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Euro-Krise: Anatomie eines Beinahe-Crashs

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Europa hat in den Abgrund geschaut: Anfang Mai wäre das Finanzsystem fast zusammengebrochen. Eine alarmierende Analyse der Europäischen Zentralbank macht klar, wie dramatisch die Lage war. Zeitweise herrschten Zustände wie nach dem Lehman-Crash - und auch jetzt sind nicht alle Gefahren gebannt.

EZB-Zentrale in Frankfurt: Extremsituation am Bankenmarkt Zur Großansicht
dpa

EZB-Zentrale in Frankfurt: Extremsituation am Bankenmarkt

Hamburg - Stand der große Knall im Weltfinanzsystem Anfang Mai unmittelbar bevor? Die Europäische Zentralbank (EZB) skizziert in ihrem aktuellen Monatsbericht ein Horrorszenario. Die europäische Finanzwelt ist nur knapp an einem Zusammenbruch vorbeigeschrammt, steht in der Analyse (siehe PDF links). Den Anleihen-, Interbanken-, Aktien- und Devisenmärkten habe der Kollaps gedroht.

An manchen dieser Märkte sei die Situation im Mai 2010 gar schlimmer gewesen als nach dem Crash der US-Investmentbank Lehman Brothers im September 2008, dem Auftakt zur weltweiten Finanzkrise. Nur das beherzte Eingreifen der EZB habe Anfang Mai das Schlimmste verhindert - schreibt die EZB.

Das bedeutet zunächst einmal: Europas mächtigste Zentralbank liefert nachträglich eine umfassende Begründung für ihr unkonventionelles Vorgehen in den vergangenen Wochen. Um Griechenland zu helfen, hatte sie eine eherne Regel gebrochen, der zufolge sie nur Staatsanleihen mit einem befriedigenden Rating kauft. Nun plötzlich nahm die EZB auch griechische Anleihen mit Ramschstatus (siehe Kasten links) in Milliardenhöhe - und EZB-Chef Jean-Claude Trichet stand schlagartig im Kreuzfeuer der Kritik.

Die Maßnahme schade der Glaubwürdigkeit der Notenbank, sagte EZB-Experte Michael Schubert von der Commerzbank. Bundesbank-Präsident Axel Weber, selbst EZB-Ratsmitglied, kritisierte den riskanten geldpolitischen Schwenk. Manche sahen in dem Schritt eine Warnung, dass Schlimmeres dräut: "Die EZB hat eines ihrer hehren Prinzipien über Bord geworfen", sagte seinerzeit Thorsten Polleit, Chefvolkswirt von Barclays Capital. "Das zeigt, dass die Lage sehr, sehr ernst ist."

"Schwere Störung der Märkte"

Der EZB-Monatsbericht untermauert nun genau dies. Von einer "schweren Störung der Märkte" ist die Rede. "Wenngleich sich diese Verwerfungen aus einer anderen Konstellation von Schocks ergaben als die verstärkten Spannungen nach der Insolvenz von Lehman Brothers, lassen sich in mancherlei Hinsicht Parallelen ziehen", schreibt die EBZ. "Dies gilt insbesondere in Bezug auf die Geschwindigkeit, mit der die Stimmung umschlug, sowie mit Blick auf die jähe Flucht der Finanzinvestoren in sichere Anlagen."

Am Bankenmarkt drohte der EZB zufolge eine dramatische Kettenreaktion. "So stieg die Wahrscheinlichkeit eines gleichzeitigen Zahlungsausfalls von zwei oder mehr großen Banken des Eurogebiets sprunghaft an und überschritt die nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers beobachteten Werte", steht in dem Papier. Welche Banken akut pleitegefährdet waren, teilte die Bank nicht mit - bekannt ist, dass vor allem die deutsche Hypo Real Estate und einige französische Banken Anfang Mai viele Griechen-Anleihen in ihren Portfolios hatten.

