Zollbetrug EU fordert 2,7 Milliarden Euro von Großbritannien

Jahrelang soll Großbritannien nichts gegen Zollbetrug unternommen haben. Das wirft die EU-Kommission der Regierung in London vor - und fordert mindestens 2,7 Milliarden Euro.

Gebäude der EU-Kommission in Brüssel
imago/ Winfried Rothermel

Gebäude der EU-Kommission in Brüssel


Die britische Regierung soll jahrelang massiven Zollbetrug in Kauf genommen haben - und soll nach dem Willen der EU-Kommission nun dafür bezahlen. Die Brüsseler Behörde hat ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Großbritannien eingeleitet, um 2,7 Milliarden Euro an durch Zollbetrug entgangenen Einnahmen einzufordern. Die Regierung in London sei über entsprechende Betrugsrisiken informiert gewesen und habe versäumt, Maßnahmen zu ergreifen, teilte die Kommission mit.

Die EU-Betrugsbehörde Olaf hatte 2017 aufgedeckt, dass von 2011 bis 2017 chinesische Textilien und Schuhe massiv unter Wert über Großbritannien in die EU importiert worden waren. Olaf empfahl daraufhin der EU, die Verluste von Großbritannien einzufordern, da bereits von 2007 an auf die Möglichkeit zum Betrug hingewiesen worden sei.

Summe könnte noch korrigiert werden - nach oben

Nach EU-Recht sind die Mitgliedstaaten dazu verpflichtet, Zölle auf Importe aus Drittländern zu erheben und nach Abzug eines Entgeltes an die EU abzuführen. Nach Berechnungen der Brüsseler Behörde entgingen der EU Einnahmen in Höhe von rund 2,7 Milliarden Euro.

Diese Summe könne sich im Laufe des Verfahrens noch ändern, teilte die Kommission mit - offenbar nach oben. So habe Großbritannien zudem auch gegen Mehrwertsteuervorschriften der EU verstoßen. Die Regierung in London hat nun zwei Monate Zeit, um der EU-Kommission ein Antwortschreiben zu übermitteln.

Großbritannien weist Höhe der Rückzahlungen zurück

Die britische Regierung wies die von der EU errechneten Summe zurück. "Wir glauben die genutzte Methode hat die britischen Importwerte überschätzt", sagte ein Regierungssprecher. "Sie ist nicht geeignet, einen Schätzwert der angeblichen Zoll-Unterbewertung zu errechnen."

fdi/AFP

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insgesamt 27 Beiträge
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tmhamacher1 08.03.2018
1. Jetzt geht die Party richtig los!
Da werden sich die Brexiteers ja freuen!
tomy1983 08.03.2018
2. Dem Untergang geweiht.
Die Geschichtsschreibung wird irgendwann davon berichten wie Grossbritanien nach dem EU Austritt aehnlich zerquetscht und gedemuetigt wurde wie Deutschland in den Versailler Vertraegen und das dies eine der Ursachen der darauf folgenden Katastrophe im Europaeischen Raum war. Knappe 3 Mrd.? Wieviel verschlingt die EU eigentlich pro Jahr? Scheint mir ein Fass ohne Boden.
mlange8801 08.03.2018
3. Ist ja derzeit auch noch so
Die ganzen China Shops wie Gearbest etc. importieren ja immer noch im großen Stil alles über England und umgehen damit die MwSt und Zoll. Wieso lassen die das zu, das schadet doch die englischen Händler genauso? Wer keine MwSt. abführt, kann natürlich konkurrenzlos günstig anbieten.
g.bernhardt 08.03.2018
4. Nachzahlung Zollgebühren
...im Ernst. Glaubt wirklich irgend jemand daran, dass dieser Sachverhalt für die Britten vor dem Hintergrund des Brexit von irgendeinem Interesse ist? Leute aus Brüssel, spart euch das Verfahren. Die Briten gehen eh bald, und solche Sachverhalte interessiert die nicht die Bohne.
s.l.bln 08.03.2018
5. Da kommen sie...
...ja früh drauf. Es ist seit Jahren gelebte Praxis, daß chinesische Webkaufhäuser wie z.B. Gearbest "zolloptimiert" über England nach Deutschland verschicken. Vermutlich sind die Hälfte der chinesischen 3d Drucker auf dem Weg hier gelandet.Mit Handys läuft das ähnlich. Vielleicht haben sie sich das für die Endphase des Brexit aufgehoben, um die Verhandlungsposition zu verbessern.
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