Globaler Wettbewerb: Europa plant dritte industrielle Revolution

Die EU-Kommission denkt in der Wirtschaftskrise um. Sie will Europa wieder zu einem Kontinent der Industrie machen und das Übergewicht der Dienstleistungsbranche zurückdrängen. Mehr Ausbildung und mehr Investitionen in Fabriken sollen die Wende für neue, bessere Jobs bringen.

Schweißer in Cuxhaven: EU will mehr in Fabriken und Forschung investieren Zur Großansicht
dapd

Schweißer in Cuxhaven: EU will mehr in Fabriken und Forschung investieren

Brüssel - Die Euro-Krise führt zu einem Umdenken in der EU-Kommission. Angesichts der Wirtschaftsflaute in vielen Mitgliedsländern spricht sich die Kommission dafür aus, "die schrumpfende Rolle der Industrie umzukehren". Das geht laut Berichten der "Welt" und der "Süddeutschen Zeitung" aus einem Konzept des zuständigen Kommissars Antonio Tajani hervor. Demnach soll der Anteil der Industrie an der europäischen Wirtschaftsleistung bis 2020 auf 20 Prozent angehoben werden. Derzeit liegt der Wert bei etwa 15 Prozent.

Europa müsse sich für das 21. Jahrhundert reindustrialisieren, so Tajani. Eine starke industrielle Basis sei entscheidend für ein "wohlhabendes und wirtschaftlich erfolgreiches Europa". Den Zeitungen zufolge fordert Tajani, der auch Vizepräsident der Kommission ist, eine "dritte industrielle Revolution". Unter der ersten industriellen Revolution versteht man die Zeit, die etwa Mitte des 18. Jahrhunderts mit der Erfindung der Dampfmaschine begann. Die zweite industrielle Revolution wird auf die Zeit um 1900 datiert. Damals wurde die maschinelle Massenproduktion etabliert.

Tajani will das Konzept am kommenden Mittwoch vorstellen. Wie viel Geld die Kommission investieren will und wie die Mitgliedstaaten zu dem Plan stehen, ist offen. Laut "SZ" muss das Konzept zudem noch von Tajanis Kollegen gebilligt werden.

Laut dem Bericht der "Welt" sieht der Plan vier Pfeiler vor, mit denen der Kommissar die "Attraktivität Europas als Produktionsstandort wiederherstellen" will:

  • Mehr Investitionen in Fabriken sowie in Forschung und Entwicklung.
  • Ausbau des Binnenmarkts und die "Öffnung internationaler Märkte".
  • Kleinen und mittleren Unternehmen solle der Zugang zu internationalen Märkten eröffnet werden.
  • Die EU-Kommission wolle sich um Aus- und Fortbildung kümmern und Angebot und Nachfrage nach Arbeitskräften besser abgleichen.

Mit dem Plan konkretisiert die Kommission ihr Vorhaben, die Industrie zu stärken, um Arbeitsplätze zu schaffen. Probleme könnte es aber bei der Koordinierung mit den ebenfalls ehrgeizigen Umweltzielen geben. Bisher galten die Vorgaben für die Reduktion von Treibhausgasen, für den Anteil an erneuerbaren Energien und für Energieeinsparungen als vordringlich. Doch nun sagt selbst der deutsche Energiekommissar Günter Oettinger mit Blick auf die Ziele für 2020: "Wir brauchen einen vierten 20-Prozent-Wert."

cte

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1. Bis jetzt haben die PIGGS Staaten die Investoren verjagt...
FreeEurope 05.10.2012
Die zentrale Planwirtschaft in Brüssel möchte also wieder mehr Industrie. Das war ursprünglich ja auch der Masterplan der EU. Durch größe eine Economy of Scales interessant für Investoren zu werden. Leider haben viele Staaten ein "Konsum-auf-Pump" -Programm aufgelegt. Die Schulden führten zu einer reinen Preiskonjunktur - die Preise zogen an. Schließlich wurden die Standorte zu teuer für eine industrielle Produktion. Die gleichen Mechanismen kann man in den USA beobachten, wo auch über Schuldenprogramme die Nachfrage angekurbelt wurde - aber auch die Preise künstlich hochgehalten wurden. Folge: Arbeitsplatzverlagerung in günstigere Länder. Der Westen darf nicht länger auf die Strategien der asiatischen Herausforderer hereinfallen!
2. optional
Whitejack 05.10.2012
Eine interessante Idee. Allerdings ist sie zunächst einmal rein theoretisch. Und die entscheidende Frage ist, wie und wo die entsprechenden industriell gefertigten Güter abgesetzt werden sollen. Die erste Revolution erreichte vor allem die adlige und gutbürgerliche Schicht. Die zweite erreichte die gesamte Bevölkerung. Welchen Teil soll die dritte industrielle Revolution erreichen? Soll die EU noch mehr exportieren? Gegen Konkurrenten wie China und Indien wird es hart, schon den Status Quo zu halten. Oder soll die Binnennachfrage steigen? Aber wie, und an welchen Gütern? Auf die folgende Diskussion bin ich durchaus gespannt.
3.
mrsa 05.10.2012
Zitat von sysopdapdDie EU-Kommission denkt in der Wirtschaftskrise um. Sie will Europa wieder zu einem Kontinent der Industrie machen und das Übergewicht der Dienstleistungsbranche zurückdrängen. Mehr Ausbildung und mehr Investitionen in Fabriken sollen die Wende für neue, bessere Jobs bringen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/eu-kommission-will-dritte-industrielle-revolution-a-859794.html
"Die EU-Kommission wolle sich um Aus- und Fortbildung kümmern und Angebot und Nachfrage nach Arbeitskräften besser abgleichen." Heißt das etwa, dass es nach den Gurken und Bananen jetzt auch noch den EU-Azubi gibt? Na, dann kanns ja was werden...
4. Die Kommission hat immer recht!
A.Murksel 05.10.2012
Zitat von sysopdapdDie EU-Kommission denkt in der Wirtschaftskrise um. Sie will Europa wieder zu einem Kontinent der Industrie machen und das Übergewicht der Dienstleistungsbranche zurückdrängen. Mehr Ausbildung und mehr Investitionen in Fabriken sollen die Wende für neue, bessere Jobs bringen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/eu-kommission-will-dritte-industrielle-revolution-a-859794.html
Die Ideen gehen der Kommission ja nie aus. Leider waren die bisherigen, vorsichtig gesagt, nicht unbedingt von Erfolg gekrönt. Siehe: http://ec.europa.eu/eu2020/pdf/COMPLET%20%20DE%20SG-2010-80021-06-00-DE-TRA-00.pdf Aber Zielkonflikte lösen? Niet.
5. endlich ein guter vorschlag von der eu
Steuerzahler0815 05.10.2012
Zitat von sysopdapdDie EU-Kommission denkt in der Wirtschaftskrise um. Sie will Europa wieder zu einem Kontinent der Industrie machen und das Übergewicht der Dienstleistungsbranche zurückdrängen. Mehr Ausbildung und mehr Investitionen in Fabriken sollen die Wende für neue, bessere Jobs bringen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/eu-kommission-will-dritte-industrielle-revolution-a-859794.html
eine nation (und erst recht kein ganzer kontinent) kann eben nicht davon leben sich gegenseitig die haare zu schneiden oder die kinder zu betreuen!
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