EU-Vergleich: Deutsche sind fleißig - und haben den meisten Urlaub

Deutschland ist Spitze in Europa - zumindest, was die Zahl der Urlaubstage angeht. Allerdings scheint die viele freie Zeit wohlverdient, denn nirgendwo in der EU werden mehr Überstunden geleistet als hierzulande. 

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DDP

Urlauber auf Mallorca: So viele freie Tage wie sonst nur die Dänen

Hamburg - Glückliche Dänen, glückliche Deutsche: Keine anderen Europäer haben mehr freie Tage im Jahr - insgesamt sind es jeweils 40. Dennoch besitzen die Beschäftigten hierzulande einen gewissen Hang zur Mehrarbeit. Sie verbringen im Schnitt 2,8 Stunden pro Woche mehr am Arbeitsplatz als sie vertraglich eigentlich müssten, wie aus einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht der EU-Agentur Eurofound zur Arbeitszeitstatistik hervorgeht.

Laut der Statistik liegen Deutschland und Dänemark mit 30 bezahlten Urlaubstagen an der Spitze der EU-Länder, dazu kommen in beiden Ländern jeweils zehn Feiertage. Am Ende der EU-Rangliste befinden sich unter anderem die Polen und die Ungarn mit nur 20 Tagen bezahltem Urlaub.

Allerdings sind derartige Statistiken grundsätzlich mit Vorsicht zu genießen: Zum einen bestehen etwa allein innerhalb Deutschlands erhebliche regionale Unterschiede - während die Bayern 13 Feiertage im Jahr begehen, sind es im Norden Deutschlands lediglich neun. Zudem ist es zum Beispiel in Großbritannien üblich, auf ein Wochenende fallende Feiertage am nächsten Werktag nachzuholen, während sie in Deutschland quasi verfallen. Und natürlich hat auch nicht jeder Arbeitnehmer in Deutschland 30 Tage Urlaub. Die EU-Agentur hat offenbar die Flächentarifverträge in den wichtigsten Branchen ausgewertet.

Die Zahlen der EU-Agentur sind dennoch interessant, auch weil Kanzlerin Angela Merkel im Mai mit Blick auf die Schuldenstaaten im Süden Europas mahnte: "Wir können nicht eine Währung haben und der eine kriegt ganz viel Urlaub und der andere ganz wenig. Das geht auf Dauer auch nicht zusammen." Laut der neuen Statistik hat Griechenland lediglich 23, Portugal genau wie Spanien gar nur 22 Urlaubstage. Auch wenn man die Feiertage in die Rechnung einbezieht, haben die Arbeitnehmer in diesen Ländern weniger freie bezahlte Tage als die Deutschen.

Betrachtet man zudem noch die tarifvertraglich vereinbarte Arbeitszeit, scheinen die Deutschen nicht besonders fleißig. Mit 37,7 Stunden in der Woche, die sie auf dem Papier leisten müssen, liegen sie unter dem Durchschnitt der EU. Aber in der Realität leisten sie beträchtliche Mehrarbeit: Im Schnitt verbringen sie 40,5 Stunden am Arbeitsplatz. Nur in Rumänien und Luxemburg ist die reale Wochenarbeitszeit mit 41,3 beziehungsweise 40,8 Stunden höher.

fdi

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EU-Beschluss
Arbeitszeit-Richtlinie
Die Höchstarbeitszeit pro Woche beträgt 48 Stunden, durch individuelle Vereinbarung kann es aber auch mehr sein.
Allerdings kann die Bereitschaftszeit in aktive und inaktive Phasen gesplittet werden. Aktive Bereitschaftszeit gilt als Arbeitszeit, inaktive Bereitschaftszeit nicht.
Inaktive Bereitschaftszeit kann als Arbeitszeit berechnet werden, wenn nationale Gesetze dies vorsehen oder die Sozialpartner das vereinbaren.
Eine Arbeitszeit von mehr als 60 Wochenstunden ist nur ausnahmsweise und durch Vereinbarung der Tarifparteien möglich.
Für Beschäftigte, bei denen durch Ausnahmeregelungen die inaktive Bereitschaftszeit als Arbeitszeit gerechnet wird, gilt eine neue Obergrenze von 65 Stunden pro Woche.
Leiharbeitsrichtlinie
Zeitarbeiter sollen grundsätzlich vom ersten Tag an die gleichen Rechte im Betrieb bekommen wie ihre festangestellten Kollegen. Das gilt für Bezahlung, Urlaub und Elternzeit.
Zeitarbeiter müssen auch Kantine, Kindergarten oder Transportmittel der Firma nutzen dürfen. Ausnahmen sind möglich, wenn die Gewerkschaften und Arbeitgeber dies vereinbaren.
In Deutschland gilt bereits der Grundsatz der gleichen Bezahlung und Behandlung von Zeitarbeitern (equal pay). Davon kann aber abgewichen werden, wenn durch Tarifvertrag andere Regelungen vereinbart sind, etwa für die Zeit der Einarbeitung.