Neues Rentenprodukt EU-Kommission will europaweite Altersvorsorge

Europas Bürger sichern sich nicht genug fürs Alter ab, findet die EU-Kommission. Das soll sich ändern. Sie plant ein europaweites Produkt für die Altersvorsorge - das den Kunden mehr Rechte geben soll.

Seniorinnen vor dem Rosengarten Beutig in Baden-Baden
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Seniorinnen vor dem Rosengarten Beutig in Baden-Baden


Angesichts der noch immer relativ geringen privaten Absicherung von EU-Bürgern für das Alter, plant die EU-Kommission einen eigenen Vorstoß. Sie hat eine europaweite private Altersvorsorge vorgeschlagen.

"Es wird den Wettbewerb beleben, da mehr Anbieter es auch außerhalb ihres Heimatmarkts vertreiben können", sagte Kommissions-Vizepräsident Valdis Dombrovskis. Das vorgeschlagene, europäische Vorsorgeprodukt "Pepp" (Pan European Pension Product) ist im Prinzip ein EU-Rechtsrahmen für Sparpläne. Er soll bestehende gesetzliche, betriebliche und nationale private Produkte ergänzen, nicht ersetzen.

Für EU-Bürger soll es eine sichere und einfache Wahl werden: Sparern würde zumindest das investierte Kapital garantiert. Sie sollen außerdem das Recht bekommen, alle fünf Jahre bei gedeckelten Kosten den Anbieter zu wechseln. Gleichzeitig würde ihnen erlaubt, ihren Vertrag bei einem Umzug in ein anderes EU-Land zu behalten. Dies seien Voraussetzungen für die Zulassung des Pepp-Vorsorgeprodukts, die von der Versicherungsaufsicht EIOPA erteilt werden soll.

Nach dem Verordnungsentwurf können Versicherungsunternehmen, Banken, betriebliche Rentenkassen, Wertpapierfirmen und Vermögensverwalter das neue Produkt anbieten. Ihrem Geschäft würde das EU-Produkt neuen Auftrieb geben. So werden in der EU einer Studie zufolge aktuell Vorsorgeprodukte in Höhe von 700 Milliarden Euro verwaltet. Bis 2030 werde dieser Wert auf 1,4 Billion Euro steigen, schätzt die EU, mithilfe des geplanten Pepp-Angebots und den durch die Mitgliedsländer gewährten Steuervorteilen sogar auf 2,1 Billion Euro.

Die EU-Staaten und das Europäische Parlament müssen dem Vorschlag noch zustimmen.

Nach Angaben der Brüsseler Behörde haben bisher nur 27 Prozent der EU-Bürger zwischen 25 und 59 Jahren eine private Altersvorsorge. In Deutschland nutzen mittlerweile fast 40 Prozent der Erwerbstätigen die private Vorsorge in Form der Riester-Rente. Vor allem in Osteuropa sind die Werte deutlich niedriger.

Mit dem Altersvorsorge-Produkt will die EU-Kommission auch die Entwicklung der Kapitalmarktunion voranbringen, welche Finanzierungsmöglichkeiten für Bürger und Firmen jenseits des klassischen Bankgeschäfts fördern soll.

kig/Reuters/dpa



insgesamt 19 Beiträge
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Seite 1
t_mcmillan 29.06.2017
1. Naktigall ik hör dir trapsen...
Da hat sich die Banken- und Versicherungslobby was Nettes ausgedacht. Wie im Text steht: Ihrem Geschäft würde es Auftrieb geben. Kürzlich hat man doch hier gelesen, dass die Riesterrente ein Flop ist, weil ein ziemlich großer Teil der Verträge stillgelegt ist? Wer hat den Europäern das Ding jetzt schöngeredet? Irgendwie ist mir das alles unsympathisch. Ich will eine steuerfinanzierte Grundrente wie in Skandinavien.
unbekanntgeblieben 29.06.2017
2.
Es sind solche Aktionen, die deutlich machen, was die EU eigentlich ist und werden will ...
Francuzzo 29.06.2017
3. Zeit wird's
@t_macmillan: "Ich will eine steuerfinanzierte Grundrente wie in Skandinavien" - tja, aber wollen Sie auch so eine brutale Steuerlast wie dort? Das ist nämlich die Kehrseite der Medaille. Zum Vorschlag der EU-Kommission: Zeit wird's und der dann vergrößerte Markt wird allen bessere Bedingungen bieten. Danach bitte auch endlich mal den Versicherungsmarkt aufrollen: es kann nicht sein, dass man bei einem Umzug von einem EU-Land in das andere z.B. den KfZ-Haftpflichtvertrag nicht mitnehmen kann und das, obwohl die Römischen Verträge (=Gründung der EWG) schon 60 Jahre alt sind...
Werner_Schmitt 29.06.2017
4. Riester Vertrag mit EU Aufdruck
Wow das lässt den Versicherungsmakler aufhorchen. Schwächelt das Geschäft doch aktuell. Es wäre die Pflicht des Staates, seinen Bürgern eine faire Rente zu zahlen (wie in Österreich). Statt dessen sieht sich der Staat nur zum Schutz der Beamtenpensionen verpflichtet. Die Renten werden durch Entnahme versicherungsfremder Leistungen in den Keller gefahren.
flo_bargfeld 29.06.2017
5. Wäre ich Champagnerhändler, ...
... würde ich den Vertriebsvorständen von Allianz, Generali & Co. jetzt schon mal Aktionsangebote für die Abnahme besonders großer Produktmengen unterbreiten.
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