Rating-Agenturen: EU einigt sich auf strengere Regeln

Rating-Agenturen sollen bald stärker für ihre Bewertungen zur Rechenschaft gezogen werden können. EU-Länder, Kommission und das Europaparlament haben sich auf schärfere Vorgaben für die Branche geeinigt. Allerdings sind die neuen Regeln nicht ganz so rigide wie ursprünglich geplant.

Büros von Standard & Poor's in New York: Künftig haftbar für grobe Fehler Zur Großansicht
DPA

Büros von Standard & Poor's in New York: Künftig haftbar für grobe Fehler

Brüssel - Die EU zieht die Zügel im Umgang mit Rating-Agenturen spürbar an: Die Bonitätsprüfer sollen künftig für grobe Fehlentscheidungen haftbar sein und ihre Urteile besser begründen. So sollen Klagen leichter gemacht und den Agenturen mehr Transparenz auferlegt werden. Das sehen neue Regeln vor, auf die sich die EU-Kommission, die Mitgliedstaaten und das Europäische Parlament am Dienstag geeinigt haben. Einem EU-Vertreter zufolge werden die neuen Vorschriften frühestens im kommenden Jahr in Kraft treten.

Im Zentrum der neuen EU-Vorgaben stehen vor allem verschärfte Vorgaben für die Bekanntgabe von Bonitätsbewertungen. So müssen die Agenturen künftig in einem Kalender festlegen, wann sie Ratings vergeben. Deren Bekanntgabe soll außerhalb der Handelszeiten und auf einer europäischen Plattform erfolgen. Auf diese Weise sollen nervöse Reaktionen der Märkte abgemildert werden. Zudem müssen die Rating-Agenturen transparent offenlegen, nach welchen Kriterien sie ihre Entscheidung gefällt haben.

Bewertet eine Agentur die Kreditwürdigkeit eines Landes oder eines Unternehmens gar absichtlich oder fahrlässig falsch, soll sie künftig dafür haften. Bei der Bewertung bestimmter komplexer Papiere müssen sich die Agenturen zudem abwechseln. Dies soll verhindern helfen, dass sich die gewinnorientierten Rating-Agenturen mit zu rosigen Einstufungen das Wohlwollen ihrer Geldgeber sichern.

Regeln während Verhandlungen abgeschwächt

Allerdings verwiesen Kritiker darauf, dass die Regeln im Zuge der Verhandlungen aufgeweicht wurden. Vom Tisch ist etwa die Forderung, Länder-Bewertungen auszusetzen, solange Rettungsprogramme organisiert werden. Zudem wurde der Vorschlag abgeschwächt, Anleihe-Emittenten eine Rotation der Rating-Agenturen vorzuschreiben, auch wenn sich die Agenturen künftig in bestimmten Fällen abwechseln müssen.

Rating-Agenturen wie Moody's, Fitch oder Standard & Poor's (S&P) bewerten die Kreditwürdigkeit von Unternehmen oder Staaten. Sie spielen eine wichtige Rolle in der Finanzkrise: Je schlechter sie einen Staat bewerten, desto mehr Zinsen muss dieser in der Regel seinen Gläubigern für geliehenes Geld zahlen.

Seit Beginn der Weltfinanzkrise im Jahr 2008 haben insbesondere die drei Branchengrößen aus den USA heftige Kritik auf sich gezogen. Beanstandet wurde, dass die Experten Top-Bewertungen für Anleihen vergeben hätten, die sich später als Giftpapiere erwiesen. Ein anderer Vorwurf besagt, dass in der Euro-Krise manche Länder-Ratings zu äußerst sensiblen Zeitpunkten herabgestuft wurden.

