EU-Vergleich: Arbeitskosten in Deutschland steigen massiv

Die deutsche Wirtschaft erholt sich schleppend von der Krise - doch die Folgen des Niedergangs sind für die Unternehmen drastisch: Die Arbeitskosten steigen um vier Prozent auf durchschnittlich 30,90 pro Stunde. Allerdings haben die Arbeitnehmer kaum etwas davon, real sind die Löhne sogar gesunken.

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Bauarbeiter in Berlin: Lohnnebenkosten in Deutschland unter EU-Schnitt

Wiesbaden - Arbeit in Deutschland ist deutlich teurer geworden. Obwohl die Reallöhne 2009 leicht gesunken sind, mussten die Arbeitgeber für eine Stunde Arbeit im Durchschnitt deutlich mehr bezahlen. Insgesamt stiegen die Kosten für eine Arbeitsstunde in der Privatwirtschaft um 4,1 Prozent, im verarbeitenden Gewerbe sogar um 5,1 Prozent, teilte das Statistische Bundesamt an diesem Dienstag mit.

Demnach habe eine Arbeitsstunde 2009 im Durchschnitt 30,90 Euro gekostet. Damit liegt Deutschland im Vergleich der 27 EU-Mitgliedstaaten auf Platz acht. In Dänemark kostet die Arbeitsstunde mit 37,40 Euro am meisten, in Bulgarien mit 2,90 Euro am wenigsten (siehe Tabelle auf der linken Seite).

Allerdings haben die Arbeitnehmer kaum etwas davon. Denn der Grund für den Anstieg der Arbeitskosten sind laut den Statistikern der Abbau von Überstunden und die Kurzarbeit. Das heißt: Die Arbeitskosten steigen für die Unternehmen auf dem Papier - doch die Beschäftigten haben nicht mehr in der Tasche.

Im Gegenteil: 2009 war für die Arbeitnehmer sogar ein schlechtes Jahr. In der vergangenen Woche hatten die Statistiker mitgeteilt, dass das Realeinkommen der Arbeitnehmer unterm Strich um 0,4 Prozent zurückgegangen ist.Zwar seien die Löhne gegenüber 2008 unverändert geblieben. Jedoch seien die Verbraucherpreise um 0,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Dies habe am Ende zu dem leichten Rückgang der Realeinkommen geführt.

Die höchsten Arbeitskosten in der Energiewirtschaft

Insgesamt setzen sich die Arbeitskosten maßgeblich aus den Bruttolöhnen und -gehältern sowie den vom Arbeitgeber zu zahlenden Lohnnebenkosten zusammen. Laut Statistischem Bundesamt zahlten Arbeitgeber in Deutschland 2009 auf 100 Euro Bruttolohn 32 Euro Lohnnebenkosten (siehe Tabelle unten). Damit liegt Deutschland unter dem europäischen Durchschnitt von 36 Euro - und weit hinter Frankreich, das auf 50 Euro Abgaben bei 100 Euro Bruttolohn kommt.

Die Lohnnebenkosten wiederum setzen sich im Wesentlichen aus den Sozialbeiträgen der Arbeitgeber zusammen, also Zuschüssen zu den Sozialversicherungen und Beiträgen für die betriebliche Altersvorsorge. In Malta sind die Lohnnebenkosten am niedrigsten, dort zahlen Arbeitgeber nur neun Euro zusätzlich zum Gehalt.

Die Branche mit den höchsten Arbeitskosten war in Deutschland die Energiewirtschaft: Hier zahlten die Arbeitgeber laut Statistik im Schnitt 50,30 Euro pro Stunde. Am wenigsten kostete eine Arbeitsstunde im Gastgewerbe mit durchschnittlich 16,10 Euro.

Im verarbeitenden Gewerbe kostete die Arbeitsstunde in Deutschland 2009 im Schnitt 35,60 Euro. Damit lag Deutschland hinter Belgien und Dänemark auf Platz drei - in einer Branche, die besonders im internationalen Wettbewerb steht, wie die Statistiker mitteilten.

Lohnnebenkosten
im Verhältnis zu den Bruttolöhnen und –gehältern
im Jahr 2009
Mitgliedstaaten der Europäischen Union Auf 100 Euro
Bruttolohn und -gehalt
entfielen 2009 … Euro
Lohnnebenkosten
(in Euro)
Europäische Union (EU 27) 1) 36
Frankreich 50
Schweden 49
Belgien 46
Italien 46 2)
Litauen 42
Ungarn 40
Griechenland 40
Österreich 40
Estland 38
Spanien 38
Tschechische Republik 37
Slowakei 34
Rumänien 33
Deutschland 32
Niederlande 30
Portugal 29
Lettland 29
Vereinigtes Königreich 27
Finnland 27
Polen 26
Bulgarien 23
Dänemark 22
Zypern 19
Luxemburg 18
Slowenien 18
Malta 9

1) Daten von Irland liegen nicht vor.
2) Wert bezieht sich auf das Jahr 2008.

