Keine neuen Ausnahmen: EU überstimmt Großbritannien bei Banker-Boni

Londoner Bankenviertel Canary Wharf: Die Briten scheitern gegen den Rest der EU Zur Großansicht
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Londoner Bankenviertel Canary Wharf: Die Briten scheitern gegen den Rest der EU

Die Europäische Union hat gegen den Willen Großbritanniens die umstrittene Deckelung für Banker-Boni beschlossen. Ab 2014 sollen die Sonderzahlungen auf das Doppelte des Festgehalts begrenzt werden. Die britische Regierung hatte bis zuletzt versucht, neue Ausnahmen auszuhandeln.

Brüssel - In der EU sollen ab 2014 schärferen Regeln für Bonuszahlungen an Bankmanager gelten. In der abschließenden Verhandlungsrunde bestätigten die Unterhändler des Europäischen Parlaments und der Mitgliedstaaten den vor einigen Wochen erzielten Kompromiss. Boni dürfen demnach ab 2014 das Grundgehalt nicht mehr übersteigen. Nur mit Zustimmung der Aktionäre kann die Sonderzahlung doppelt so hoch ausfallen.

Großbritannien hatte sich als Standort des größten europäischen Finanz- und Bankenplatzes als einziges EU-Land gegen die Begrenzung gewehrt. Letzte Versuche der Briten, die Regeln aufzuweichen, scheiterten am Widerstand des Parlaments. "Gegen erbitterte Widerstände aus nationalen Hauptstädten und der Finanzindustrie wird Europa schon 2014 ein Stück gerechter", erklärte der SPD-Europaabgeordnete Udo Bullmann nach der Sitzung. Es sei nun lediglich klargestellt worden, dass die Regeln erst für die 2015 ausgezahlten Boni gelten sollen, die auf Leistungen im Vorjahr zurückgehen.

Für die britische Regierung sei die Verhandlung eine ernüchternde Erfahrung gewesen, sagte ein EU-Diplomat. Großbritannien sei zum ersten Mal alleine überstimmt worden. Formell muss die Einigung noch vom Parlament und den Mitgliedstaaten abgesegnet werden.

Strittig war bis zuletzt, wie mit langfristig ausgezahlten Boni umgegangen werden soll. Bei einem Viertel der Extrazahlungen kann unter bestimmten Bedingungen ein Inflations- und Risikoausgleich geltend gemacht werden. Eine absolute Grenze für Boni ist nicht vorgesehen.

Die Regelung ist Teil eines umfangreichen Gesetzespakets für höhere Kapitalanforderungen für Banken, kurz Basel III genannt. Sie waren auf internationaler Ebene ausgehandelt worden und sind die wichtigste Konsequenz aus der Finanzkrise nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im Herbst 2008. Bei diesen Vorschriften, die mit dem Gesetzespaket in EU-Recht überführt werden, hatte Großbritannien den anderen Staaten Zugeständnisse abgerungen - allerdings ging es dabei eher um schärfere Regeln als um laschere. Auf Druck der britischen und schwedischen Regierung können die nationalen Aufseher höhere Kapitalpuffer von den Banken verlangen als in den internationalen Regeln vorgesehen.

stk/Reuters/dpa

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insgesamt 47 Beiträge
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1. Wahlkampf
Harald Klingel 21.03.2013
Generell finde ich leistungsabhängige Gehälter gut. Bei Misserfolg verdient der (oder die) Verantwortliche halt entsprechend wenig, macht er seine Sache gut, besser. Natürlich sind die Bonuszahlungen an Banker im Vergleich zu den meisten anderen Branchen sehr hoch, dass ist aber bedingt durch die hohen Gewinne der Banken. Ob diese gerechtifertigt oder gar asozial sind sei mal dahingestellt. Aber die Deckelung von Boni führt nur zu höheren Grundgehältern. Für mich ist das nur ein populistisches Signal an die Wähler.
2.
Why77 21.03.2013
Gut dann werden halt die Festgehälter dementsprechend angehoben...sagen wir in Top Positionen auf 20 Mio?...reicht euch das ihr Gierlappen?...
3. Ein Schritt -
-fezi- 21.03.2013
Zitat von sysopDie Europäische Union hat gegen den Willen Großbritannien die umstrittene Deckelung für Banker-Boni beschlossen. Ab 2014 sollen die Sonderzahlungen auf das Doppelte des Festgehalts begrenzt werden. Die britische Regierung hatte bis zuletzt versucht, neue Ausnahmen auszuhandeln. EU überstimmt Großbritannien bei Banker-Boni - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/eu-ueberstimmt-grossbritannien-bei-banker-boni-a-890090.html)
in die richtige Richtung, aber dennoch bleibt die Frage, warum muss jemand dafür belohnt werden, dass er das tut, wofür er ohnehin schon sehr gut bezahlt wird, nämlich sein Bestes geben? Die Putzfrau bekommt ja auch keinen Bonus dafür, wenn sie ein Hotelzimmer blitzblank gewischt hat, sondern vielmehr eine Menge Ärger, wenn das nicht der Fall war.
4.
anon11 21.03.2013
Zitat von sysopDie Europäische Union hat gegen den Willen Großbritannien die umstrittene Deckelung für Banker-Boni beschlossen. Ab 2014 sollen die Sonderzahlungen auf das Doppelte des Festgehalts begrenzt werden. Die britische Regierung hatte bis zuletzt versucht, neue Ausnahmen auszuhandeln. EU überstimmt Großbritannien bei Banker-Boni - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/eu-ueberstimmt-grossbritannien-bei-banker-boni-a-890090.html)
Ein weiteres Zeichen für Großbritannien,das man die eigenen nationalen Interessen besser waren kann, wenn man die EU verlässt.
5. Das ist gut.
ratxi 21.03.2013
Zitat von sysopDie Europäische Union hat gegen den Willen Großbritannien die umstrittene Deckelung für Banker-Boni beschlossen. Ab 2014 sollen die Sonderzahlungen auf das Doppelte des Festgehalts begrenzt werden. Die britische Regierung hatte bis zuletzt versucht, neue Ausnahmen auszuhandeln. EU überstimmt Großbritannien bei Banker-Boni - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/eu-ueberstimmt-grossbritannien-bei-banker-boni-a-890090.html)
Das ist gut. Wer jetzt 12 Millionen im Jahr verdient, kann also maximal noch 24 Millionen dazu bekommen. Da kann wenigstens nicht das Gefühl aufkommen, er könnte gierig sein oder wäre ggf. überbezahlt.
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