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30. Dezember 2012, 13:41 Uhr

Umfrage zum Jahreswechsel

Griechen sehen schwarz

Gedrückte Stimmung zum Jahreswechsel: Viele Griechen sehen kaum einen Grund, sich auf das neue Jahr zu freuen. Denn drei Viertel von ihnen glauben, dass es für sie selbst und für ihr überschuldetes Land noch schlimmer kommt. Den Kampf gegen die Steuerhinterziehung halten viele für gescheitert.

Athen - Die meisten Griechen schauen recht mutlos ins nächste Jahr: Knapp 72 Prozent glauben, dass 2013 für sie ein schlimmeres Jahr wird als das ohnehin schon schwierige 2012. 64 Prozent fürchten, dass es dem ganzen Land noch schlechter gehen wird. Griechenland steckt seit Jahren in der Krise. Die Wirtschaft schrumpft dramatisch, die Schulden steigen ebenso wie die Arbeitslosigkeit, das Land ist auf internationale Notkredite angewiesen.

Schlimm ist die Lage vor allem für junge Menschen bis zum Alter von 24 Jahren. In dieser Altersgruppe liegt die Arbeitslosenquote bei 56,6 Prozent. Bei den jungen Frauen sieht es besonders dramatisch aus: 65,4 Prozent von ihnen haben keinen Job. Arbeitslose erhalten in Griechenland bisher nur ein Jahr lang Unterstützung.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte Mitte Dezember vorhergesagt: "Es liegt nach wie vor noch eine schwere Zeit vor uns." Es seien im neuen Jahr sehr kleine Wachstumsraten, in einigen Ländern sogar negatives Wachstum, zu erwarten. "Wir müssen weiter mit sehr, sehr hoher Arbeitslosigkeit rechnen", sagte sie nach einem Gipfeltreffen in Brüssel.

Den Verbleib in der Euro-Zone halten gut drei Viertel der Griechen für das geringere Übel. Nur 16 Prozent befürworten die Rückkehr zur Drachme. Das ergab eine in der Athener Sonntagszeitung "To Vima" veröffentlichte Umfrage zum Jahreswechsel. Das Meinungsforschungsinstitut Kapa Research befragte dafür landesweit 1028 Wähler.

Mehr als zwei Drittel von ihnen hält den Kampf der Athener Regierung gegen die Steuerhinterziehung für gescheitert. Rund 68 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass die amtierende Koalition unter dem konservativen Ministerpräsident Antonis Samaras nicht genug tue, um Steuerbetrüger dingfest zu machen. In Griechenland sind bislang keine hochrangigen Steuersünder vor Gericht gestellt worden. Massive Steuerhinterziehung gilt als einer der Gründe für die schlechte Haushaltslage des Landes.

son/dpa/Reuters

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