Euro-Krise Bundesbank-Chef bringt noch größeren Rettungsschirm ins Gespräch

Deutschlands oberster Geldmanager stemmt sich mit aller Macht gegen Spekulanten: "Eine Attacke auf den Euro hat keine Chance", sagt Bundesbank-Chef Axel Weber. Wenn der 750 Milliarden Euro schwere Hilfstopf aufgebraucht sei, könne man ihn durchaus noch auffüllen.

Bundesbank-Chef Weber: "Attacke auf den Euro hat keine Chance"
REUTERS

Bundesbank-Chef Weber: "Attacke auf den Euro hat keine Chance"


Paris - Reicht der 750 Milliarden Euro schwere Rettungsschirm für Europas Pleitekandidaten? Die Frage beschäftigt derzeit viele EU-Vertreter. Denn als sicher gilt: Kippen nach Griechenland und Irland auch Portugal und Spanien, dann wird es eng.

Jetzt hält Bundesbank-Chef Axel Weber mit aller Macht dagegen: Er zeigte sich demonstrativ zuversichtlich, dass das Volumen des Hilfstopfs ausreicht, um die Schuldenkrise zu meistern. Allerdings fügte er hinzu, dass die Mittel noch aufgestockt werden könnten, sollten sie doch nicht ausreichen. "750 Milliarden müssten meines Erachtens längst reichen, um den Markt zu überzeugen, dass eine Attacke auf den Euro nicht erfolgversprechend ist. Wenn es nicht reicht, dann wird man entsprechend dieses Commitment erhöhen müssen. Aber ich glaube nicht, dass es dazu kommen wird", sagte er am späten Mittwochabend in Paris. Seine Schlussfolgerung: "Eine Attacke auf den Euro hat keine Chance." Die Gemeinschaftswährung werde die aktuelle Krise überstehen.

Zum Hintergrund: Irland war am Wochenende nach langem Zögern unter den Rettungsschirm geschlüpft. Der Schirm über 750 Milliarden Euro war im Frühjahr aufgespannt worden, nachdem Griechenland zuvor als erstes Euro-Land Hilfe beantragen musste. Der Schirm soll Pleitekandidaten in der Euro-Zone helfen und so ein Auseinanderbrechen der Währungsunion verhindern.

Gegenwärtig verhandelt die Regierung in Dublin mit Vertretern der EU und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) über die genaue Höhe der Hilfsmittel und die Konditionen. Seitdem wird an den Finanzmärkten wild spekuliert: Folgen weitere Pleitekandidaten? Wie stabil ist der Euro wirklich?

Rettungsfonds-Chef Regling zeigt sich besorgt

Deutschlands oberster Banker hatte sich in der Vergangenheit mehrmals kritisch dazu geäußert, dass die EZB durch den Ankauf von Anleihen hoch verschuldeter Länder in die Rettungsbemühungen mit einbezogen wurde. Die Rettungsbemühungen selbst, die größtenteils von der EU und zum Teil vom IWF finanziert werden, hatte Weber dagegen befürwortet.

Vor allem jedoch scheint es sein Anliegen zu sein, die Märkte zu beruhigen. Und damit steht er nicht allein da. Auch der Chef des Euro-Rettungsschirms, Klaus Regling, rechnet nicht mit einem Auseinanderbrechen des Währungsraumes. "Dass der Euro scheitert, ist unvorstellbar", sagte er der "Bild". Die Gefahr liege bei Null, schließlich werde "kein Land freiwillig den Euro abgeben". Für schwächere Staaten wäre das wirtschaftlich Selbstmord, ähnlich für die stärkeren Länder. "Und politisch wäre Europa ohne Euro nur die Hälfte wert", sagte Regling.

Dennoch zeigte sich Regling besorgt, dass sich die Krise auch auf andere Euro-Staaten ausweiten könnte. Auch die aktuelle Lage in Irland bezeichnete er als ernst. "Wir erleben nicht wilde Spekulation sondern Käuferstreik", sagte er.