Der Bericht liest sich untypisch dramatisch. Das oberste Gebot einer Zentralbank ist, Ruhe in die Märkte zu bringen. Angesichts der scharfen Kritik am geldpolitischen Kurs der EZB drängt sich also die Frage auf, ob sie die Ereignisse Anfang Mai in einem besonders dramatischen Licht erscheinen lässt, um die eigenen Aktionen nachträglich zu rechtfertigen. Die Bank weist das zurück, und auch unabhängige Experten halten den Monatsbericht nicht für übertrieben. "Die Nervosität an den Märkten ist seit September 2008 erhöht", sagt Hans-Peter Burghof, Bankenprofessor an der Universität Hohenheim. "Störungen wie das griechische Drama lassen die Angst der Anleger schnell auf ein Niveau emporschnellen, das für die Märkte bedrohlich werden kann. Am 7. und 8. Mai war dieses Niveau erreicht."

Mehrere Parallelen zum Lehman-Crash

Für die EZB-Einschätzung spricht außerdem, dass auch die EU und der Internationale Währungsfonds (IWF) Anfang Mai reagierten - sie legten am Wochenende des 8. und 9. Mai in einer Hauruckaktion den Grundstein für einen 750-Milliarden-Euro-Rettungsfonds, der in Not geratene EU-Staaten künftig kurzfristig auffangen kann. Angetrieben wurden sie von der Angst, dass Montagnacht bei Öffnung der asiatischen Aktienmärkte ein beispielloses Börsenbeben passiert. Die Politik wollte ein starkes Signal an die Märkte schicken, damit der Kollaps verhindert wird.

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Grafik-Strecke: Europa drohte Finanzkollaps

Die EZB liefert dafür in ihrem Bericht viele Belege dafür, das die Befürchtungen begründet waren. Sie stützt sich auf Indikatoren, die nicht sie selbst erhebt, sondern unabhängige Finanzexperten:

  • Staatsanleihen: Deutschlands Staatsanleihen haben von allen Euro-Staaten die niedrigsten Zinsen, weil die Bundesrepublik als ungefährdeter Schuldner gilt - alle anderen Länder müssen höhere Zinsen an ihre Gläubiger zahlen. Diese Aufschläge gegenüber den deutschen Staatsanleihen (Spreads) wurden am 6. Mai rapide größer. Die Risikoaufschläge für griechische Staatsanleihen erreichten einen Rekordstand, bei dem es dem Land nach Meinung vieler Experten nicht mehr möglich gewesen wäre, Anleihen am Markt zu platzieren. Auch portugiesische, spanische und irische Anleihen kamen unter Druck. Panik drohte sich breitzumachen - an den Märkten ging die Furcht um, dass auch andere Länder mit Schuldenproblemen in eine tiefe Krise rutschen könnten, weshalb plötzlich enorme Zinsen verlangt wurden.
  • Interbankenmarkt: An diesem Markt leihen sich die Banken gegenseitig Geld - eine Sache des gegenseiten Vertrauens der Geldhäuser, und hier verknappten sich in jenen Tagen in Rekordzeit die verfügbaren Mittel. Viele Banken halten griechische Staatskredite in Milliardenhöhe. Sie bekamen durch das Drama an den Anleihemärkten plötzlich selbst immer schwerer Kredit, denn ihr eigener Ruf war durch die Probleme mit den Staatsanleihen ins Zwielicht geraten. Selbst der Handel mit Kurzzeitkrediten (eine Woche oder weniger) war plötzlich gestört. Die EZB erachtete das als "besonders besorgniserregend": "Im gesamten Eurogebiet war der Zugang der Banken zur Marktfinanzierung erheblich beeinträchtigt."
  • Kreditversicherungen: Mit Kreditversicherungen sichern sich Banken gegen Ausfälle ab - und der Handel mit diesen Papieren verschlechterte sich in jenen Tagen ebenfalls rapide. Der iTraxx-Senior-Financials-Index verzeichnete Anfang Mai höhere Werte als nach dem Lehman-Crash. Bei diesem Index handelt es sich um ein standardisiertes Kreditderivat zur Absicherung gegen Kreditrisiken, das 25 solvente Finanzkonzerne umfasst.
  • Börsen: Die steigende Nervosität an den Anleihen- und Interbankenmärkten löste am 6. und 7. Mai eine Verkaufswelle an den Aktienmärkten der Euro-Staaten aus. Finanzaktien waren besonders stark betroffen, doch die Angst der Anleger schwappte auf andere Bereiche über. Die Märkte wurden sprunghaft unsicher, noch verstärkt durch den plötzlichen Einbruch des Dow Jones um rund 9 Prozent am 6. Mai - der vermutlich auf einen Technikfehler zurückzuführen war.
  • Devisen: Die Anleger begannen, hektisch mit Währungen zu handeln. Über das CLS, das weltweit größte Abwicklungssystem für Devisen, wurden am 7. Mai mehr als 1,5 Millionen Transaktionen abgewickelt - tagelang war das Handelsvolumen mehr als doppelt so hoch wie normal. Das System war dem Ansturm nicht gewachsen, die Abwicklung verzögerte sich. Es wurden Bedenken laut, ein größeres systemisches Problem könne die Verzögerungen bedingt haben - "die Situation wies gewisse Ähnlichkeiten mit der Situation am 17. September 2008 (Lehman-Crash, d.Red.) auf, als die Zahl der Transaktionen in die Höhe schnellte", schreibt die EZB.

