EU-Sozialkommissar László Andor: Löhne in Deutschland sollen steigen

EU-Sozialkommissar László Andor: "Der Zusammenhalt ist schon halb verloren" Zur Großansicht
DPA

EU-Sozialkommissar László Andor: "Der Zusammenhalt ist schon halb verloren"

Die Löhne in Deutschland müssen steigen, der Staat sollte flächendeckend Mindestlöhne einführen. EU-Sozialkommissar László Andor fordert Deutschland in der "Süddeutschen Zeitung" zu einem radikalen Kurswechsel in der Euro-Krise auf und plädiert für eine Abkehr vom Exportmodell.

Berlin - Die Schuldenkrise in Europa kann nicht allein dadurch überwunden werden, dass die Länder im Süden noch härter sparen - der Norden müsse mehr ausgeben. EU-Sozialkommissar László Andor fordert Deutschland und andere Euro-Geberländer in der "Süddeutschen Zeitung" zu einem Kurswechsel auf: Weg vom harten Reform- und Sparkurs zur Sanierung des Staatshaushalts und hin zu Konjunkturhilfen. "Sparen allein schafft kein Wachstum. Dazu braucht es zusätzliche Investitionen und Nachfrage", sagte Andor.

Schwächelnde Volkswirtschaften wie Spanien, Italien oder Frankreich müssten mehr Zeit bekommen, ihre Defizite zu reduzieren. "Wachstum lässt sich anregen, wenn Länder mehr Zeit zur Defizitsenkung bekommen, damit sie mehr investieren können", sagte Andor. "Wenn man kein Wachstum zulässt, sehe ich nicht, wie der Schuldenstand sinken soll."

Die Löhne in Deutschland müssten steigen, sagte der Ungar dem Blatt, damit solle die heimische Nachfrage angeregt werden. Zudem empfehle die EU-Kommission Deutschland, auf breiter Basis Mindestlöhne einzuführen. "Belgien und Frankreich beschweren sich schon über deutsches Lohndumping", sagte Andor. Wegen hoher Exportüberschüsse sei es nicht zu rechtfertigen, dass die Deutschen einen Lohnwettbewerb beibehielten. Länder mit Exportüberschüssen müssten sich wie Defizitländer anpassen, sagte der 46-jährige Politiker. "Wenn nicht, driftet die Währungsunion auseinander. Der Zusammenhalt ist schon halb verloren."

Deutschland steht wegen der vergleichsweise zurückhaltenden Lohnabschlüsse in den vergangenen Jahren schon länger in der Kritik. Einige Politiker aus wirtschaftlich schwächeren Ländern argumentieren, dass eine höhere Binnennachfrage in der Bundesrepublik der Euro-Zone insgesamt helfen würde.

Die Bundesbank warnte jedoch im Februar vor überzogenen Lohnerhöhungen. Stiegen die Gehälter stärker als es die Produktivität zulasse, würden Firmen Jobs abbauen und umgehend weniger investieren. Stark anziehende Löhne würden die Nachfrage der Verbraucher nur vorübergehend ankurbeln. Langfristig würden die realen Einkommen und der private Konsum sogar sinken. Letztlich würde dies die Binnennachfrage und die gesamte Wirtschaftskraft bremsen, argumentieren die Experten.

Andor äußerte zudem die Befürchtung, dass es eine Massenmigration vom Süden der EU in den Norden geben könnte, wenn sich die Situation nicht verbessert. "Manche Leute vergleichen die Situation mit Amerika im 19. Jahrhundert, als es nach dem Bürgerkrieg eine Massenmigration vom Süden in den prosperierenden Norden gab. Um das zu vermeiden, ist es nötig, in den Krisenstaaten Wachstum zu schaffen", sagte Andor. Zugleich warnte er die Bundesregierung, die Zuwanderung von Armutsflüchtlingen zu dramatisieren.

nck/Reuters

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 135 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Mindestlohn
distar99 29.04.2013
Ich glaube nicht, dass es für Deutschland schwere Konsequenzen hätte, wenn wir einen Mindestlohn von 10 € einführen würden. In der Schweiz werden höhere Löhne gezahlt.
2. witzig
Regulisssima 29.04.2013
Ist schon drollig, wie Politiker aus gescheiterten EU-Ländern sich erlauben, den Erfolgreichen ungebeten Ratschläge zu erteilen. Man stelle sich mal das Tamtam vor, wenn die Bundeskanzlerin solchen Ländern nahelegen würde, etwas mehr zu arbeiten.
3. bei Mindestlöhnen um 10 Oiro werden eine Menge Firmen unrentabel -
neolibby 29.04.2013
Zitat von distar99Ich glaube nicht, dass es für Deutschland schwere Konsequenzen hätte, wenn wir einen Mindestlohn von 10 € einführen würden In der Schweiz werden höhere Löhne gezahlt.
der Staat muss entweder massiv zuschiessen und es gehen Arbeitsplätze verloren. Die Konsequenz ist, dass die Binnenkaufkraft NICHT steigt, der Staat weitere Steuern verplempert und die Steuereinnahmen sinken werden. Und der Binnenkonsum wird vor allem EINS NICHT bewirken: es wird NICHT mehr aus dem Süden gekauft, sondern aus China und anderen Billigländern. Und die Südeuropäer würden - wenn überhaupt - nur da profitieren, wo man in direkter Konkurrenz zu deutschen Produkten steht - wahrscheinlich aber noch nichtmal das - wer kauft schon einen Peugeot, wenn er einen Toyota haben kann. Wirtschaft läßt sich nicht per Staatsdirigismus steuern, anken auch mal pleite gehen lassen muss, muss auch dafür sein, daß Staaten pleite gehen müssen.
4.
gruenertee 29.04.2013
Ich bin für einen Mindestlohn, dieser wird aber nur bedingt die Nachfrage steigern. Die Mittelschicht braucht höhere Gehälter, die Ing., Fachwirte, BWLer, Inf'er, Chemiker etc. Außerdem wird es eine Maßenimmigration wie in den USA nicht geben, es existiert nämlich eine sprachliche und kulturelle Barriere.
5.
nudelsuppe 29.04.2013
Zitat von sysopDie Löhne in Deutschland müssen steigen, der Staat sollte flächendeckend Mindestlöhne einführen: . EU-Sozialkommissar Laszlo Andor fordert Deutschland in der "Süddeutschen Zeitung" zu einem radikalen Kurswechsel in der Euro-Krise auf und plädiert für eine Abkehr vom Exportmodell. EU-Sozialkommissar Laszlo Andor fordert höhere Löhne in Deutschland - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/eu-sozialkommissar-laszlo-andor-fordert-hoehere-loehne-in-deutschland-a-897078.html)
Kommisar Ahnungslos hat gesprochen. Die Lösung der Probleme kann nicht Sozialismus sein. Den nichts anderes verlangt er. Eine Anpassung auf niedrigstem Niveau. Anstatt das sich die anderen anstrengen. Das Leistungsprinzip gilt nicht mehr. So ein Unfug.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Staat & Soziales
RSS
alles zum Thema Euro-Krise
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 135 Kommentare
  • Zur Startseite