Quelle: Berechnungen von Destatis auf Basis von Eurostat, Online-Datenbank.

cte/AFP

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 71 Beiträge
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1. Überstunden
Honko 30.03.2010
Zitat von sysopDie deutsche Wirtschaft erholt sich schleppend von der Krise - doch die Folgen des Niedergangs für Unternehmen sind drastisch: Die Arbeitskosten steigen um vier Prozent auf durchschnittlich 30,90 pro Stunde. Die Arbeitnehmer haben kaum etwas davon, real sind die Löhne sogar gesunken. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,686347,00.html
Hmmm, Überstunden müssten doch eigentlich schon bei der Entstehung "gebucht" worden sein. Somit sollte deren Auszahlung eigentlich nichts kosten...
2. Unsinn
Oskar ist der Beste 30.03.2010
Zitat von sysopDie deutsche Wirtschaft erholt sich schleppend von der Krise - doch die Folgen des Niedergangs für Unternehmen sind drastisch: Die Arbeitskosten steigen um vier Prozent auf durchschnittlich 30,90 pro Stunde. Die Arbeitnehmer haben kaum etwas davon, real sind die Löhne sogar gesunken. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,686347,00.html
der ganze Beitrag ist absoluter Schwachsinn und die Untersuchung stellt nichts anderes als eine Urkundenfaelschung dar.
3. So,
schensu 30.03.2010
Zitat von sysopDie deutsche Wirtschaft erholt sich schleppend von der Krise - doch die Folgen des Niedergangs für Unternehmen sind drastisch: Die Arbeitskosten steigen um vier Prozent auf durchschnittlich 30,90 pro Stunde. Die Arbeitnehmer haben kaum etwas davon, real sind die Löhne sogar gesunken. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,686347,00.html
nun wäre nur noch interessant zu erfahren, wo denn diese Umverteilung ihr Ziel hat. Wieviel machen diese 4% Steigerung eigentlich in der Gesamtsumme aus?
4. Dann...
BardinoNino 30.03.2010
Zitat von sysop...Die Arbeitskosten steigen um vier Prozent... Die Arbeitnehmer haben kaum etwas davon, real sind die Löhne sogar gesunken.
...ist es ja nur noch eine Frage der Zeit, bis irgendein Hund(t) von zu hohen Stundenlöhnen faselt!
5. ...
Pilchard 30.03.2010
Vorschläge die kommen werden: *Lohnnebenkosten senken *Steuererleichterungen für Unternehmen *Umsetzung der Bofinger-Vorschläge (http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,686127,00.html)
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Arbeitskosten je geleistete Stunde 1) im Jahr 2009 in Euro
Rechenstand: 4. Quartal 2009
Privatwirtschaft
Mitgliedstaaten der Europäischen Union (absteigend sortiert nach dem Niveau der Arbeitskosten in der Privatwirtschaft) Niveau
in Euro 2)
Veränderung gegenüber 2008 2) in %
Europäische Union (EU 27) 3) 22,70 –0,6
Euro-Währungsgebiet 3) 27,10 2,7
Dänemark 37,40 2,9
Belgien 35,60 3,9
Luxemburg 35,20 3,4
Frankreich 32,90 0,9
Österreich 32,00 5,5
Finnland 31,50 4,6
Niederlande 31,20 1,6
Deutschland 30,90 4,1
Schweden 30,70 -6,6
Italien 25,60 4) -
Vereinigtes Königreich 22,40 -10,9
Spanien 20,00 4,7
Griechenland 17,00 6,4
Zypern 15,50 3,6
Slowenien 14,00 2,5
Portugal 12,10 3,8
Malta 10,10 0,4
Tschechische Republik 9,60 -0,3
Estland 7,80 -1,8
Ungarn 7,60 -8,0
Slowakei 7,50 2,8
Polen 6,90 -14,7
Lettland 5,90 0,3
Litauen 5,80 -6,5
Rumänien 4,00 -3,8
Bulgarien 2,90 13,4

1) Auszubildende werden bei den Arbeitskosten, aber nicht bei den geleisteten Stunden berücksichtigt.
2) Kalenderbereinigt.
3) Daten von Irland liegen nicht vor.
4) Wert bezieht sich auf das Jahr 2008.
– keine Angabe vorhanden.

Quelle: Berechnungen von Destatis auf Basis von Eurostat, Online-Datenbank.