Die Folgen der Finanzturbulenzen von Anfang Mai sind bis heute spürbar. Und auch sie ähneln den Folgen des Lehman-Crashs: Die Aktien- und Devisenmärkte haben sich zwar schon wieder erholt, aber der Interbankenmarkt hat noch enorme Probleme. Viele Institute legen ihre überschüssigen Euros mittlerweile wieder bei der EZB an. "Wir haben erneut die Situation, dass sich die Banken untereinander nicht vertrauen", sagte EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark kürzlich der "Zeit".

Mit deutlichen Worten hat an diesem Freitag auch Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia vor neuen Risiken für die Banken gewarnt: Vor allem in Griechenland und Spanien könnten einige Institute in Schwierigkeiten geraten. Um Klarheit über die Situation der Geldhäuser und am Ende wieder Vertrauen herzustellen, hat die EU in einem einmaligen Schritt beschlossen, Stresstests der Institute zu veröffentlichen - in diesen Analysen werden die Unternehmen auf Belastbarkeit untersucht.

Vieles spricht dafür, dass Europa Anfang Mai gerade noch einen Kollaps der Märkte verhindert hat - aber die Gefahr ist nicht gebannt. Die Frage bleibt, ob die beschlossenen Hilfspakete tatsächlich eine neue Bankenkrise verhindern können. Wenn nein, müssen die ohnehin verschuldeten Regierungen vielleicht schon bald wieder eingreifen - und die Geldinstitute retten.

