Debatte über Euro-Bonds: "George Soros redet völligen Unsinn"

Deutschland soll Gemeinschaftsanleihen zustimmen oder aus dem Euro austreten. Diese Forderung erhebt Starinvestor George Soros in einem Essay für SPIEGEL ONLINE. Der Ökonom Holger Schmieding widerspricht: Euro-Bonds setzten fatale Anreize und könnten zur nächsten Krise führen.

Investor Soros bei einem Auftritt in Frankfurt: "In einem Punkt hat er recht" Zur Großansicht
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Investor Soros bei einem Auftritt in Frankfurt: "In einem Punkt hat er recht"

SPIEGEL ONLINE: Der Großinvestor George Soros sagt, Deutschland müsse Euro-Bonds zustimmen oder die Währungsunion verlassen. Hat er recht?

Schmieding: Soros redet völligen Unsinn. Der jetzige Ansatz funktioniert, die Euro-Krise hat sich in den vergangenen Monaten deutlich entschärft.

SPIEGEL ONLINE: Wie bitte? Zypern braucht Finanzhilfen, Slowenien gilt als der nächste Kandidat. Sind diese Rettungsaktionen auf Dauer nicht viel teurer als Euro-Bonds?

Schmieding: Die Ansteckungsgefahren haben erheblich abgenommen. Das ist das Wichtigste. In einem Punkt hat Soros recht: Würde der Bundestag Euro-Bonds zustimmen, würden die Finanzierungsprobleme der Krisenländer schlagartig verschwinden. Aber solch ein Beschluss hätte fatale Anreizwirkungen. Andere Länder könnten sich mit einer Garantie des deutschen Steuerzahlers verschulden - ohne große Kontrolle. Das kann nicht gutgehen und sollte nie vom Bundestag beschlossen werden.

SPIEGEL ONLINE: Soros und andere wollen die Euro-Bonds aber an strikte Bedingungen knüpfen.

Schmieding: In dem Fall wären Euro-Bonds zwar möglich. Aber sie wären dann nichts anderes als die Gemeinschaftsanleihen, mit denen der Euro-Rettungsfonds ESM schon heute Geld für Krisenländer besorgt.

SPIEGEL ONLINE: Aber die Verhandlungen über ESM-Hilfen müssen jedes Mal neu geführt werden und sorgen in den betroffenen Ländern, wie jetzt wieder in Zypern, regelmäßig für schwere politische Krisen.

Schmieding: Solche Verhandlungen müsste es auch bei Euro-Bonds geben. Andernfalls wären sie in Nordeuropa auf Dauer nicht vermittelbar. Das würden auch die Märkte befürchten - und könnten allein damit eine neue Euro-Krise verursachen.

SPIEGEL ONLINE: Wir unterstützen seit Jahrzehnten strukturschwache Bundesländer. Gehört es nicht zu den bislang verschwiegenen Wahrheiten der Euro-Krise, dass Deutschland auch zu dauerhaften Geldtransfers an andere Mitglieder der Währungsunion bereit sein muss?

Schmieding: Wir müssen nicht zahlen, sondern bürgen - und dafür sorgen, dass die Bedingungen für Kredite eingehalten werden. Das wäre übrigens auch das bessere System für Deutschland. Dann würde in Bremen oder dem Saarland eine Troika aus Bundesfinanzministerium, Bundesbank und vielleicht noch dem bayerischen Finanzminister prüfen, ob die Mittel aus dem Länderfinanzausgleich richtig verwendet werden.

SPIEGEL ONLINE: Dann müssen Europas Politiker also gar nichts ändern?

Schmieding: Doch. Sie sollten stärker auf Reformen von Arbeits- und Finanzmärkten achten und weniger auf sofortige dramatische Steuererhöhungen - die waren etwa in Griechenland zu hart.

SPIEGEL ONLINE: Dort ist allerdings auch der Widerstand gegen Reformen besonders groß.

Schmieding: Das gilt vor allem für die Entlassung von Beamten, die auch in Deutschland nicht leicht wäre. Ansonsten ist Griechenland laut der Industrieländerorganisation OECD seit zwei Jahren Spitzenreiter bei der Umsetzung von Strukturreformen. Die griechischen Arbeitsmarktreformen gingen zuletzt weit über das hinaus, was wir uns je mit der Agenda 2010 zugemutet haben.

SPIEGEL ONLINE: Auch das hat die Euro-Krise bislang nicht gelöst.

Schmieding: Nein. Aber durch den Fiskalpakt und die Bereitschaft der EZB zum Noteinsatz ist die Ansteckungsgefahr viel geringer geworden. Die Ereignisse in Zypern haben die Anleihemärkte in Ländern wie Spanien, Italien oder Frankreich kaum berührt. Und falls Slowenien tatsächlich als nächstes Hilfe braucht, dürfte auch das vor allem ein slowenisches Problem sein.

SPIEGEL ONLINE: Die Krisenländer stecken dennoch weiter tief in der Rezession, ermutigende Konjunkturdaten gibt es kaum. Wie soll Europa aus diesem Loch herauskommen?

Schmieding: Das stimmt, aber im Sommer und Herbst dürfte sich die Lage bessern. Die Exporte der Krisenländer wachsen schon kräftig, ihre Binnenwirtschaft wird noch durch die Sparmaßnahmen gedrückt. Doch deren Ende ist absehbar. Ein Land wie Italien hat unter Monti schon genug gespart - es muss jetzt nur noch das bereits erreichte Niveau halten.

Das Interview führte David Böcking

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insgesamt 265 Beiträge
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1. optional
torben28 11.04.2013
Soros ist so erfolgreich, dass der Vorwurf einfach lächerlich ist.
2. optional
torben28 11.04.2013
Soros ist so erfolgreich, dass der Vorwurf einfach lächerlich ist.
3. Bedingungen
mk70666 11.04.2013
"Soros und andere wollen die Euro-Bonds aber an strikte Bedingungen knüpfen. " ... so strikt wie die Maastricht-Verträge?
4.
Neapolitaner 11.04.2013
Zitat von sysopREUTERSDeutschland soll Gemeinschaftsanleihen zustimmen oder aus dem Euro austreten. Diese Forderung erhebt Starinvestor George Soros in einem Essay für SPIEGEL ONLINE. Der Ökonom Holger Schmieding widerspricht: Euro-Bonds setzen fatale Anreize und könnten zur nächsten Krise führen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/euro-bonds-der-oekonom-holger-schmieding-nennt-die-forderung-unsinn-a-893850.html
5. Ja, er hat recht. Die Krise ist im Augenblick...
joG 11.04.2013
....abgeebbt. Das bedeutet nicht, dass das Schlimmste vorbei wäre.
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Zur Person
  • DPA
    Holger Schmieding ist Chefvolkswirt der privaten Berenberg-Bank. Zuvor arbeitete der 55-Jährige als Chefökonom Europa für die Bank of America sowie für Merrill Lynch und den Internationalen Währungsfonds.