Künftige Rettungsstrategie: Euro-Gruppen-Chef droht Krisenländern mit Zypern-Methode

Euro-Gruppen-Chef Dijsselbloem: Problemländer und Problembanken "zurückstoßen" Zur Großansicht
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Euro-Gruppen-Chef Dijsselbloem: Problemländer und Problembanken "zurückstoßen"

Erst sollte Zypern ein Einzelfall bleiben - jetzt droht Euro-Gruppen-Chef Dijsselbloem, auch bei künftigen Krisenfällen Bankkunden und -aktionäre an der Rettung zu beteiligen. Die Börsen reagierten schockiert, der Niederländer schob Beschwichtigungen nach.

Brüssel - Zum ersten Mal seit Beginn der Finanzkrise im Euro-Raum müssen bei der Rettung des Bankensektors in Zypern auch Gläubiger und Kunden der Institute Verluste hinnehmen - für Jeroen Dijsselbloem ein Modell für die Zukunft: Der Euro-Gruppen-Chef hält das Vorgehen auf Zypern für einen Wendepunkt im Kampf gegen die Schulden- und Bankenkrise im Währungsraum. Kämen Institute künftig ins Trudeln, sei die Hilfe der Euro-Partner nicht automatisch garantiert, sagte Dijsselbloem in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters. Stattdessen müssten Aktionäre, Gläubiger und Kunden der Institute ihren Teil beitragen.

Dijsselbloem sparte nicht mit markigen Worten: Problembanken wie ihre Heimatländer müssten damit rechnen, in Zukunft "zurückgestoßen" zu werden. "Ihr müsst euch damit beschäftigen", wandte Dijsselbloem sich an Partnerstaaten in der Euro-Zone.

Der Chef der Euro-Gruppe, der auch niederländischer Finanzminister ist, sieht den Fall Zypern demnach zum einen als Modell für den Umgang mit drohenden Bankpleiten. Zum anderen sei klar, dass auch andere Länder mit übergroßem Bankensektor diesen verkleinern müssten. Konkret äußerte sich Dijsselbloem zu Luxemburg, Malta und Slowenien: "Das bedeutet: Klärt das, bevor es zu Schwierigkeiten kommt. Stärkt eure Banken, repariert die Bilanzen und seid euch im Klaren darüber, wenn Banken in Probleme geraten, kommen wir nicht automatisch, um sie zu lösen."

Die Äußerungen Dijsselbloems stehen in direktem Gegensatz zu denen seines deutschen Amtskollegen Wolfgang Schäuble (CDU). Der Bundesfinanzminister hatte im Zusammenhang mit Zypern bisher stets von einem Einzelfall gesprochen.

Außerdem machte Dijsselbloem deutlich, dass eine direkte Rekapitalisierung von Pleitebanken durch den Rettungsschirm ESM nicht zur Regellösung werden wird. Bei massivem Kapitalbedarf angeschlagener Banken werde künftig stets geprüft, inwieweit Aktionäre, Anleihegläubiger und letztlich auch die Kunden einer Bank herangezogen werden können. Auf Nachfrage bestätigte Dijsselbloems Büro der Nachrichtenagentur AP die Äußerungen.

Die Akteure an den europäischen Börsen regierten prompt auf die Drohung Dijsselbloems: Kurz nach Bekanntwerden der Äußerungen rutschten die Indizes ins Minus, nachdem sie in Folge der Zypern-Rettung noch Gewinne verzeichnet hatten - die New Yorker Börse hatte gar ein Rekordhoch erreicht. Händler machten Dijsselbloems Aussagen für die Talfahrt verantwortlich und vermuteten, die Euro-Gruppe teste offenbar, wie weit sie gehen könne.

Der Dax Chart zeigen rutschte zeitweise mit 0,66 Prozent ins Minus, insbesondere die zuvor erholten Finanzwerte litten. Die Papiere der Deutschen Bank Chart zeigen büßten 3,63 Prozent an Wert ein, Commerzbank-Aktien Chart zeigen verloren 2,88 Prozent.

Dijsselbloem reagierte umgehend auf die Kursstürze und schob eine knappe Mitteilung nach: "Zypern ist ein besonderer Fall mit außergewöhnlichen Herausforderungen", heißt es darin. Und: "Makroökonomische Anpassungsprogramme sind für die betroffenen Länder maßgeschneidert und es werden keine Modelle oder Vorlagen genutzt." In der Folge machte der Dax einen Teil der Verluste wieder wett und stand bei Handelsschluss bei minus 0,5 Prozent. Auch der Euro-Kurs Chart zeigen bekam die Achterbahnfahrt zu spüren: Nach dem geglückten Kompromiss war er noch auf über 1,30 Dollar gesprungen, zuletzt sank er auf weniger als 1,29 Dollar.

Ursprünglich hatte der erste Rettungsplan für Zypern allein die Bankkunden über eine Einlagenabgabe belasten sollen - auch Kleinsparer wären davon betroffen gewesen. Diese Lösung hatte das Parlament in Nikosia vergangene Woche jedoch strikt abgelehnt, auch im Rest der Euro-Zone war die Empörung über die geplante Teilenteignung von kleinen Guthaben groß.

Nun soll der Bankensektor des Landes durch eine rigorose Umstrukturierung gerettet werden: Die zweitgrößte Bank Laiki macht dicht, wobei Guthaben unter der gesetzlich geschützten Schwelle von 100.000 Euro nicht angetastet werden, Guthaben über dieser Grenze fließen jedoch in die Konkursmasse ein. Auch die Kunden des Branchenprimus Bank of Cyprus müssen mit einer Abgabe auf den Teil ihres Guthabens rechnen, der über 100.000 Euro beträgt.

fdi/Reuters/dpa-AFX/AP

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insgesamt 424 Beiträge
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1. Was heißt hier...
aldamann 25.03.2013
"die Börsen fingen sich wieder?" Ich hab heute mal eben 1000 Euro verloren und dabei habe ich nicht mal ein Konto auf Zypern. - Nee, Spaß beiseite. Waren ja bekanntermaßen die Konjunkturprognosen.
2. Niederländische Immobilienblase
kozmo 25.03.2013
Meint Herr Dijsselbloem auch sein Heimatland, wo eine Immobilienblase bald platzt?
3. Geld?
steintor 25.03.2013
Ha Ha Ha...auf den Konten der zyprischen Banken liegt doch gar kein Geld mehr....das hat nur noch keiner gemerkt....ich lach mir schlapp...
4. Wer hätte das gedacht!
derpolokolop 25.03.2013
Ich glaube ich öffne ein Tresorladen...
5. Dann wird er wohl bald
Baikal 25.03.2013
seinem Land selbst drohen müssen: die Niederlande beginnen auch schon ihren Abstieg und auch in AAA-Finnland steigt die Arbeitslosigkeit.Das große Friedensprojekt verkommt zur Murksel-Realität.
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