Hohe Arbeitslosigkeit EU will Beschäftigungsgarantie für Jugendliche

Ohne Job und ohne Perspektive - in dieser Lage befinden sich immer mehr Jugendliche in Europa. Sie sollen nach Willen der EU-Kommission künftig eine Garantie auf irgendeine Form von Beschäftigung erhalten. Doch Ländern, welche das Versprechen brechen, drohen keinerlei Konsequenzen.

Junge Demonstrantinnen in Spanien: Mehr als jeder zweite Jugendliche ist arbeitslos
REUTERS

Junge Demonstrantinnen in Spanien: Mehr als jeder zweite Jugendliche ist arbeitslos


Frankfurt - Es ist eines der größten Probleme der Euro-Krise: In vielen Ländern steigt die Jugendarbeitslosigkeit massiv an, in Griechenland und Spanien ist mittlerweile mehr als jeder zweite Jugendliche ohne Job. Nun will die Europäische Union per Gesetz gegen die Misere vorgehen: Die EU-Staaten sollen sich verpflichten, allen Unter-25-Jährigen innerhalb weniger Monate irgendeine Form von Beschäftigung zu garantieren. Das berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" ("FAZ") unter Berufung auf ein Regelungspaket, das Sozialkommissar László Andor am Mittwoch in Brüssel vorstellen will.

Die sogenannte Jugendgarantie sieht dem Bericht zufolge vor, dass Jugendliche spätestens vier Monate nach Ende ihrer Ausbildung oder dem Verlust ihres Arbeitsplatzes eine neue Stelle, einen neuen Ausbildungsplatz oder aber zumindest einen Praktikumsplatz erhalten. Wie die Staaten die Garantie umsetzen, solle ihnen weitgehend überlassen bleiben. Als Vorbild gelten vergleichbare Initiativen in Österreich, den Niederlanden und Norwegen.

Die EU-Kommission setzt laut "FAZ" vor allem auf die enge Zusammenarbeit der Sozialpartner und eine frühe Einbindung der Arbeitsämter. Entsprechende Programme der Staaten könnten mit Geld aus dem Europäischen Sozialfonds unterstützt werden, heiße es in dem Entwurf. Er ziele vor allem auf die besonders betroffenen südeuropäischen Staaten.

Nach Angaben der Kommission suchen in der EU momentan insgesamt 5,5 Millionen junge Menschen einen Arbeitsplatz - mehr als ein Fünftel der Altersgruppe. 7,5 Millionen Menschen unter 25 Jahren haben weder eine Stelle noch einen Ausbildungsplatz. Die Kosten dafür beziffert die Kommission auf jährlich mehr als 150 Milliarden Euro oder rund 1,2 Prozent der Wirtschaftsleistung.

Wie die angeschlagenen süd- und teilweise auch osteuropäischen Staaten die Jugendgarantie auch nur annähernd erfüllen sollen, gehe aus dem Vorschlag Andors allerdings nicht hervor, heißt es in dem Bericht. Sanktionen für Länder, die die Garantie nicht erfüllen, seien nicht vorgesehen. Ohnehin solle der Vorschlag zunächst nur in der rechtlich weniger bindenden Form einer Empfehlung vorliegen.

dab/AFP

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thunderstorm305 03.12.2012
1. Planwirtschaft nennt man so etwas.
Es wird also per Gesetz Wirtschaftswachstum und die Schaffung von Arbeitsplätzen verordnet. Willkommen in der Planwirtschaft. Wie möchte man denn diese Empfehlung umsetzen, ohne noch tiefer in Strukturprobleme zu geraten? Das ist nichts anderes als ein Placebo.
Alexander Berg 03.12.2012
2. Systemstrukturen im Wandel
Gleich wie viele Emotionen und Wunschdenken hochkochen mögen, verpuffen mehrheitliche Aktionismen wirkungslos. Dies unter anderem weil man sich kollektiv-gelernt ständig mit Symptomen beschäftigt, weil mehrheitlich nicht gelernt wurde in Zusammenhängen und wechselseitigen Abhängigkeiten zu denken.
fatherted98 03.12.2012
3. Super...Modell Griechenland....
...egal was ich kann oder nicht kann...egal ob man mich braucht oder nicht braucht...ich krieg auf jeden Fall einen Job...super..ist ja wie in Griechenland....dort mußte ich dafür ja noch die richtige Partei wählen...oder brauchte Vitamin B....das fällt jetzt weg...schöner Zug von den Brüssler Bürokraten...und wer zahlt das...nun das können wir uns doch denken....oder?
founder 03.12.2012
4. Das Steuersystem ist grundlegend falsch
Wär ein Steuersystem wie dieses entwirft und dann mehr Beschäftigung fordert ist ein Lügner. Hohe Steuern und Abgaben auf menschliche Arbeit veringern Arbeitsplätze. Dumpingpreise für Ölprodukte erhalten die Ölabhängigkeit. Nehmen wir als Beispiel innerstädtischer Verteilverkehr zu kleinen Geschäften. Lösung 1: 1 Fahrer, 1 Kastenwagen um 30.000,-EUR, 10 Liter Diesel pro Tag Lösung 2: 2 Fahrer, 2 Lastenelektroroller um 8.000,-EUR, 10 kWh Strom pro Tag In China läuft fast alles über Lösung 2. 80% des innerstädtischen Verteilverkehrs zu kleinen Geschäften läuft über Lastenelektroroller. Aber das ist hier nicht möglich, durch die enorm hohen Abgaben und Steuern auf menschliche Arbeit. Die europäische Lösung: 1 Fahrer, 1 Arbeitsloser, 1 Kastenwagen um 30.000,-EUR, 10 Liter Ölimporte pro Tag, welche die Wirtschaft runieren. Darüber habe ich gerade ein ganzes Buch geschrieben: 404 Seiten zum Thema "Calculation ERROR" (http://calculation-error.org/index_g.htm)
brido 03.12.2012
5. Soll das ein Witz sein?
bei einer Erhöhung des Pensionsalter? Über diesen Verein kann man nur noch Kopfschütteln.
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