Euro-Gipfel Worauf sich die Griechen-Retter geeinigt haben

Lange hat es gedauert, nun steht das zweite Rettungspaket für Griechenland. 109 Milliarden Euro sollen von den Euro-Staaten kommen, weitere 50 Milliarden Euro sollen private Gläubiger beisteuern. SPIEGEL ONLINE erklärt die wichtigsten Gipfel-Beschlüsse.

Nicolas Sarkozy: Der französische Präsident verkündete als Erster die Einigung
REUTERS

Nicolas Sarkozy: Der französische Präsident verkündete als Erster die Einigung


Brüssel - Mit einem Bündel an Hilfsmaßnahmen wollen die Euro-Länder Griechenland vor der Pleite retten und eine Ausbreitung der Krise auf andere gefährdete Staaten verhindern. Darauf haben sich die Staats- und Regierungschefs der Euro-Länder auf ihrem Sondergipfel in Brüssel geeinigt. Insgesamt sollen 159 Milliarden Euro für Griechenland bereitgestellt werden.

SPIEGEL ONLINE stellt die wichtigsten Punkte der Einigung vor.

  • Griechenland wird vom Krisenfonds EFSF mit frischem Geld zu niedrigen Zinsen versorgt werden. Die Zinssätze werden von bisher 4,5 Prozent auf 3,5 Prozent gesenkt, die Laufzeit von bisher siebeneinhalb Jahren auf mindestens 15 Jahre ausgeweitet. Das soll es den Griechen erleichtern, ihre Schulden zurückzuzahlen. Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) wird aufgefordert, sich am neuen Rettungspaket zu beteiligen.
  • Auch Banken, Versicherungen und andere private Gläubiger sollen an der Griechenland-Rettung beteiligt werden - und zwar insgesamt mit fast 50 Milliarden Euro. 37 Milliarden Euro davon sollen durch den Tausch bestehender Staatsanleihen in neue Anleihen mit längerer Laufzeit zusammenkommen. Den Gläubigern sollen dazu mehrere Modelle angeboten werden, unter denen sie eins wählen können. Der Rettungsfonds EFSF soll für die neuen Anleihen bürgen. Weitere 12,6 Milliarden Euro sollen die privaten Gläubiger beisteuern, indem sie alte Griechenlandanleihen mit Abschlag an den Rettungsfonds EFSF verkaufen.
  • Um zu vermeiden, dass die Krise weitere Euro-Länder erfasst, werden die Möglichkeiten des europäischen Rettungsfonds EFSF erweitert. Der Fonds soll künftig Anleihen am Sekundärmarkt kaufen können - allerdings nur unter restriktiven Bedingungen: sowohl die Europäische Zentralbank als auch die 17 Euro-Staaten müssen den Käufen zustimmen. Um eine Ausweitung der Krise auf andere Euro-Länder zu verhindern kann der EFSF zudem künftig Euro-Staaten als Vorsichtsmaßnahme Kreditlinien zur Verfügung stellen. Diese Kreditlinien dienen als Abschreckung gegen Spekulanten. Sie sollen im Normalfall nicht in Anspruch genommen werden.
  • Auch Portugal, Irland und mögliche andere Krisenstaaten sollen von besseren Kreditbedingungen profitieren. Die Zinssätze für Darlehen aus dem Rettungsfonds EFSF sollen von 4,5 Prozent auf rund 3,5 Prozent sinken. Die Laufzeiten der Kredite sollen von bisher siebeneinhalb auf bis zu 15 Jahre gestreckt werden. So soll es auch diesen Ländern erleichtert werden, ihre Schulden zurückzuzahlen.

Es ist schon das zweite Rettungspaket für das hochverschuldete Griechenland. Bereits im vergangenen Jahr hatten sich die Euro-Staaten und der Internationale Währungsfonds (IWF) auf Hilfszusagen von insgesamt 110 Milliarden Euro geeinigt. Das Geld soll über einen Zeitraum von drei Jahren ausgezahlt werden, bisher ist rund die Hälfte geflossen.

