Zukunftsprojekt EU-Kommission plant Freihandelsabkommen mit Afrika

Kein "Geber-und-Nehmer-Verhältnis" mehr: Die EU-Behörde will die Wirtschaftsbeziehungen zum afrikanischen Kontinent umkrempeln. Ein umfassendes Freihandelsabkommen soll das Ziel sein.

Jean-Claude Juncker
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Jean-Claude Juncker


Die EU-Kommission plant langfristig ein umfassendes Freihandelsabkommen zwischen Afrika und der Europäische Union. Entsprechende Absichten präsentierte die Brüsseler Behörde.

EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker hatte die Pläne bereits in seiner Rede zur Lage der Union am Mittwoch angekündigt. Die EU-Staaten müssten ihnen zustimmen, damit sie in die Tat umgesetzt werden können.

Um den Weg dafür zu ebnen, will die Kommission zunächst die wirtschaftliche Entwicklung in Afrika stärker unterstützen. Die Beziehungen zu dem Kontinent müssten sich von einem Geber-und-Nehmer-Verhältnis zu einer Partnerschaft entwickeln, sagte die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini. "Wir haben ein gemeinsames Interesse an Investitionen." Afrika solle nun vor allem dabei unterstützt werden, ein besseres Investitionsklima zu schaffen.

EU ist Afrikas wichtigster Handelspartner

Im kommenden EU-Haushaltsrahmen von 2021 bis 2027 sollen nach dem Wunsch der Brüsseler Behörde 123 Milliarden Euro für Maßnahmen außerhalb der EU bereitstehen - das wäre ein Plus von 30 Prozent. Bis Ende 2016 betrug das EU-Gesamtinvestment in Afrika knapp 300 Milliarden Euro. Auf die EU entfallen 36 Prozent des afrikanischen Warenhandels im Wert von rund 245 Milliarden Euro. Sie ist damit der wichtigste Handelspartner.

Die EU steht mit ihren Plänen nicht allein da: Zuletzt hatte China angekündigt Investitionen in Milliardenhöhe auf dem Kontinent tätigen zu wollen.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels hieß es, die Investitionen aus der EU in Afrika hätten sich 2016 auf knapp 300 Milliarden Euro belaufen. Das war nicht korrekt, es ging vielmehr um die Summe aller Investitionen auf dem Kontinent zum Jahresende. Die Aussage ging auf einen Übersetzungsfehler in einer Pressemitteilung der EU-Kommission zurück. Wir haben die Stelle angepasst.

mje/ans/dpa

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insgesamt 23 Beiträge
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Seite 1
ex_Kamikaze 14.09.2018
1. Nichts ist schädlicher für Afrika
als weitere Freihandelsabkommen die den letzten Rest wirtschaftlicher Tätigkeit bedroht und lokale Märkte außer Funktion setzt. Afrika braucht Schutz vor ausländischen Billigprodukten und vor allem Schutz vor Nahrungsmittelimporten aus der hochindustrialisierten und hochsubventionierten Landwirtschaft Europas und Nordamerikas. Die Hühnchen werden zwar billiger nur hat dann eben keiner mehr Arbeit und eben auch keinerlei Einkommen. Auch das kann Migrationsdruck erzeugen.
ray8 14.09.2018
2. Endlich!
Aber fair bitte, liebe EU!
gandhiforever 14.09.2018
3. Freihandel
Freihandel ist immer der Freihandel des Staerkeren, des wirtschaftlich Staerkeren. Wie das um nutzen Afrikas sein soll, erschliesst sich mir nicht. Wegen der Devisen werden Produkte, die die einheimische Bevoelkerung benoetigt, exportiert. Die Importe aus der EU sind teuer, verdraengen aber dennoch billige einheimische Alternativen vom Markt.
Europa! 14.09.2018
4. Afrika muss sich hüten (und wir uns auch) ...
Ein "Freihandelsabkommen"? Was soll das bringen? Die legitimen afrikanischen Produkte sind meines Wissens doch ohnehin schon von allen Zöllen befreit. Und irgendwelche Glasperlen und miese Agrarprodukte aus Europa brauchen die Afrikaner schon gar nicht. Was die "Investitionen" angeht, wäre sicher einiges zu leisten. Ich erinnere nur mal an die Träume von der Elektrizitätserzeugung aus Sonnenkraft in der Sahara. Aber bei den unsicheren politischen Verhältnissen in den afrikanischen Staaten sind solche Investitionen nicht zu empfehlen. Am Ende muss dann der deutsche Steuerzahler geradestehen, wenn Fabriken mal eben enteignet und gelieferte Produkte nicht mehr bezahlt werden.
taglöhner 14.09.2018
5.
Ein Segen, wenn die Afrikaner eine freiheitlich-demokratisch organisierte Alternative zu den Chinesen erhalten und eine Chance, die Kleptokraten dort in den Griff zu kriegen.
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