Euro-Rettungsschirm: EU-Kommission erwartet spanischen Hilfsantrag

Schlüpft Spanien unter den Euro-Rettungsschirm? Die EU-Kommission rechnet nach SPIEGEL-Informationen mit einem Antrag in den kommenden Wochen. Die Europäische Zentralbank kündigte an, Staatsanleihen von Euro-Ländern zu kaufen. Dieses Jahr könnte das bis zu 100 Milliarden Euro kosten.

Börse in Madrid: Muss sich das Land externen Kontrollen unterziehen? Zur Großansicht
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Börse in Madrid: Muss sich das Land externen Kontrollen unterziehen?

Hamburg - Die EU-Kommission hält es nach SPIEGEL-Informationen für wahrscheinlich, dass Spanien in den kommenden Wochen einen Antrag beim Euro-Rettungsschirm stellt. Zwar sind die Zinsen für Staatsanleihen des Landes in der vergangenen Woche stark gefallen, weil die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Bereitschaft zu Stützungskäufen erklärt hat. Dies gilt aber nur für Staatsanleihen mit wenigen Jahren Laufzeit. Die Zinsen für spanische Zehnjahresanleihen liegen immer noch bei knapp sechs Prozent. "Wir halten einen Rettungsantrag der Spanier für konsequent", sagt ein Mitglied der EU-Kommission.

Beim ESM könnten die Spanier billiger an Geld kommen als bei privaten Investoren, müssten allerdings auch Kontrollen von EU, EZB und Internationalem Währungsfonds (IWF) über sich ergehen lassen. Immerhin sollen die Bedingungen für die Hilfe nicht ganz so hart sein wie im Falle Griechenlands, weil die spanische Verwaltung als deutlich leistungsfähiger eingeschätzt wird.

Die EZB hatte am Donnerstag ihre Bereitschaft erklärt, unbegrenzt Staatsanleihen aus Euro-Krisenländern aufzukaufen. Vor allem in Deutschland ist das aus Sorge vor steigender Inflation umstritten. Allerdings zeichnet sich mittlerweile ab, dass sich die Belastung aus dem Ankaufsprogramm für Staatsanleihen in Grenzen halten dürfte. Nach SPIEGEL-Informationen kalkulieren die EZB-Notenbanker in einem internen Szenario die Kosten für den Rest des Jahres mit etwa 70 bis 100 Milliarden Euro, sollten die Zinsen für spanische und für italienische Anleihen tatsächlich erneut nach oben schießen.

Dabei wird davon ausgegangen, dass die EZB rund 10 bis 14 Prozent der für das Programm in Frage kommenden Bonds ankauft, um die Zinsen für diese Länder zu stabilisieren. Die EZB darf auch künftig nur Bonds mit einer Restlaufzeit von bis zu drei Jahren erwerben. Voraussetzung für ihr Eingreifen ist, dass die betroffenen Länder sich einem Hilfsprogramm der Rettungsschirme EFSF und ESM mit strengen Auflagen unterwerfen.

Die meisten EZB-Gouverneure verlangen - auch mit Blick auf die Anleihekäufe -, dass der IWF auch künftig bei einem solchen Programm mitmache. IWF-Chefin Christine Lagarde hat bereits Zustimmung signalisiert. Der EZB-Rat arbeitet zudem an klaren Regeln für einen Ausstieg aus den Anleihekäufen, sobald ein Land die Auflagen nicht erfüllt.

Diese Meldung kommt aus dem neuen SPIEGEL. Hier können Sie das Heft ab Sonntag um acht Uhr kaufen.

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insgesamt 72 Beiträge
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1. Ganz schön schlüpfrig
Gerdtrader50 09.09.2012
"Schlüpft Spanien unter den Euro-Rettungsschirm?" Richtig schlüpfrig, diese ganze Rettungsstrolche, Multiwährungsganoven und Zuschusszahler.
2. Was wird mit den 100 Milliarden gemacht?
mischpot 09.09.2012
wo versickert das Geld. Oder werden damit Arbeitsplätze in Spanien geschaffen. Womit haften die Spanischen Banken und Politiker, mit Ihrem guten Namen? Welche Sicherheiten werden von den Spaniern hinterleget, Gold, Diamanten? Wieso besteuern die Spanier nicht Ihre Milliardäre zuerst und lösen Ihr Problem selbst. Siehe Griechenland 261 Milliarden flossen ins Ausland, das hätte die griechische Misere längst gelöst. Oder soll wie in Griechenland, daß Volk für die Korruption und Bereicherung der Superreichen und deren Handlanger die Politiker bluten.
3. "Wir halten einen Rettungsantrag der Spanier für konsequent"
eingedanke 09.09.2012
Zitat von sysopSchlüpft Spanien unter den Euro-Rettungsschirm? Die EU-Kommission rechnet nach SPIEGEL-Informationen mit einem Antrag in den kommenden Wochen. Die Europäische Zentralbank kündigte an, Staatsanleihen von Euro-Ländern zu kaufen. Dieses Jahr könnte das bis zu 100 Milliarden Euro kosten. Euro-Krise: EU erwartet ESM-Hilfsantrag aus Spanien - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,854745,00.html)
Und wieder wird geschlüpft – schlüpfen beschreibt doch eigentlich etwas sehr schönes, das Entstehen von eigenständigem Leben in der Vogelwelt. Mhm…
4. nicht das letzte Land
jan07 09.09.2012
Slowenien und Zypern sind die nächsten Kandidaten. Italien wird bald folgen und Frankreich mittelfristig auch. Aber kein Problem: wir bürgen für alles, das muss und die EU doch wert sein, oder?
5. Euro - Rettungsschirm ???
nickleby 09.09.2012
Sollten die Spanier nicht erst einmal damit anfangen, ihre Milliardärshochburgen - Sotogrande in Andalusien z.B. - zu schleifen, ehe sie den Eurorettungsschirm bestellen. Aber da dort ja neben der Hochfinanz auch die Königsfamilie und Politiker wie Javier ansässig sind, kann man davon ausgehen,dass keine Krähe der anderen ein Auge auskratzt In Sotogrande vagabundieren ca. 15 Milliarden Euros, deren Inhaber unkontrolliert Parzellen ab 3000 qm zu 1 Millionen Euro das Stück kaufen. Nicht der Werftarbeiter in Stralsund soll dafür bezahlen - was er bald nicht mehr kann, sondern die spanische Plutokratie.
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