Autokartell "Wir nehmen diesen Fall sehr ernst"

Haben die Ermittlungen zu einem womöglich illegalen Autokartell in Deutschland nachgelassen? Der Schein trügt, stellt EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager im SPIEGEL klar, und warnt: "Wir kennen die Branche inzwischen gut."

EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager
DPA

EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager

Von und , Brüssel


Bei EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager haben die Ermittlungen gegen ein vielleicht illegales Autokartell in Deutschland höchste Priorität. "Man sollte sich nicht täuschen, nur weil unsere Ermittlungen von außen nicht so gut sichtbar sind. Wir sind nicht die Polizei, wir klopfen, von Durchsuchungen abgesehen, nicht an Haustüren", sagte Vestager dem SPIEGEL. "Ich kann dazu nur sagen: Wir nehmen diesen Fall sehr ernst." (Lesen Sie hier das ganze Gespräch im neuen SPIEGEL.)

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Heft 48/2017
Land ohne ...Richtung, ...Einigkeit, ...Kanzlerin?

Ihre Behörde kenne die Autobranche inzwischen recht gut, so Vestager. "Mir scheint, dass es in dieser Branche nichts gibt, woraus sich nicht ein Kartell formen ließe."

Der SPIEGEL hatte die Praxis detaillierter über Jahre andauernder Absprachen zwischen den Autobauern Porsche, Audi, VW, BMW und Volkswagen Ende Juli aufgedeckt. BMW und Daimler sowie Volkswagen mit den Töchtern Audi und Porsche sollen sich in zahlreichen Arbeitsgruppen in den Bereichen Technik, Lieferanten und Märkte abgestimmt haben.

Dabei sollen sie auch gemeinsame Strategien für Dieselfahrzeuge entwickelt haben, was zu Manipulationen bei der Schadstoffreinigung von Dieselautos und damit zur Dieselaffäre geführt haben soll. Aufgeflogen sind die Absprachen durch Selbstanzeigen beteiligter Konzerne.

Illegales Kartell? Die Antwort dürfte es erst in Jahren geben

Bis zu einer endgültigen Entscheidung, ob es sich um ein illegales Kartell handele, könne es noch Jahre dauern, sagte Vestager nun dem SPIEGEL, der Fall sei komplex. "Es gab zahllose Arbeitsgruppen über so viele Jahre. Wann stand man auf dem sicheren Boden erlaubter Absprachen? Und wann sind diese Gespräche abgedriftet in ein womöglich illegales Kartell? Diese Frage ist schwer zu beantworten."

Welche unangenehmen Folgen unerlaubte Absprachen haben können, demonstrierte die EU-Wettbewerbsbehörde am Mittwoch. Fünf vornehmlich aus Japan stammende Autozulieferer müssen eine Kartellstrafe von insgesamt 34 Millionen Euro zahlen. Die Unternehmen sprachen im Zeitraum von 2004 bis 2010 Preise ab, teilten Märkte unter sich auf und tauschten sensible Informationen aus, wie die EU-Kommission am mitteilte. "Wir stoppen Kartelle, die den europäischen Verbrauchern schaden, auch wenn diese Kartelle außerhalb Europas koordiniert werden", sagte Vestager.

Auch den Dieselskandal will Vestager zum Anlass nehmen, die Rechte der Verbraucher in der EU zu stärken. "Für mich wirft der Fall jedenfalls die Frage auf, warum wir in Europa nicht ähnlich wie in den USA die Möglichkeit der Sammelklage haben. Ich glaube, dass das Risiko solcher Klagen abschreckend und disziplinierend auf manche Unternehmen wirkt, es geht dann plötzlich um sehr viel mehr Geld", sagte Vestager. "Sammelklagen sind auch in einigen EU-Ländern möglich, aber nicht in allen. Wir in der Kommission sähen es gerne, dass Verbraucher überall in der EU bessere Rechte erhalten, und überlegen gerade, wie wir das am besten erreichen."

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - ab Samstagmorgen erhältlich.

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insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
kritischergeist 23.11.2017
1. Autokartell?
Dass sich Autohersteller zusammensetzen und sich technisch absprechen ist kein Kartell, sondern eine Notwendigkeit. Dass es wohl noch Jahre dauert bis ermittelt wird dass es möglicherweise illegale Absprachen gab zeigt dass SPON mit seinem Artikel wohl eher ein Blase gefüttert hat, deren Luft jetzt ausgeht. Was besonders eigenartig ist, warum ermittelt man wegen des Dieselbetrugs ausschließlich gegen deutsche Autobauer? Tests haben ergeben dass Fiat, Renault, Peugeaut, Volvo und diverse Japaner auch geschummelt haben und deren Autos durchweg noch mehr Schadstoffe ausstoßen als die Modelle der deutschen Autobauer, sie aber nie in den Focus der EU-Behörden gerieten. Der Verdacht liegt daher daher nahe dass man die deutsche Autoindustrie wegen ihrer Marktmacht abstrafen will.
MisterD 23.11.2017
2. Na wenn 5 japanische Autobauer...
insgesamt(!!) 34 Millionen EUR Strafe zahlen mussten, für 5 Jahre Absprachen... dann kann es für die deutschen Autobauern um kaum mehr als 100 Millionen EUR Strafe gehen. Selbst wenn das pro Autobauer ist, da lachen die drüber...
m.m.s. 23.11.2017
3. LKW-Kartell europaweit
Noch viel größer ist das europäische LKW-Kartell das alle Hersteller umfasst. Das hat ja sogar Einzug in die Gesetzgebung gefunden, dass nur LKWs mit flachen Kabinen ("Nasen") zuzulassen sind. Ein europaweiter Filzskandal, wo natürlich nichts untersucht wird. Der Spiegel hat glaube ich schon einmal darüber berichtet.
roughneckgermany 23.11.2017
4. @kritischergeist
Sie verstehen es scheinbar nicht. Beispiel Adblue-Tanks. Man hat sich abgesprochen und eine maximal Größe verhandelt, weil sonst der ganze Abgasbetrug frühe aufgeflogen wäre. Die Frage hätte auch nämlich gestellt, wie Autohersteller X trotz gleicher Reinigungstechnik nur die halbe adblue-Tankgröße bei zeitgleich doppelter Reichweite (im Endeffekt halber AdBlue Bedarf bei gleichem Treibstoffverbrauch) im Vergleich zu Autohersteller Auto Y benötigt. Das hat nichts mit Zerschlagung deutscher Autobauer zu tun, das schaffen diese ganz alleine.
roughneckgermany 23.11.2017
5. @kritischergeist
Sie verstehen es scheinbar nicht. Beispiel Adblue-Tanks. Man hat sich abgesprochen und eine maximal Größe verhandelt, weil sonst der ganze Abgasbetrug frühe aufgeflogen wäre. Die Frage hätte auch nämlich gestellt, wie Autohersteller X trotz gleicher Reinigungstechnik nur die halbe adblue-Tankgröße bei zeitgleich doppelter Reichweite (im Endeffekt halber AdBlue Bedarf bei gleichem Treibstoffverbrauch) im Vergleich zu Autohersteller Auto Y benötigt. Das hat nichts mit Zerschlagung deutscher Autobauer zu tun, das schaffen diese ganz alleine.
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