Bankenkrise: Euro-Gruppe sagt Spanien Milliardenhilfe zu

Stundenlang berieten die Euro-Finanzminister, am Abend war das Ergebnis da: Nach langem Zögern bittet die spanische Regierung um Hilfen für seine maroden Banken. Die Euro-Gruppe stellte dem Land bis zu 100 Milliarden Euro in Aussicht.

Notrufsäulen vor der EZB in Frankfurt am Main: Bis zu 100 Milliarden Euro für Madrid Zur Großansicht
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Notrufsäulen vor der EZB in Frankfurt am Main: Bis zu 100 Milliarden Euro für Madrid

Madrid/Brüssel/Berlin - Die spanische Regierung sorgte bis zur letzten Minute für Verwirrung über einen möglichen Hilfsantrag. Dann kündigte Finanzminister Luis de Guindos nach massivem Druck der Euro-Partner an, dass sein Land Finanzhilfe für seine angeschlagenen Banken beantrage. Spanien würden dabei aber "keinerlei Auflagen außerhalb des Finanzsektors" gemacht. Damit entgeht die viertgrößte Volkswirtschaft strengen Auflagen und Kontrollen seines Staatsbudgets.

Genaue Details wie die genaue Summe werde seine Regierung in den kommenden Tagen bekanntgeben, sagte de Guindos am Samstagabend. Der spanische Bankenfonds werde das Geld erhalten. Es sei aber noch nicht klar, ob die Summe aus dem Euro-Schutzschirm EFSF oder dem permanenten Rettungsmechanismus ESM kommen solle.

Wenig später kündigten die Euro-Staaten an, Spanien mit Hilfskrediten von bis zu 100 Milliarden Euro beizustehen. Darauf haben sich die Euro-Finanzminister bei einer Telefonkonferenz verständigt, teilte Euro-Gruppenchef Jean-Claude Juncker nach einer rund dreistündigen Telefonkonferenz mit. "Die Euro-Gruppe ist informiert worden, dass die spanische Regierung bald einen offiziellen Antrag stellen wird und ist bereit, auf einen solchen Antrag positiv zu antworten", hieß es in seiner Erklärung.

Die Euro-Länder - allen voran Deutschland - hatten Spanien gedrängt, Hilfen anzunehmen. Das Land kann sich derzeit nur zu recht hohen Zinsen Geld an den Finanzmärkten leihen. Bisher wollte Madrid seine kriselnde Bankenbranche ohne Hilfe von außen sanieren. Der Sektor leidet unter der Immobilienkrise: Viele Banken sitzen auf faulen Krediten, die wohl nicht zurückgezahlt werden.

"Spanien dank eingeleiteter Reformen auf einem guten Weg"

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) begüßte Spaniens Ankündigung, einen Antrag auf Hilfen aus dem Euro-Rettungsfonds zu stellen. Jetzt müsse das Land seine Bankenrestrukturierung mit Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäischer Zentralbank (EZB) aushandeln, sagte Schäuble der ARD-Tagesschau.

Er betonte, nicht die Banken, sondern Spanien bekomme das Geld. Damit hafte Madrid für die Milliardenhilfen und habe zugleich die Aufsicht über die Geldinstitute. Anders als ein Teil des Finanzsektors sei "Spanien als Ganzes" dank eingeleiteter Reformen "auf einem guten Weg", hieß es in einer schriftlichen Erklärung des Ministers.

Schäuble hatte nach Informationen von SPIEGEL ONLINE schon gegen 15 Uhr die Haushälter der Bundestagsfraktionen in einer Telefonkonferenz über die Lage unterrichtet. Demnach, so hieß es aus Parlamentskreisen, seien die 100 Milliarden Euro eine erste Schätzung. Die genaue Summe werde erst in einigen Wochen bekannt. Dann erst würden die Gutachten der Beratungsgesellschaften Roland Berger (Deutschland) und Oliver Wyman (USA) über Spaniens Kapitalbedarf vorliegen.

"Instrumente nutzen, die dafür geschaffen worden sind"

Am Freitagabend hatte der Internationale Währungsfonds (IWF) seinen Stresstest für die spanischen Banken vorgelegt. Ergebnis: Die von der Immobilienkrise gebeutelten Institute benötigen mindestens 40 Milliarden Euro, für eine wirkliche Sicherheit sei aber eher das Doppelte notwendig.Allein die Krisenbank Bankia fordert vom Staat für ihre Sanierung insgesamt mehr als 23 Milliarden Euro.