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Forum - Was muss Europa aus der Euro-Krise lernen?
insgesamt 3080 Beiträge
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1. Das wichtigste scheint mir,
Fritz Katzfuß 15.05.2010
eine eigene staatlich kontrollierte Ratingagentur aufzubauen. Die würde den privaten an Glaubwürdigkeit vermutlich bald das Wasser abgraben, wenn sagen wir, die Schweizer oder die Schweden sie leiten. Berlusconi dürfte da nix zu sagen haben, das ist kalr.
2. (kern)kompetenzen
-Philipp- 15.05.2010
Zitat von sysopDie Schulden-Krise Griechenlands hat deutliche strukturelle Defizite der Europäischen Union aufgezeigt. Was denken Sie - muss die Einigung Europas in der Wirtschafts- und Finanzpolitik intensiviert werden?
nein. das gegenteil ist der fall. die eu muß sich wieder auf ihre kernkompetenzen besinnen. und nicht zu einem undekmokratischen monstrum werden. die konsequenzen einer solchen katastrophalen entwicklung werden sichtbar. Der Euro wird zur europäischen Weichwährung. Es genügte nicht, Griechenland mit einem 110-Milliarden-Euro-Paket unter die Arme zu greifen. Die EU-Regierungschefs legten die skurril anmutende Summe von 750 Milliarden Euro nach, um einen «Rettungsschirm» über den wankenden Euro-Ländern aufzuspannen. Die Grösse des Betrags macht das Ausmass der Verzweiflung deutlich. Wer so viel Geld in die Hand nimmt, um eine Währung zu stützen, zWeder noch. Der Euro war von Anfang an eine ökonomische Fehlleistung. Die Finanzmärkte legen jetzt nur etwas unsentimental offen, was an diesem Konstrukt schon im Kern falsch angelegt war: Es kann keine vernünftige gemeinsame Währungspolitik für so unterschiedliche Volkswirtschaften geben wie das Kleinstfürstentum Luxemburg, den Industriegiganten Deutschland und Larifari-Staaten wie Portugal oder Griechenland. Der Euro ist ein politisches Projekt – und dieses Projekt ist gescheitert. Was jetzt abläuft, sind lebenserhaltende Massnahmen für eine klinisch tote Währung. Gut möglich, dass sich diese Rettungsübungen gegen jene richten werden, die nun als barmherzige Samariter auftreten: Deutschland stemmt mit 22,4 Milliarden Euro den Löwenanteil der Kredite für Griechenland. Dabei ist der Staat selber mit über 1,7 Billionen Euro verschuldet. Gleichzeitig füttert Berlin die EU jährlich mit immensen Nettozahlungen: 2008 waren es 8,8 Milliarden Euro. Davon flossen, Ironie der Mutwilligkeit, 6,3 Milliarden nach Athen. Ein schöner Zustupf: Auf einen griechischen Vier-Personen-Haushalt gerechnet, sind das rund 2200 Euro Subventionen. es ist ja nur unser geld .. ;-).
3.
marant 15.05.2010
Zitat von sysopDie Schulden-Krise Griechenlands hat deutliche strukturelle Defizite der Europäischen Union aufgezeigt. Was denken Sie - muss die Einigung Europas in der Wirtschafts- und Finanzpolitik intensiviert werden?
Das was seit Jahren gefordert wird !!! endlich mal die Finanzmärkte an die Leine zu nehmen ! denn die Finanzjongleure haben schon längst die Oberhand gewonnen - mit freundlicher Unterstützung der Politik.
4. Passt
harrold, 15.05.2010
Zitat von sysopDie Schulden-Krise Griechenlands hat deutliche strukturelle Defizite der Europäischen Union aufgezeigt. Was denken Sie - muss die Einigung Europas in der Wirtschafts- und Finanzpolitik intensiviert werden?
Gern. Und genau das wäre die Rolle Deutschlands, so wie es die Rolle Frankreichs war, hauptsächlich zu dem 750-Mrd-Paket beizutragen (95% der Vorschläge kamen aus Frankreich). Wirtschaft ist im deutsch-französischem Tandem traditionell die Domäne der Deutschen, hier würden also die Deutschen zu 95 % (hoffentlich keine Arbeitgeberlobbyfaschisten) beitragen.
5. Ja
marvinw 15.05.2010
Zitat von sysopDie Schulden-Krise Griechenlands hat deutliche strukturelle Defizite der Europäischen Union aufgezeigt. Was denken Sie - muss die Einigung Europas in der Wirtschafts- und Finanzpolitik intensiviert werden?
Die Einigung ja, aber in der Richtung der Enteignung der Banken, Regulierung der Finanzmärkte und Bekämpfung der Spekulanten.
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Wie Rating-Agenturen arbeiten
Geschichte
Die Geschichte der Rating-Agenturen reicht ins 19. Jahrhundert zurück, als das US-Eisenbahnnetz sich über den Kontinent ausdehnte. Das erforderte Kredite, die die Banken nicht alleine schultern konnten. Industrieunternehmen begannen, Anleihen auszugeben, um an Geld zu kommen. Heute dominieren drei Agenturen den Markt: Standard & Poor's, Moody's und Fitch.
Standard & Poor's
Standard & Poor's (S&P): Henry Varnum Poor veröffentlichte 1868 das "Manual of the Railroads of the United States", in dem die Anleger Informationen über die Eisenbahngesellschaften erhielten. 1941 verschmolzen die Poor's Publishing Company und die Standard Statistics Company zur Rating-Agentur Standard & Poor's. Das Rating reicht von AAA ("Triple A", exzellente Bonität, praktisch kein Ausfallsrisiko) über BBB (befriedigend) bis D (in Zahlungsverzug, keine Bonität).
Moody's
Moody's: John Moody gründete 1909 die Agentur Moody's Investors Service, die seit 1975 von der US-Börsenaufsicht SEC anerkannt ist. Die Bewertungen reichen von Aaa über Baa1 bis C.
Fitch
Fitch Ratings: 1924 entstand in New York aus der Fitch Publishing Company von John Fitch das Unternehmen Fitch Ratings. Alle drei Unternehmen haben ihren Sitz in New York, Fitch Ratings zudem in London; sie betreiben Büros in aller Welt. Das Rating reicht von AAA bis D.
Wie die Agenturen arbeiten
Rating-Agenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Unternehmen, Banken und Staaten und vergeben dazu verschiedene Bonitätsnoten. Dabei fließen veröffentlichte Zahlen ebenso ein wie Brancheneinschätzungen oder eine Beurteilung des Managements.
Die Noten der Rating-Agenturen
Das bedeuten die Ratings
Moody's S&P Fitch Bewertung
Aaa AAA AAA Beste Qualität
Aa1 AA+ AA+ Sichere Anlage
Aa2 AA AA
Aa3 AA- AA-
A1 A+ A+ Prinzipiell sichere Anlage
A2 A A
A3 A- A-
Baa1 BBB+ BBB+ Durchschnittlich gute Anlage
Baa2 BBB BBB
Baa3 BBB- BBB-
Ba1 BB+ BB+ Spekulative Anlage
Ba2 BB BB
Ba3 BB- BB-
B1 B+ B+ Hochspekulative Anlage
B2 B B
B3 B- B-
Caa1 CCC+ CCC+ Substantielle Risiken / Extrem spekulativ
Caa2 CCC CCC
Caa3 CCC- CCC-
Ca CC CC
Ca C C
C D D Zahlungsausfall
Bedeutung der Noten
Je schlechter sie die Bonität eines Marktteilnehmers beurteilen, umso teurer und schwieriger wird es für diesen, sich Geld zu besorgen. Die Refinanzierungskosten steigen, schlimmstenfalls ziehen Geldgeber ihr Kapital ab. Am Rating orientieren sich nicht nur Banken, sondern zum Beispiel auch institutionelle Investoren.