fdi/Reuters/dpa

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 9 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Ich werfe Dir mit Wattebäuschchen
schandmaul1000 28.11.2012
oder einfach mal nachfragen ob es eine Ratingflatrate gibt,soviel Bewertungen nach Wusch wie gerade gebraucht werden.
2. frühestens nächstes Jahr
koelnrio 28.11.2012
Na, da passiert ja mal was. Warum dauert es denn eigentlich noch so lang, bis das umgesetzt wird?
3. !
discipulus_neu 28.11.2012
Zitat von sysopDPARating-Agenturen sollen bald stärker für ihre Bewertungen zur Rechenschaft gezogen werden können. EU-Länder, Kommission und das Europaparlament haben sich auf schärfere Vorgaben für die Branche geeinigt. Allerdings sind die neuen Regeln nicht ganz so rigide wie ursprünglich geplant. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/eu-einigt-sich-auf-strengere-regeln-fuer-rating-agenturen-a-869682.html
Es war längst überfällig, der Rate-Mafia die Zügel anzulegen. Als nächstes sollte bei den internationale Finanzzockerbuden Vergleichbares geschehen.
4. Strengere Regeln?
querdenker13 28.11.2012
Zitat von sysopDPARating-Agenturen sollen bald stärker für ihre Bewertungen zur Rechenschaft gezogen werden können. EU-Länder, Kommission und das Europaparlament haben sich auf schärfere Vorgaben für die Branche geeinigt. Allerdings sind die neuen Regeln nicht ganz so rigide wie ursprünglich geplant. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/eu-einigt-sich-auf-strengere-regeln-fuer-rating-agenturen-a-869682.html
Die Rat(ten)ing-Agenturen haben wieder mal die EU an Nasenring durch die Arena gezogen. Dies wahrscheinlich mit kleinen Bonbons für verhandelnden Person bei der EU.
5. Rating Agenturen
Ernesto_de_la_Vita 28.11.2012
sind nichts weiter, als nur ein Instrument um Kasse zu machen. Ist zwar utopisch, aber gerade die EU wäre gut beraten, seinen Geldmarkt diesem Instrument zu entziehen.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Staat & Soziales
RSS
alles zum Thema Rating-Agenturen
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 9 Kommentare
Wie Rating-Agenturen arbeiten
Geschichte
Die Geschichte der Rating-Agenturen reicht ins 19. Jahrhundert zurück, als das US-Eisenbahnnetz sich über den Kontinent ausdehnte. Das erforderte Kredite, die die Banken nicht alleine schultern konnten. Industrieunternehmen begannen, Anleihen auszugeben, um an Geld zu kommen. Heute dominieren drei Agenturen den Markt: Standard & Poor's, Moody's und Fitch.
Standard & Poor's
Standard & Poor's (S&P): Henry Varnum Poor veröffentlichte 1868 das "Manual of the Railroads of the United States", in dem die Anleger Informationen über die Eisenbahngesellschaften erhielten. 1941 verschmolzen die Poor's Publishing Company und die Standard Statistics Company zur Rating-Agentur Standard & Poor's. Das Rating reicht von AAA ("Triple A", exzellente Bonität, praktisch kein Ausfallsrisiko) über BBB (befriedigend) bis D (in Zahlungsverzug, keine Bonität).
Moody's
Moody's: John Moody gründete 1909 die Agentur Moody's Investors Service, die seit 1975 von der US-Börsenaufsicht SEC anerkannt ist. Die Bewertungen reichen von Aaa über Baa1 bis C.
Fitch
Fitch Ratings: 1924 entstand in New York aus der Fitch Publishing Company von John Fitch das Unternehmen Fitch Ratings. Alle drei Unternehmen haben ihren Sitz in New York, Fitch Ratings zudem in London; sie betreiben Büros in aller Welt. Das Rating reicht von AAA bis D.
Wie die Agenturen arbeiten
Rating-Agenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Unternehmen, Banken und Staaten und vergeben dazu verschiedene Bonitätsnoten. Dabei fließen veröffentlichte Zahlen ebenso ein wie Brancheneinschätzungen oder eine Beurteilung des Managements.
Die Noten der Rating-Agenturen
Das bedeuten die Ratings
Moody's S&P Fitch Bewertung
Aaa AAA AAA Beste Qualität
Aa1 AA+ AA+ Sichere Anlage
Aa2 AA AA
Aa3 AA- AA-
A1 A+ A+ Prinzipiell sichere Anlage
A2 A A
A3 A- A-
Baa1 BBB+ BBB+ Durchschnittlich gute Anlage
Baa2 BBB BBB
Baa3 BBB- BBB-
Ba1 BB+ BB+ Spekulative Anlage
Ba2 BB BB
Ba3 BB- BB-
B1 B+ B+ Hochspekulative Anlage
B2 B B
B3 B- B-
Caa1 CCC+ CCC+ Substantielle Risiken / Extrem spekulativ
Caa2 CCC CCC
Caa3 CCC- CCC-
Ca CC CC
Ca C C
C D D Zahlungsausfall
Bedeutung der Noten
Je schlechter sie die Bonität eines Marktteilnehmers beurteilen, umso teurer und schwieriger wird es für diesen, sich Geld zu besorgen. Die Refinanzierungskosten steigen, schlimmstenfalls ziehen Geldgeber ihr Kapital ab. Am Rating orientieren sich nicht nur Banken, sondern zum Beispiel auch institutionelle Investoren.

Hochspekulative Anleihen (Moody's: Ba1, S&P: BB+, Fitch: BB+) gelten als "Ramsch". Wird eine Anleihe als spekulativ eingestuft, müssen beispielsweise Zentralbanken sie verkaufen.
Kritik
Kritiker bemängeln, es bleibe oft unklar, welcher Anteil der Bonitätseinstufungen (Ratings) Mathematik und welcher Meinung ist. In der Finanzkrise wurden Rating-Agenturen an den Pranger gestellt: Weil sie Ramschpapiere als sichere Geldanlage anpriesen, wurde ihnen eine Mitschuld an der Krise gegeben.

Rating
Das bedeuten die Ratings
Moody's S&P Fitch Bewertung
Aaa AAA AAA Beste Qualität
Aa1 AA+ AA+ Sichere Anlage
Aa2 AA AA
Aa3 AA- AA-
A1 A+ A+ Prinzipiell sichere Anlage
A2 A A
A3 A- A-
Baa1 BBB+ BBB+ Durchschnittlich gute Anlage
Baa2 BBB BBB
Baa3 BBB- BBB-
Ba1 BB+ BB+ Spekulative Anlage
Ba2 BB BB
Ba3 BB- BB-
B1 B+ B+ Hochspekulative Anlage
B2 B B
B3 B- B-
Caa1 CCC+ CCC+ Substantielle Risiken / Extrem spekulativ
Caa2 CCC CCC
Caa3 CCC- CCC-
Ca CC CC
Ca C C
C D D Zahlungsausfall