Wirtschaftsprognose Brüssel verkündet Trendwende für Europa

Europa könnte die Krise bald hinter sich lassen - so sieht es zumindest die EU-Kommission. Dennoch sei es zu früh, einen Erfolg zu verkünden, sagt Währungskommissar Rehn. Sorgen bereiten vor allem Frankreich und Spanien.

Hafen von Salerno, Italien: Steigende Wirtschaftskraft erst 2014
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Hafen von Salerno, Italien: Steigende Wirtschaftskraft erst 2014


Brüssel/Berlin - Die EU-Kommission gibt sich so optimistisch wie lange nicht: Sie sagt der Euro-Zone eine konjunkturelle Trendwende voraus, aber nur einen allmählichen Aufschwung. "Es gibt zunehmend Anzeichen, dass die europäische Wirtschaft einen Wendepunkt erreicht hat", sagte EU-Währungskommissar Olli Rehn am Dienstag zur Vorstellung der Herbstprognose der Brüsseler Behörde. Es sei aber noch zu früh, einen Erfolg zu verkünden, warnte Rehn. Die Haushaltskonsolidierung und die Strukturreformen hätten zwar den Weg für die Erholung geebnet. Die Arbeitslosigkeit - derzeit auf einem Rekordhoch - bleibe jedoch auf einem nicht hinnehmbaren Niveau.

Im Frühjahr war die Wirtschaft in der Euro-Zone erstmals seit eineinhalb Jahren wieder gewachsen. Dennoch geht die EU-Kommission weiter davon aus, dass die Wirtschaft in den 18 Ländern im Gesamtjahr 2013 unterm Strich um 0,4 Prozent schrumpft. Für das nächste Jahr kappte sie ihre Prognose minimal und erwartet ein Wachstum von 1,1 Prozent. Bisher hatte sie mit 1,2 Prozent gerechnet.

Für 2015 peilt die Kommission einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts von 1,7 Prozent an. Wegen der eingetrübten Konjunkturaussichten in Schwellenländern wie China werde der Währungsraum nur allmählich zu "solidem Wachstum" zurückkehren. Größter Wachstumstreiber sei die Binnenkonjunktur.

Deutschland mit deutlich besserer Zukunft

Der deutschen Wirtschaft traut die EU-Kommission eine deutlich bessere Zukunft zu als der gesamten Euro-Zone. Die Konjunktur der Bundesrepublik dürfte 2013 um 0,5 Prozent anziehen, 2014 um 1,7 Prozent zulegen und 2015 ihr Wachstum auf 1,9 Prozent beschleunigen. Das US-Finanzministerium hatte Deutschland zuletzt dafür kritisiert, sich zu sehr auf den Export zu fixieren.

Den meisten EU-Krisenstaaten wie Italien, Spanien, Portugal und Griechenland sagen die Brüsseler Experten erst im nächsten Jahr wieder eine steigende Wirtschaftskraft voraus. Demnach dürfte es für Zypern und Slowenien sogar erst 2015 wieder bergauf gehen.

Die Kommission kritisierte, dass Frankreich und Spanien ihre Defizite nicht in den Griff bekämen. Die Regierung in Paris werde es bei unveränderter Politik nicht schaffen, wie versprochen im übernächsten Jahr die Maastrichter Defizitgrenze von drei Prozent der Wirtschaftsleistung wieder einzuhalten. Erwartet werde stattdessen für 2015 eine Neuverschuldung von 3,7 Prozent, teilte die EU-Kommission weiter mit. Für Spanien, das 2016 wieder die Dreiprozentmarke einhalten muss, wird für das nächste Jahr ein Defizit von 5,9 Prozent angenommen und für 2015 der noch höhere Wert von 6,6 Prozent.

Auch die Arbeitslosigkeit in Spanien ist parallel zum Ende der Tourismus-Hochsaison wieder gestiegen. Die Zahl der Arbeitssuchenden stieg im Oktober um rund 87.000 auf 4,81 Millionen, wie das Arbeitsministerium in Madrid am Dienstag mitteilte. Eine Quote nannte das Ministerium nicht.

yes/Reuters/dpa

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