Hochspekulative Anleihen (Moody's: Ba1, S&P: BB+, Fitch: BB+) gelten als "Ramsch". Wird eine Anleihe als spekulativ eingestuft, müssen beispielsweise Zentralbanken sie verkaufen.
Kritik
Kritiker bemängeln, es bleibe oft unklar, welcher Anteil der Bonitätseinstufungen (Ratings) Mathematik und welcher Meinung ist. In der Finanzkrise wurden Rating-Agenturen an den Pranger gestellt: Weil sie Ramschpapiere als sichere Geldanlage anpriesen, wurde ihnen eine Mitschuld an der Krise gegeben.

Die Europäische Zentralbank
EZB
Die Europäische Zentralbank (EZB) ist die gemeinsame Währungsbehörde der Mitgliedstaaten der Europäischen Währungsunion und bildet mit den nationalen Zentralbanken der EU-Staaten das Europäische System der Zentralbanken .
Europäischer Leitzins
Der von der Europäischen Zentralbank vorgegebene Leitzins legt fest, zu welchen Bedingungen sich Kreditinstitute Geld beschaffen und verleihen können.
Expansive Geldpolitik
Durch expansive Geldpolitik wird die verfügbare Geldmenge bei den Geschäftsbanken erhöht, um dadurch die Konjunktur anzukurbeln.
Geldwertstabilität
Ein Hauptziel der EZB ist die Geldwertstabilität , die vor allem mit Hilfe der Geldpolitik erreicht werden soll.

