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Politisches Patt in Athen: Griechenland-Krise drückt Euro auf Vier-Monats-Tief

In Athen droht ein Scheitern der Regierungsbildung, an den Börsen fällt der Euro-Kurs. Die verfahrene Lage drückt die Gemeinschaftswährung unter 1,29 Dollar, zum ersten Mal seit Januar. Die neue Wirtschaftsweise Claudia Buch schließt einen Austritt des Landes aus der Euro-Zone nicht mehr aus.

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Börse in Athen: "Nicht um jeden Preis helfen"

Hamburg - Es ist der tiefste Stand seit Mitte Januar: Zum Wochenbeginn ist der Euro unter die Marke von 1,29 Dollar gefallen. Im Tief kostete die Gemeinschaftswährung 1,2879 US-Dollar. Die verfahrene Lage nach der Parlamentswahl in Griechenland beunruhigt die Anleger. Sie sorgte auch für eine negative Vorgabe der US-Börsen.

In Athen war es auch über das Wochenende nicht gelungen, eine Regierung zu bilden, die zu den vereinbarten Spar- und Reformmaßnahmen steht. Am Sonntag waren Unterredungen mit den drei größten griechischen Parteien weitgehend ohne Ergebnis geblieben. Damit werden ein abermaliger Zahlungsausfall oder gar ein Austritt des Landes aus dem Währungsraum wahrscheinlicher.

Noch gibt es allerdings Hoffnung auf eine Regierungsbildung: Staatspräsident Karolos Papoulias kündigte am Sonntagabend überraschend an, dass er die Gespräche mit den Parteien fortsetzen wolle. Sollten diese scheitern, müssten spätestens am 17. Juni Neuwahlen stattfinden. Am Montag beraten auch die Euro-Finanzminister über Griechenland und das ebenfalls angeschlagene Spanien.

Die neue Wirtschaftsweise Claudia Buch schließt einen Austritt Griechenlands aus der Währungsunion nicht aus: "Die Geschäftsbanken dürften einen Teil der direkten Lasten, die mit Griechenland verbunden waren, verarbeitet haben", sagte sie dem "Handelsblatt".

Zwar gebe es auch weitere Risiken, die schwer zu beziffern seien. "Aber das kann im Umkehrschluss nicht bedeuten, dass wir jedem Land immer und um jeden Preis helfen müssen", so Buch. "Die Bedingungen, zu denen Europa Griechenland beisteht, liegen seit Monaten klar auf dem Tisch. Jetzt ist es Sache der Griechen, sich darauf einzulassen", sagte Buch.

An der Unterstützung der Bevölkerung sollte es laut einer Umfrage der Athener Zeitung "To Vima" nicht scheitern. Demnach fordern 72 Prozent der Griechen, dass die Parteien alles für die Bildung einer stabilen Regierung unternehmen. Für einen Verbleib im Euro-Land sprachen sich sogar 78 Prozent aus.

dab/dpa/Reuters

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