EU-Vergeltungszölle Diese US-Produkte werden für Sie teurer

Seit Mitternacht gelten die Vergeltungszölle der EU auf ausgewählte US-Produkte. Nicht alle Hersteller schlagen sie auf den Preis drauf - manche aber schon.

AFP

Im Handelsstreit mit den USA hat die Europäische Union in der Nacht zum Freitag Gegenzölle auf US-Importe eingeführt. Die Aufschläge auf Waren im Umfang von gut 2,8 Milliarden Euro traten um Mitternacht in Kraft, wie aus dem Amtsblatt der EU hervorgeht. Die Liste der Produkte umfasst mehr als sieben Seiten und mutet teils kurios an.

Die EU-Zölle betreffen etwa Konsumgüter wie Whiskey, Erdnussbutter, Lippenstifte, aber auch Rohstoffe wie Eisen und Stahl. Sie sind eine Reaktion auf die US-Strafzölle auf europäische Stahl- und Aluminiumprodukte.

Nun droht US-Präsident Donald Trump die nächste Stufe an. Sollte die EU ihre Einfuhrbarrieren gegen US-Produkte nicht bald abbauen, würden die USA einen 20-Prozent-Einfuhrzoll auf europäischen alle Autos erheben, twitterte er am Freitag.

In Europa dürfte Verbraucher nun aber vor allem interessieren, welche US-Produkte für sie durch die bereits eingeführten EU-Zölle teurer werden.

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Zölle auf US-Produkte: Diese Waren könnten teurer werden

Der Motorradbauer Harley-Davidson wird die neuen Vergeltungszölle nicht direkt in Form von höheren Preisen an seine Kunden weitergeben. "Wir werden zum 1. Juli keine neue Preisliste an unsere Endkunden herausgeben, sondern die Preise belassen, solange wir liefern können", sagte Christian Arnezeder, der Geschäftsführer Zentraleuropa, der "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Zuvor hatte Arnzeder allerdings gesagt, dass er damit rechne, dass die Zölle ab dem Herbst auf die Preise und die Nachfrage in Europa durchschlagen werden. Die aktuellen Modelle habe man so weit wie möglich schon nach Europa importiert, sagte Arnezeder. Aber spätestens mit der neuen Modellreihe, die im Herbst vorgestellt werde, würden die EU-Vergeltungszölle ihre Wirkung zeigen. "Das wird natürlich Auswirkungen auf den Preis haben", kündigte er an.

Die bei vielen Deutschen beliebten Grills der US-Marke Weber könnten ebenfalls von den Zöllen betroffen sein. Das Unternehmen gibt sich dennoch gelassen. Man verfolge die Entwicklung aufmerksam, sagte Michael Reuter, Geschäftsführer von Weber-Stephen Deutschland. "Aufgrund der globalen Produktionsstruktur von Weber werden wir allerdings von den genannten Strafzöllen, sollten sie in der angekündigten Form kommen, nur marginal betroffen sein."

Bei Lebensmitteln ist die Gefahr von Preissteigerungen groß

Die Außenhandelsvereinigung des deutschen Einzelhandels (AVE) geht davon aus, dass Verbraucher in Deutschland durch die von der EU verhängten Vergeltungszölle durchaus mit Preissteigerungen rechnen müssen. "Im Lebensmittelbereich könnten höhere Preise schon bald spürbar sein, weil hier die Margen besonders gering sind. Bei der Mode wegen der langfristig vereinbarten Kollektionen etwas später", sagte AVE-Präsident Matthias Händle.

Allerdings: Von den gesamten deutschen Textilimporten in Höhe von 32,6 Milliarden Euro im vergangenen Jahr kamen gerade einmal Waren im Wert von 67 Millionen Euro aus den USA, das entspricht einem Anteil von 0,2 Prozent. Damit gehören die Vereinigten Staaten nicht einmal unter die Top 25 der Textillieferanten für Deutschland.

Ein Grund dafür ist auch, dass bekannte US-Marken wie Levi's oder Wrangler nicht in den USA, sondern in der Türkei oder anderen Ländern produzieren lassen. Wenn die Waren von dort kommen, sind sie nicht von den Zöllen betroffen.