Wie Notenbanken funktionieren
Woher nehmen Notenbanken das ganze Geld?
Für die Milliardensummen, die die Europäische Zentralbank (EZB) und die US-amerikanische Federal Reserve Bank (Fed) im Verlauf der Finanzkrise den Banken zur Verfügung stellten, müssen die Notenbanken nicht die Notenpresse anwerfen und Geldscheine drucken. Die Beträge werden lediglich auf den Konten der Geschäftsbanken gutgeschrieben, die bei den Notenbanken geführt werden. Gegen Wertpapiere als Sicherheiten leiht die EZB oder Fed Geld aus. Nach einer bestimmten Frist zahlen die Banken die Summe inklusive Zins zurück.
Können sie pleitegehen?
Technisch nein. Die EZB hat im Euro-Raum das Monopol über das Zentralbankgeld und kann unabhängig darüber entscheiden, wann sie wie viel Geld in Umlauf bringt.
Warum buttern sie so viel Geld in die Märkte?
Generell leihen sich Geldinstitute auf dem Geldmarkt untereinander oder bei der EZB oder Fed Geld aus und zahlen dafür Zinsen - so wie ein Bankkunde bei einer Bank einen Kredit bekommt und diesen abträgt. Für die Geschäftsbanken ist es wichtig, dass sie über flüssiges Geld (Liquidität) verfügen, zum Beispiel für die Vergabe von Krediten an Unternehmen und Verbraucher. Wegen der Turbulenzen an den Finanzmärkten und eventueller noch unbekannter Risiken bei einzelnen Häusern sind die Banken jedoch misstrauischer geworden und nicht mehr im üblichen Maße bereit, sich gegenseitig Geld auszuleihen. In so einem Fall können die Notenbanken eine Finanzspritze geben, um einen Geldengpass (Kreditklemme) zu verhindern. Vorrangiges Ziel der Notenbanken sind stabile Preise. Die EZB ist laut EU-Vertrag aber auch für die Stabilität des Finanzsystems mitverantwortlich.
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Grafiken: So entwickeln sich die Staatsschulden weltweit

Milliardenstütze für den Euro
Die EU hat sich auf ein beispielloses Rettungspaket geeinigt: Ein bis zu 750 Milliarden Euro schwerer Fonds für Euro-Wackelkandidaten soll Spekulanten abschrecken und die Währung schützen - die Konditionen im Überblick.
Milliarden-Auffangnetz

Für die klammen Euroländer stellt die Gemeinschaft bei Bedarf bis zu 750 Milliarden Euro Soforthilfe zur Verfügung.

Die ersten 60 Milliarden Euro kommen direkt von der EU-Kommission.

Sollte dieses Geld nicht ausreichen, kommen dazu die 440 Milliarden Euro schweren Hilfen einer Finanz-Zweckgesellschaft (siehe unten).

Zusätzlich steuert der Internationale Währungsfonds (IWF)mindestens 250 Milliarden Euro bei.

Finanz-Zweckgesellschaft
Die Finanz-Zweckgesellschaft ist ein für die Euroländer völlig neues Instrument, das im Namen aller 16 Euroländer Geld leihen und an finanzschwache Staaten weiterleiten kann.
Die Euroländer selbst müssen das Geld dabei nicht auf den Tisch legen, sie treten vielmehr als Garanten für das zu leihende Geld auf.
Zinssatz
Wie im Fall von Griechenland wird es auch für das 750-Milliarden-Paket einen einheitlichen Zinssatz für alle bedürftigen Länder geben. Griechenland muss für seine Kredite fünf Prozent Zinsen (für drei Jahre) zahlen.
Konsolidierung
Schuldenländer verpflichten sich, künftig noch strenger auf die Sanierung der Staatshaushalte zu achten.
Finanzmarktregulierung

Die Euroländer wollen die Finanzmärkte stärker regulieren. Dazu zählen Derivate und Rating-Agenturen, die die Kreditwürdigkeit von Schuldnern - und damit auch Staaten - bewerten.

Darüber hinaus versprechen sich die Staaten auch von der Einführung eines "Stabilitätsbeitrags" der Banken und einer weltweiten Abgabe auf Finanztransaktionen eine stärkere Beteiligung des Finanzsektors an den Kosten der Finanz- und Schuldenkrise.

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