italien (40,5 Prozent). Auch in der Slowakei, Zypern, Bulgarien, Polen, Ungarn, Irland und Frankreich war zuletzt mehr als ein Viertel aller jungen Menschen ohne Stelle.

Deutschland wies mit 7,5 Prozent eine extrem niedrige Jugendarbeitslosigkeit auf, der Durchschnitt aller 27 EU-Staaten lag im April bei 23,5 Prozent. Dabei spielen aber auch Recheneffekte eine Rolle: Die EU-Statistiker rechnen Studenten oder Auszubildende aus der Gruppe der Unter-25-Jährigen heraus. Dadurch macht sich jeder junge Arbeitslose in dieser Bezugsgruppe stärker bemerkbar, als es bei der Gesamtbevölkerung der Fall ist.

cte/dpa



insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
Watschn 19.06.2013
1. EU-Geldverbrennungsmaschine
Hier wird den arbeitslosen Jugendlichen nur Sand in die Augen gestreut bzw. ein EU-Placebo verabreicht... Im Gegenteil, es verschlimmert alles... Die Gefahr ist sehr gross, das die Wirtschaft im €-Süden die bisherigen Festanstellungen einfach gegen eingerichtete, befristete Billig-Jobs wie diese zukünftige Praktikas, Lehrstellen oder "Arbeitsgelegenheiten" austauscht..... Der einzig richtige Weg.....ist ein Austritt dieser unterproduktiven €-Länder aus dem zu starken, - für sie vernichtenden €uro,....und die Wiedereinführung der eigenen Währungen unter massiver Abwertung.... Nur so bekommen diese Länder wieder Luft... Ansonsten geht man auf die Endphase der Weimarer Republik im Süden Europas zu....
dowhepole 19.06.2013
2.
Sollen diese Erdnüsse (mehr sind 6 Milliarden nicht) für eine reine Beschäftigungsmaßnahme genutzt werden, wie es im Artikel durchklingt, oder dürfen die Länder auch über Nachfrageförderung versuchen, das Problem zu lösen?
idealist100 19.06.2013
3. Hallo
Zitat von WatschnHier wird den arbeitslosen Jugendlichen nur Sand in die Augen gestreut bzw. ein EU-Placebo verabreicht... Im Gegenteil, es verschlimmert alles... Die Gefahr ist sehr gross, das die Wirtschaft im €-Süden die bisherigen Festanstellungen einfach gegen eingerichtete, befristete Billig-Jobs wie diese zukünftige Praktikas, Lehrstellen oder "Arbeitsgelegenheiten" austauscht..... Der einzig richtige Weg.....ist ein Austritt dieser unterproduktiven €-Länder aus dem zu starken, - für sie vernichtenden €uro,....und die Wiedereinführung der eigenen Währungen unter massiver Abwertung.... Nur so bekommen diese Länder wieder Luft... Ansonsten geht man auf die Endphase der Weimarer Republik im Süden Europas zu....
200 h im Monat arbeiten für 200.-€ den Rest bis Sozialhilfe bezahlt die EU und wenn das Geld weg ist geht es von vorne Los.
Abronzius 19.06.2013
4. EU Denke
Also auch die dicke Berta gegen die Jugendarbeitslosigkeit..von strukturellen Mängeln der dortigen Arbeitsmärkte mit der rechtlichen Bevorzugung älterer Arbeitnehmer,zu hoher ( kostspieliger)Einstellungshürdenfür die Unternehmen durch ein rigides Arbeitsrecht,Fehlausbildung wegen fehlendem Praxisbezug der Ausbildung pp keine Rede..Populismus auf EUEbene vom feinsten
c++ 19.06.2013
5.
SpOn hat doch selbst geschrieben, dass die Zahlen in den Krisenstaaten und in D nicht vergleichbar sind, weil sie völlig unterschiedlich berechnet werden. Warum liest man beim Spiegel eigentlich nicht die eigenen Artikel und wiederholt Zahlen, die man selbst als falsch entlarvt hat?
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