Umfrage zum Jahreswechsel: Griechen sehen schwarz

Gedrückte Stimmung zum Jahreswechsel: Viele Griechen sehen kaum einen Grund, sich auf das neue Jahr zu freuen. Denn drei Viertel von ihnen glauben, dass es für sie selbst und für ihr überschuldetes Land noch schlimmer kommt. Den Kampf gegen die Steuerhinterziehung halten viele für gescheitert.

Lottoscheinverkäufer in Athen: Verbleib in der Euro-Zone das geringere Übel? Zur Großansicht
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Lottoscheinverkäufer in Athen: Verbleib in der Euro-Zone das geringere Übel?

Athen - Die meisten Griechen schauen recht mutlos ins nächste Jahr: Knapp 72 Prozent glauben, dass 2013 für sie ein schlimmeres Jahr wird als das ohnehin schon schwierige 2012. 64 Prozent fürchten, dass es dem ganzen Land noch schlechter gehen wird. Griechenland steckt seit Jahren in der Krise. Die Wirtschaft schrumpft dramatisch, die Schulden steigen ebenso wie die Arbeitslosigkeit, das Land ist auf internationale Notkredite angewiesen.

Schlimm ist die Lage vor allem für junge Menschen bis zum Alter von 24 Jahren. In dieser Altersgruppe liegt die Arbeitslosenquote bei 56,6 Prozent. Bei den jungen Frauen sieht es besonders dramatisch aus: 65,4 Prozent von ihnen haben keinen Job. Arbeitslose erhalten in Griechenland bisher nur ein Jahr lang Unterstützung.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte Mitte Dezember vorhergesagt: "Es liegt nach wie vor noch eine schwere Zeit vor uns." Es seien im neuen Jahr sehr kleine Wachstumsraten, in einigen Ländern sogar negatives Wachstum, zu erwarten. "Wir müssen weiter mit sehr, sehr hoher Arbeitslosigkeit rechnen", sagte sie nach einem Gipfeltreffen in Brüssel.

Den Verbleib in der Euro-Zone halten gut drei Viertel der Griechen für das geringere Übel. Nur 16 Prozent befürworten die Rückkehr zur Drachme. Das ergab eine in der Athener Sonntagszeitung "To Vima" veröffentlichte Umfrage zum Jahreswechsel. Das Meinungsforschungsinstitut Kapa Research befragte dafür landesweit 1028 Wähler.

Mehr als zwei Drittel von ihnen hält den Kampf der Athener Regierung gegen die Steuerhinterziehung für gescheitert. Rund 68 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass die amtierende Koalition unter dem konservativen Ministerpräsident Antonis Samaras nicht genug tue, um Steuerbetrüger dingfest zu machen. In Griechenland sind bislang keine hochrangigen Steuersünder vor Gericht gestellt worden. Massive Steuerhinterziehung gilt als einer der Gründe für die schlechte Haushaltslage des Landes.

son/dpa/Reuters

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insgesamt 43 Beiträge
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1. Wer ist denn bereit....
john_daniels 30.12.2012
ein Land zu unterstützen, dass sich mit gefälschten Bilanzen in die EU mogelte, bis heute "Behörden" und " Forschungsprojekte" unterhält, die nur auf dem Papier existieren und in dem selbst führende Politiker bis heute Steuerbetrug begehen ? Das kann man doch nicht ignorieren. Na gut.....unsere Bundesregierung tut das schon - aber die Wirtschaft natürlich nicht. :-)
2. Griechenland ist...
jaguaros 30.12.2012
...definitiv pleite und nur wenn man das ganze Geld abschreibt kann es geretet werden. Die Verluste musste in Kauf genommen werden. Staendig Geld auf Raten pumpem bringt nichts den die Zinsen sind gewaltig und frueher oder spaeter wird es so oder so zu einem traurigem Ende kommen. Auch bei einem ueberschuldetem Buerger funktioniert es nicht wenn man ihm staendig mit neuem und frischem Geld umschuldet den die Schulden bleiben weiterhin bestehen. Eine spannende Frage waere wenn ein Buerger die gleichen Rechte verlangt wie fuer GR. Nein, in seinem Fall macht die Bank den Schutzschirm zu und zwingt ihm ein Privatbankrott anzumelden. Warum gilt es nicht im Fall de GR?????
3.
GuidoHülsmannFan 30.12.2012
"Nur 16 Prozent befürworten die Rückkehr zur Drachme." Dann aber auch bitte die Zahlen hier nennen: ca. 80 % der Deutschen befürwortet, dass GR aus dem Euroraum ausscheidet. 2 Schlussfolgerungen: Demokratiedefizit in Europa. Und Spaltung des Kontinents durch die Währung. Weitermachen mit Euro, dann scheitert Europa.
4.
schlob 30.12.2012
Zitat von GuidoHülsmannFan"Nur 16 Prozent befürworten die Rückkehr zur Drachme." Dann aber auch bitte die Zahlen hier nennen: ca. 80 % der Deutschen befürwortet, dass GR aus dem Euroraum ausscheidet. 2 Schlussfolgerungen: Demokratiedefizit in Europa. Und Spaltung des Kontinents durch die Währung. Weitermachen mit Euro, dann scheitert Europa.
als denkender mensch kann man sich schwer damit anfreunden,dass es gut für eine volkswirtschaft sein soll,wenn 20- 30 % der leute arbeitslos rumsitzen
5. Die Rückkehr zur Drachme ist die einzige Möglichkeit
iffel1 30.12.2012
die Konjunktur durch EU-Nachfrage anzuheizen. Die Griechen selber können das nicht. Wenn dann noch pünktlich alle Steuern eingetrieben werden, steht der Gesundung Griechenlands nichts mehr im Weg.
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Fotostrecke
Griechenland: Flüchtlinge in Not

Fläche: 131.957 km²

Bevölkerung: 11,305 Mio.

Hauptstadt: Athen

Staatsoberhaupt:
Karolos Papoulias

Regierungschef: Antonis Samaras

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