Auch Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hatte der spanischen Regierung empfohlen, Hilfen aus dem Euro-Rettungsschirm in Anspruch zu nehmen: "Wenn Spanien sich hinsichtlich des Finanzierungsbedarfs überfordert sieht, sollte es die Instrumente nutzen, die dafür geschaffen worden sind", sagte Weidmann der "Welt am Sonntag". Die Devise dürfe nicht sein, "bloß nicht unter den Rettungsschirm zu gehen. Auf das Einspringen der Notenbank zu hoffen, damit keine Auflagen erfüllt werden müssen, ist der falsche Weg", sagte Weidmann.

Bisher hängen bereits Griechenland, Irland und Portugal am Euro-Tropf. Spanien braucht allerdings nur Hilfe für seine maroden Banken.

jul/heb/dpa/Reuters/dapd

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1. hAAAAAAhaha!
sistermercy 09.06.2012
Zitat von sysopStundenlang berieten die Euro-Finanzminister, am Abend war das Ergebnis da: Di
Dazu beitragen, den Euro zu stablisieren, möchten die Spanier! Und die Griechen mahnen jetzt extreme Sparsamkeit bei den Spaniern an. Was für eine Farce!
2. Spanien bittet um Hilfen...
donadoni 09.06.2012
....damit der EURO stabilisiert wird. Aha. Damit müsste man Spanien direkt noch dankbar sein, dass Europa (oder präziser der deutsche Steuerzahler) Geld nach Spanien schickt. Zynischer kann die Situation gar nicht beschreiben. Nur gut, dass parallel der EM-Fußballstuss läuft. Das Volk weiß wie immer nichts.
3. na dann mal wieder
ebensolchen 09.06.2012
Zitat von sysopStundenlang berieten die Euro-Finanzminister, am Abend war das Ergebnis da: Di
12 std. 40 ... 80 und nu 100 milliarden ... dann werdens wohl eher 300 werden ...
4. Bei jedem Eurostaat dieselbe Litanei:
dunnhaupt 09.06.2012
Erst "unter gar keinen Umständen", dann "allerhöchstens unter strengen Bedingungen", schließlich "na ja, womöglich eventuell doch". und am Ende: "Hiiiiiilfe!!! So schnell geht das trotz aller Verschleppungsversuche unserer Kanzlerin.
5. da hat man Spanien weichgeklopft
katerramus 09.06.2012
Zitat von sysopStundenlang berieten die Euro-Finanzminister, am Abend war das Ergebnis da: Di
und Schäuble darf jubillieren... jetzt wird der Druck auf die Opposition noch mal kräftig verstärkt und IWF und alle anderen werden nach dem ESM schrfeien, weil die EFSF nicht ausreicht........
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  • Samstag, 09.06.2012 – 19:53 Uhr
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So funktioniert der Rettungsfonds ESM
Volumen
Der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) kann bis zu 500 Milliarden Euro an Hilfsgeldern vergeben. Nur 80 Milliarden Euro davon werden wirklich eingezahlt, der Rest sind Garantien. Nicht angerechnet werden die bereits vergebenen Hilfen aus dem vorläufigen Rettungsfonds EFSF sowie bilaterale Kredite der Euro-Staaten an Griechenland.
Einzahlung
Die 80 Milliarden Euro Kapital werden in fünf Tranchen eingezahlt; zwei im Jahr 2012, zwei weitere 2013 und eine letzte bis Mitte 2014. Erst dann hat der Fonds sein komplettes Ausleihvolumen von 500 Milliarden Euro erreicht. Bis dahin kann es eng werden: Der ESM muss stets 15 Prozent von dem Geld besitzen, das er in Notfällen verleiht. Er müsste also 15 Milliarden Euro besitzen, um ein Rettungspaket von 100 Milliarden Euro schnüren zu können. Um für eine Übergangsphase gerüstet zu sein, soll der vorläufige Rettungsfonds EFSF noch bis Mitte 2013 einspringen können, falls der ESM noch nicht ausreichend gefüllt ist. Im EFSF befinden sich noch rund 240 Milliarden Euro, die nicht für bestehende Hilfsprogramme ausgegeben wurden.
Aufgabe
Der ESM soll Mitgliedsländern der Euro-Zone helfen, die Schwierigkeiten haben, sich am Finanzmarkt frisches Geld zu leihen - etwa wenn die Zinsen für Staatsanleihen zu hoch sind, um sie dauerhaft zahlen zu können. Es gibt keine feste Definition, ab welchem Zinsniveau Staaten Hilfe beantragen müssen oder können - als Faustregel gelten aber sieben Prozent für zehnjährige Staatsanleihen. Bei Erreichen dieses Werts hatten Länder wie Portugal oder Irland Hilfen aus dem Vorgängerfonds EFSF beantragt. Im Gegenzug für Hilfen aus den Rettungsfonds müssen die Krisenländer strenge Sparauflagen einhalten und Strukturreformen beschließen.
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