Aufnahme ins Währungsgebiet Ab 2014 zahlt Lettland mit dem Euro

Lettland trotzt der Euro-Krise: Ab 2014 wird in dem baltischen Land mit der europäischen Gemeinschaftswährung bezahlt. Der Kleinstaat gilt als wirtschaftlicher Musterknabe, doch die Grünen fürchten ein neues Steuerparadies in der Euro-Zone.

Premier Dombrovskis: " Guter Tag für Europa"
DPA

Premier Dombrovskis: "Guter Tag für Europa"


Brüssel - Lettland tritt zum 1. Januar 2014 als das 18. Land der Euro-Zone bei. Die EU-Wirtschafts- und Finanzminister gaben in Brüssel grünes Licht für die Aufnahme des Baltenstaates in die Währungsunion.

Lettlands Ministerpräsident Valdis Dombrovskis sprach von einem guten Tag für Lettland und Europa. Anfang Juni hatte die EU-Kommission bereits die Empfehlung zur Aufnahme des rund zwei Millionen Einwohner zählenden Ostseestaats zum 1. Januar 2014 gegeben. Die endgültige Entscheidung lag bei den Finanzministern. Ihre Zustimmung war erwartet worden.

Lettland steckte zwar in den Jahren 2008 und 2009 noch in einer schweren finanziellen und wirtschaftlichen Krise, leitete dann aber umfassende Reformen und ein hartes Sparprogramm ein. EU-Parlamentspräsident Martin Schulz bezeichnete Lettland als ein Vorbild an Mut für andere Krisenländer in der Euro-Zone. In den beiden vergangenen Jahren verzeichnete das Land einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um jeweils mehr als fünf Prozent.

Fast zwei Drittel der Letten sind gegen den Euro

In keinem anderen EU-Land wachse die Wirtschaft und der Arbeitsmarkt ähnlich rasant wie in Lettland, betonte Finanzminister Andris Vilks. "Wir haben Vertrauen in Europa und in den Euro", fügte er hinzu. Die Gemeinschaftswährung sei ein wichtiger Anker für die Wirtschaft kleinerer Staaten.

Die lettische Bevölkerung ist bislang skeptischer. In einer Umfrage hatten sich Mitte Mai 62 Prozent der Bürger gegen den Euro ausgesprochen. Der deutsche Bankenverband zeigte sich erfreut über den Beitritt Lettlands. "Die Währungsunion als Ganzes profitiert von neuen Mitgliedern wie Lettland, die Stabilitätsbewusstsein nachgewiesen haben: vor allem dann, wenn die dortigen Reformerfolge als Mut machendes Beispiel und Ansporn für andere Länder dienen", erklärte Hauptgeschäftsführer Michael Kemmer.

Bedenken äußerten die Grünen. Die Europaabgeordneten Sven Giegold und Jean-Paul Besset warnten davor, dass Lettland eine Steueroase werden könne. "Lettland könnte jetzt angesichts des ruinierten Images Zyperns als Finanzplatz in diese Fußstapfen treten und damit gefährlich für die anderen Sozialstaaten der Euro-Zone werden", schrieben die Grünen-Politiker in einem Gastbeitrag für die " Frankfurter Rundschau". Die Steuergesetzgebung und die Unternehmenssteuersätze seien so konzipiert, dass die Bemessungsgrundlage in anderen europäischen Ländern unterwandert werde.

ade/AFP



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 8 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Zereus 09.07.2013
1.
Zitat von sysopDPALettland trotzt der Euro-Krise: Ab 2014 wird in dem baltischen Land mit der europäischen Gemeinschaftswährung bezahlt. Der Kleinstaat gilt als wirtschaftlicher Musterknabe, doch die Grünen fürchten ein neues Steuerparadies in der Euro-Zone. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/euro-finanzminister-lettland-darf-den-euro-einfuehren-a-910294.html
Volkes Wille interessiert in der EU bekanntlich niemanden, es ist auch völlig wurscht, dass die Letten den Euro eigentlich garnicht wollen, sie haben zu ihrem "Glück" gezwungen zu werden. Zugegeben, die Letten haben vor etwas mehr als 10 Jahren in einer Volksabstimmung für den Euro gestimmt, aber vor zehn Jahren sah sowohl die Währungsunion als auch Lettland noch ein klein wenig anders aus als heute. Also gilt doch wieder das altbekannte Prinzip der guten Europäer, das mit "gibst du ihnen den kleinen Finger, nehmen sie die ganze Hand" wohl am besten und zurückhaltendsten umschrieben ist.
RührDich 09.07.2013
2. Das ist doch absoluter Blödsinn !
Die Frage ist doch nicht, ob Lettland für den Euro bereit ist. Die Frage ist vielmehr: Ist die Eurozone derzeit in der Lage, ein weiteres Land aufzunehmen. Diese Frage ist mit einem klaren NEIN zu beantworten. Der Süden Europas steht vor dem Bankrott. Und zwar dieses Mal endgültig. Das Ende des Euro in seiner heutigen Form ist nur noch eine Frage der Zeit. Oder besser gesagt: Sobald sich Deutschland total überschuldet hat, und es weltweit keinen Kredit mehr bekommt,wird der Euro kollabieren. Und das wird passieren. So sicher wie das Amen in der Kirche.
Gerdtrader50 09.07.2013
3. Was kümmert uns das Volk ?
Das Personal soll in der Küche speisen ! Tatsache ist, die Schrottwährungszone muss dringend erweitert werden, wenn möglich, bis Novosibirsk. Die Dummheit der Brüsseler Fritzen übersteigt noch die Dummheit der nationalen Fritzen, die Dummheit ist allumgreifend. Das Lügengebäude um die existenzunfähige Währung mit Dutzenden Hilfskrücken, die fast keiner mehr in Gänze kennt, ist perfekt. Fällt der Schrott zusammen, wird die Überraschung gross sein, insbesondere bei den dienstwilligen, eigentlich besser wissenden Leadern im Bankenwesen. Mit dem Währungsschrott bricht die Gesamtwirtschaft zusammen, wenn nicht endlich ein paar Mutige aufstehen und den Dämlichen die Macht entreissen. Und was die Grünen anficht, ist so egal. als ob in China ein Sack Reis umfällt. Gehirnarme Akrobaten, bemitleidenswerte Nichtswisser. Grossmäuler, Krallenmacher.
fr2712 09.07.2013
4. nicht noch
...eine Baustelle. es reicht!
oemes 09.07.2013
5.
Wann bekommen Rumänien und Bulgarien den Euro?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.