Irland erteilt höherer Unternehmensteuer klare Absage

Streit gibt es indes über die Steuerpolitik in Irland. Trotz der Hilfen, welche die Regierung in Dublin aus dem Ausland erhält, will sie an der niedrigen Besteuerung von Unternehmen auf der Insel festhalten. Die Regierungen in Deutschland und Frankreich hingegen drängen Irland seit Tagen dazu, den extrem niedrigen Körperschaftssteuersatz dem europäischen Durchschnitt anzunähern. In einem Gastbeitrag für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" stellte der irische Finanzminister Brian Lenihan am Donnerstag aber klar, warum seine Regierung dem nicht folgen will.

"Die OECD hat ermittelt, dass eine Erhöhung der Körperschaftssteuern mit größter Wahrscheinlichkeit das Wachstum behindert", schreibt Lenihan. "Da die Grundlage unseres Ansatzes darin besteht, die Wirtschaft wieder zum Wachstum zurückzuführen, wird und kann es keine Änderung bei der Unternehmensteuer von 12,5 Prozent geben."

Der niedrige Satz stört viele EU-Staaten, weil Irland in der Vergangenheit dadurch zahlreiche Unternehmen anlocken konnte. Auch deutsche Firmen, die im eigenen Land eine Steuerlast von rund 28 Prozent tragen müssen, beschäftigen in Irland Tausende Mitarbeiter und haben Milliarden Euro investiert.

yes/dpa/dapd

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 67 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
H-Vollmilch 25.11.2010
1. .
Wann bringt mal jemand einen Steuerzahlerrettungsschirm (der uns vor dem Euro-Wahn und div Auswüchsen einzelner Politiker schützt) ins Gespräch?
thrasybulos 25.11.2010
2. Schilda läßt grüßen
Zitat von sysopDeutschlands oberster Geldmanager stemmt sich mit aller Macht gegen Spekulanten: "Eine Attacke auf den Euro hat keine Chance", sagt Bundesbankchef Axel Weber. Wenn der 750 Milliarden Euro schwere Hilfstopf aufgebraucht sei, könne man ihn durchaus noch auffüllen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,731074,00.html
Danke für diese klaren Worte! A) Man rechnet jetzt schon damit, dass das Geld eh nicht reichen wird. B) Das impliziert, daß diese ganzen Hilfstöpfe und -gelder gar nicht zur Lösung des Problems beitragen können, sondern nur kurzfristig den finalen Zusammenbruch verzögern sollen!
donnerbalken 25.11.2010
3. Weiter so...
Als es noch die DM gab, hieß es: Das sei nicht gut für den internationalen Handel, man muss dauernd die Wechselkurse neu berechnen. Nun, jetzt brauchen wir nicht mehr auf die Wechselkurse Rücksicht zu nehmen... Jetzt können wir uns voll nur auf das Wesentliche konzentrieren... Toll, wenn weise Staatslenker unsere leuchtende Zukunft gestalten... Weiter so...
inqui 25.11.2010
4. ...
Zitat von sysopDeutschlands oberster Geldmanager stemmt sich mit aller Macht gegen Spekulanten: "Eine Attacke auf den Euro hat keine Chance", sagt Bundesbankchef Axel Weber. Wenn der 750 Milliarden Euro schwere Hilfstopf aufgebraucht sei, könne man ihn durchaus noch auffüllen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,731074,00.html
mittlerweile wird hier mit Summen rumgeschmissen.... millionen zählt schon lange nichts mehr, milliarde auch nicht mehr, Billionen sind jetzt angesagt. Wo das noch alles hinführt, währendessen viele Arbeitnehmer für unter 10 € pro Stunde arbeiten.
almabu! 25.11.2010
5. Weber: "Was kost' die Welt?"
Zitat von sysopDeutschlands oberster Geldmanager stemmt sich mit aller Macht gegen Spekulanten: "Eine Attacke auf den Euro hat keine Chance", sagt Bundesbankchef Axel Weber. Wenn der 750 Milliarden Euro schwere Hilfstopf aufgebraucht sei, könne man ihn durchaus noch auffüllen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,731074,00.html
Er möcht' halt so gern noch was werden, der Axel! Da red' mer scho' amal dummes Zoig!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.