Das zweite Paket war nun nötig geworden, weil das Geld aus dem ersten Rettungsprogramm nicht ausreicht, um Griechenland solange zu unterstützen, bis es sich wieder selbst am Kapitalmark finanzieren kann.

stk/Reuters/dpa



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insgesamt 20 Beiträge
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GanzMeineMeinung 22.07.2011
1. Griechen sind nicht GR, EU nicht der Euro
Uns hat der Euro nicht gut getan (auch wenn die Medien von FAZ bis taz, von Bayernkurier bis Spiegel anderes sagen, jede Speisekarte, jede Mietannonce beweist das Gegenteil), den Griechen wohl auch nicht, wem also (Banken, Spekulanten, ..). Aber der Rausschmiss (oder Austritt ;-) von GR aus dem Euro hat mit der EU Null zu tun, GB, N sind ja auch EU ohne Euro. Und die frühe Rente der Griechen ist kaum Schuld für die Krise, sondern ausgabenfreudige Politiker, genau wie bei uns. Dieses Paket zahlen wir in D, A (noch wer?) über die Steuern, und das Geld landet bei den Banken (die fette Zinsen für hohes Risiko kasierten und uns das Risiko jetzt abgeben) und den Rüstungsfirmen: Nato-GR contra Nato-TR, wir zahlen; nicht aber bei "Costas" im Portemonnaie.
dapmr75 22.07.2011
2. Klasse, und wer profitiert?
Zitat von sysopLange hat es gedauert,*nun steht das zweite Rettungspaket für Griechenland. 109 Milliarden Euro sollen von den*Euro-Staaten kommen, weitere 50 Milliarden Euro sollen private Gläubiger beisteuern.*SPIEGEL ONLINE erklärt die wichtigsten Gipfel-Beschlüsse. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,775834,00.html
Der deutsche Steuerzahler darf nicht auf Erleichterungen hoffen. Die untere Einkommensschicht in Deutschland musste ueber die vergangenen 10 Jahre reale Kaufkraftverluste akzeptieren. HartzIV Erhoehungen sind keine moeglich. Der zukunftsfaehige Umbau von Deutschland und Europa muss warten. Warum? Wir alle muessen stattdessen deutschen Politikversagern, franzoesischen Banken, griechischen Millionaeren, irischen Hypothekenkranken, korrupten EU Zentralbankern und weiteren Schmarotzern ihre grenzenlose Nimmeinstellung, Frechheit, Dummheit, Arroganz und Unfaehigkeit finanzieren. So wird der europaeische Gedanke und die Integration richtig gefoerdert, toll.
chriseh 22.07.2011
3. Beteiligung der privaten Gläubiger
Wie sollen denn die Banken, Versicherungen und andere private Gläubiger beteiligt werden? Gibt es da irgendwelche durchsetzbaren Verpflichtungen, oder sind das die Wunschträume der Politiker, dass die privaten Gläubiger die ihnen „angebotenen Modelle“ schon annehmen werden? Übrigens: Wenn private Gläubiger ihre bestehenden (ungesicherten) Anleihen eintauschen gegen solche, für die der EFSF bürgt – wo ist denn da die Beteiligung? Die neuen Anleihen mögen eine längere Laufzeit haben, die Privaten bekommen ihr Geld also später zurück, aber dafür haftet für die Rückzahlung der EFSF – also der Steuerzahler. Unter „Beteiligung der privaten Gläubiger“ hatte ich mir irgendwie etwas anders vorgestellt, als dass man ihnen anbietet ihr Risiko auf die Allgemeinheit überzuwälzen…
toskana2 22.07.2011
4. soll das heißen
Zitat von sysopLange hat es gedauert,*nun steht das zweite Rettungspaket für Griechenland. 109 Milliarden Euro sollen von den*Euro-Staaten kommen, weitere 50 Milliarden Euro sollen private Gläubiger beisteuern.*SPIEGEL ONLINE erklärt die wichtigsten Gipfel-Beschlüsse. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,775834,00.html
Ich lese, " ... nun steht das zweite Rettungspaket für Griechenland." Soll das heißen, ... das dritte, vierte folgen?!
papayu 22.07.2011
5. Zinsen
Also was Griechenland bekommt, moechte ich auch haben!! 3,5 % Zinsen p.a.Da kauf ich mir gleich einen Mercedes SL. Ich kann ja 15 Jahre abbezahlen! Und sowas wird uns verkauft. Fuer wie dumm haelt Frau Merkel und Consorten eigentlich den deutschen Buerger. Fuer SAUBLOED? Ja und jetzt kommen die Anderen hinterher und wollen das Gleiche, das Selben usw. Da strahlt der Bunga Bunga Manager, hoffentlich lacht er sich zu Tode. WARUM muss den Griechen u.a. geholfen werden??? 1948 bekamen alle Deutschen DM 40.-- Ich bin Kaufmann i.R., hab mal doppelte Buchfuehrung gelernt und Portokassen verwaltet- als Lehrling-. Aber so etwas, das geht ueber meine Hutschnur. Und dann noch hochgejubelt von den Medien. Der "Voelkische Beobachter" schrieb auch nur Erfolgsmeldungen, obwohl!!
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