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30. März 2010, 10:18 Uhr

EU-Vergleich

Arbeitskosten in Deutschland steigen massiv

Die deutsche Wirtschaft erholt sich schleppend von der Krise - doch die Folgen des Niedergangs sind für die Unternehmen drastisch: Die Arbeitskosten steigen um vier Prozent auf durchschnittlich 30,90 pro Stunde. Allerdings haben die Arbeitnehmer kaum etwas davon, real sind die Löhne sogar gesunken.

Wiesbaden - Arbeit in Deutschland ist deutlich teurer geworden. Obwohl die Reallöhne 2009 leicht gesunken sind, mussten die Arbeitgeber für eine Stunde Arbeit im Durchschnitt deutlich mehr bezahlen. Insgesamt stiegen die Kosten für eine Arbeitsstunde in der Privatwirtschaft um 4,1 Prozent, im verarbeitenden Gewerbe sogar um 5,1 Prozent, teilte das Statistische Bundesamt an diesem Dienstag mit.

Demnach habe eine Arbeitsstunde 2009 im Durchschnitt 30,90 Euro gekostet. Damit liegt Deutschland im Vergleich der 27 EU-Mitgliedstaaten auf Platz acht. In Dänemark kostet die Arbeitsstunde mit 37,40 Euro am meisten, in Bulgarien mit 2,90 Euro am wenigsten (siehe Tabelle auf der linken Seite).

Allerdings haben die Arbeitnehmer kaum etwas davon. Denn der Grund für den Anstieg der Arbeitskosten sind laut den Statistikern der Abbau von Überstunden und die Kurzarbeit. Das heißt: Die Arbeitskosten steigen für die Unternehmen auf dem Papier - doch die Beschäftigten haben nicht mehr in der Tasche.

Im Gegenteil: 2009 war für die Arbeitnehmer sogar ein schlechtes Jahr. In der vergangenen Woche hatten die Statistiker mitgeteilt, dass das Realeinkommen der Arbeitnehmer unterm Strich um 0,4 Prozent zurückgegangen ist.Zwar seien die Löhne gegenüber 2008 unverändert geblieben. Jedoch seien die Verbraucherpreise um 0,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Dies habe am Ende zu dem leichten Rückgang der Realeinkommen geführt.

Die höchsten Arbeitskosten in der Energiewirtschaft

Insgesamt setzen sich die Arbeitskosten maßgeblich aus den Bruttolöhnen und -gehältern sowie den vom Arbeitgeber zu zahlenden Lohnnebenkosten zusammen. Laut Statistischem Bundesamt zahlten Arbeitgeber in Deutschland 2009 auf 100 Euro Bruttolohn 32 Euro Lohnnebenkosten (siehe Tabelle unten). Damit liegt Deutschland unter dem europäischen Durchschnitt von 36 Euro - und weit hinter Frankreich, das auf 50 Euro Abgaben bei 100 Euro Bruttolohn kommt.

Die Lohnnebenkosten wiederum setzen sich im Wesentlichen aus den Sozialbeiträgen der Arbeitgeber zusammen, also Zuschüssen zu den Sozialversicherungen und Beiträgen für die betriebliche Altersvorsorge. In Malta sind die Lohnnebenkosten am niedrigsten, dort zahlen Arbeitgeber nur neun Euro zusätzlich zum Gehalt.

Die Branche mit den höchsten Arbeitskosten war in Deutschland die Energiewirtschaft: Hier zahlten die Arbeitgeber laut Statistik im Schnitt 50,30 Euro pro Stunde. Am wenigsten kostete eine Arbeitsstunde im Gastgewerbe mit durchschnittlich 16,10 Euro.

Im verarbeitenden Gewerbe kostete die Arbeitsstunde in Deutschland 2009 im Schnitt 35,60 Euro. Damit lag Deutschland hinter Belgien und Dänemark auf Platz drei - in einer Branche, die besonders im internationalen Wettbewerb steht, wie die Statistiker mitteilten.

cte/AFP

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