Frühjahrsprognose EU-Kommission warnt vor Protektionismus

Trumps Handelspolitik gefährdet nach Ansicht der EU-Kommission die guten Aussichten für die Wirtschaft der Eurozone. Erstmals sollen in diesem Jahr alle Länder unter der Defizitgrenze liegen.

Containerschiffe in Hamburg
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Containerschiffe in Hamburg


Die EU-Kommission hat vor den Auswirkungen der Wirtschaftspolitik von US-Präsident Donald Trump auf die Wachstumsaussichten in Europa gewarnt. Protektionismus sei das "größte Risiko" für die derzeit guten Konjunkturperspektiven der EU, sagte EU-Wirtschaftskommissar Pierre Moscovici bei der Vorlage der Frühjahrsprognose der Behörde.

Vor dem Hintergrund drohender US-Strafzölle auf Stahl und Aluminium aus Europa fürchtet die Kommission eine "Eskalation des Handelsprotektionismus". Die Steuersenkungen in den USA dürften zwar das kurzfristige Wachstum ankurbeln, "aber auch das Risiko einer Überhitzung sowie die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass die Zinssätze in den USA schneller steigen als derzeit angenommen". "All diese Risiken sind miteinander verknüpft, und das Euro-Währungsgebiet ist durch seine Offenheit besonders anfällig, wenn diese Risiken eintreten sollten."

Ungeachtet der Risiken sagte die Kommission den 19 Ländern der Eurozone einen anhaltenden Aufschwung mit sinkender Neuverschuldung voraus. Das Bruttoinlandsprodukt werde in diesem Jahr um 2,3 Prozent und 2019 um 2,0 Prozent wachsen, bekräftigte die Brüsseler Behörde ihre Prognosen vom Februar. Das wäre nur etwas weniger als im vergangenen Jahr, in dem mit 2,4 Prozent das größte Plus seit zehn Jahren erreicht wurde.

Positive Entwicklungen

Innerhalb Europas sieht die Kommission eine Reihe positiver Entwicklungen. Die Beschäftigung steige, die Neuverschuldung und die Gesamtschuldenstände der öffentlichen Haushalte gingen zurück.

"Europa verzeichnet weiterhin ein solides Wachstum, was es ermöglicht hat, die Arbeitslosigkeit auf den niedrigsten Stand seit zehn Jahren zu senken", sagte Moscovici. Garanten dafür sollen ein steigender Konsum sowie eine starke Export- und Investitionstätigkeit sein.

Die Arbeitslosigkeit werde weiter zurückgehen, in der gesamten EU von 7,6 Prozent im vergangenen Jahr auf 6,7 Prozent im kommenden Jahr.

Erstmals alle Euroländer unter der Defizitgrenze

2018 soll das erste Jahr seit Beginn der Wirtschafts- und Währungsunion werden, in dem alle Euroländer ein Defizit von weniger als drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts aufweisen werden, wie es die europäischen Verträge vorsehen.

In der gesamten Eurozone soll die Neuverschuldung in diesem Jahr auf 0,7 Prozent fallen, 2019 dann auf 0,6 Prozent. Die Inflationsrate dürfte in beiden Jahren mit 1,5 und 1,6 Prozent unter dem Ziel der Europäischen Zentralbank verharren, die knapp zwei Prozent als ideal für die Konjunktur ansieht.

Die EU-Kommission sagt auch Deutschland einen stabilen Aufschwung voraus. Sie rechnet wie schon im Winter mit einem Wachstum von 2,3 Prozent in diesem und von 2,1 Prozent im kommenden Jahr, was genau den Erwartungen der Bundesregierung entspricht.

Zudem sagt die Kommission einen deutlichen Rückgang der Gesamtverschuldung voraus. Sie werde von 64,1 Prozent der Wirtschaftsleistung im vergangenen Jahr auf 56,3 Prozent im kommenden Jahr sinken.

brt/dpa/AFP/Reuters

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Seite 1
urknallmarinchen@yahoo.de 03.05.2018
1. Wer der EU den Zusammenbruch voraussagt...
...dürfte an einem Fortbestand der EU - genau wie Putin - zumindest kein ernsthaftes Interesse haben. Der Politikstil Trumps entlarvt sich daher eher als egoistisch statt kooperativ und auf die Einhaltung von Verträgen gerichtet.
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