Auch landwirtschaftliche Produkte wie Mais, Reis und Orangensaft will die EU mit Zöllen belegen. Viele Produkte werden aber häufig noch veredelt, bevor sie in den Handel gelangen. Der aus den USA importierte Mais wird laut der Agrarmarkt-Informations-Gesellschaft (AMI) ganz überwiegend als Tierfutter verwendet und landet deshalb später eher in Form von Rindersteaks auf dem Tisch. Außerdem wird Mais häufig zu Tortillas, Chips oder Cornflakes weiterverarbeitet. Die Preise für den Mais inklusive Zusatzzoll seien dann nur noch ein Teil der gesamten Herstellungskosten - und nicht unbedingt der wichtigste.

Leidtragende könnten Fans von Whiskey und Erdnussbutter sein

Der Direktor des Ifo-Außenwirtschaftsinstituts, Gabriel Felbermayr, sagte, die Produktliste der EU zu den Zöllen sei "clever gemacht". "Die europäischen Konsumenten werden teilweise höhere Preise sehen, aber im Durchschnitt tragen die US-Produzenten das Gros der Last", sagte er.

Wie hoch der Aufschlag für die Verbraucher selbst ausfalle, hänge auch von ihrem Kaufverhalten ab. Glauben die Hersteller, dass die Konsumenten bei einer Preiserhöhung zum Konkurrenzprodukt greifen, werden sie die Zölle aus der eigenen Marge zahlen oder nicht mehr nach Europa exportieren, sagt Felbermayr. Seien die Verbraucher dagegen bereit, für ein US-Produkt mehr zu zahlen, dann würden die Hersteller einen größeren Teil der Zölle auf den Preis aufschlagen.

Die Prognose des ifo-Experten: Bei Stahl, Orangensaft, Mais oder Jeans könnten die Importeure auf Hersteller in anderen Ländern ausweichen. Bei Bourbon-Whiskey und Erdnussbutter dagegen werden sich Hersteller und Käufer die Kosten der Zölle etwa in gleicher Höhe teilen.

mmq/AFP/dpa



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Seite 1
Newspeak 22.06.2018
1. ...
Die US Zoelle werden vor allem dazu fuehren, dass sich die Verbraucher nach Alternativen umsehen werden. Langfristig wird das der US Wirtschaft mehr schaden, als nutzen. Sicher, einige werden jeden uebertriebenen Preis dafuer zahlen, ein ganz bestimmtes Produkt zu bekommen, aber die meisten werden wohl feststellen, dass es gar keine grosse Rolle spielt, ob ein Produkt aus den USA kommt, oder nicht. Und es gibt genuegend internationale Wettbewerber, die sich darueber freuen duerften. Ich hoffe nebenbei auch, dass dieses nationalistische Experiment so richtig schief geht, damit ein fuer alle mal klar ist, dass die Menschheit sich in Zukunft nur zusammen weiterentwickelt, im Ausgleich der Interessen, oder gar nicht, wenn jeder nur auf sich schaut.
michaelXXLF 22.06.2018
2. Was außer Cola kaufen wir Verbraucher denn groß aus den USA?
Lebensmittel ja eher nicht, Autos und Maschinen nicht, Haushaltswaren ebenfalls nicht. Software würde mir einfallen. Aber sonst?
jochen-harms 22.06.2018
3. US Handel
Mich würde mal interessieren, in welcher Höhe Waren von US Firmen insgesamt in die EU eingeführt werden - also auch solche, die nicht dort hergestellt werden, wovon die Gewinne aber in die USA fliessen. Auch würde mich die Handelsbilanz zwischen EU und USA im Bereich Dienstleistungen interessieren - also Google, Facebook, Amazon .... Vielleicht weiss das jemand. Ich verstehe nicht, warum diese Informationen nicht dargestellt werden.
banker1 22.06.2018
4. Zölle machen alle glücklich
denn so kommt die von der "Mehrheit" der Medien und von den Menschen so erhoffte Inflation ein bisschen besser in Gang......,klappt bei anderen Produkten zur Zeit auch Klasse. Bei Bier, Milch und Milchprodukten, Äpfel usw haben sich die Preise doch schon gehörig in Bewegung gesetzt......,da fallen US Whiskey und Erdnussbutter gar nicht auf..... Und Herr Draghi ist nicht mehr der böse, er kann beruhigt die Zinsen anheben.... und endlich bekommt der hart betrogenen deutsche Sparer wieder Zinsen....
johannesbueckler 22.06.2018
5. Der Punkt von Donald ist
Handelsbilanz-Differenz !!! Etwas weniger Bourbon oder Peanuts, ist leichter als weniger Audi, BMW oder Merc....It's the economy, stupid, as Clinton said
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