Euro-Krise Griechenland braucht noch radikaleren Schuldenschnitt

Griechenland ist ohne einen radikalen Forderungsverzicht aller Gläubiger nicht zu retten - das haben Ökonomen für den SPIEGEL berechnet. Falls die Zinsen nicht dramatisch sinken, hat das Land nur mit einem Schuldenschnitt von über 80 Prozent eine Chance. Auch für Portugal sieht es düster aus.

Griechische Zentralbank: Schwerer Weg aus der Schuldenspirale
REUTERS

Griechische Zentralbank: Schwerer Weg aus der Schuldenspirale


Hamburg - Er wurde schon nach oben korrigiert, der geplante Schuldenschnitt für Griechenland. Statt den ursprünglich angepeilten 50 Prozent sollen Gläubiger nun offenbar 65 bis 70 Prozent ihrer Forderungen aufgeben.

Doch selbst wenn die privaten Gläubiger Griechenlands auf bis zu 70 Prozent ihrer Forderungen verzichten sollten, dürfte dies dem Land kaum noch helfen. Zu diesem Ergebnis kommen im SPIEGEL Forscher um den Ökonomen Henning Klodt vom Kieler Institut für Weltwirtschaft.

Blieben die Marktzinsen auf dem aktuellen Niveau, so die Experten, müssten Griechenland mehr als 80 Prozent seiner gesamten Verbindlichkeiten erlassen werden, damit es der Schuldenspirale entkommen kann. Das bedeutet: Außer den privaten Gläubigern wären auch die Europäische Zentralbank und die Euro-Länder gefordert.

Die Kieler Ökonomen haben für jedes Euro-Land berechnet, um welchen Betrag die Einnahmen im Haushalt die Ausgaben übertreffen müssen, damit der Finanzminister die Zinsen dauerhaft bezahlen kann. Die Idee dahinter: Nur wenn ein Staat keine neuen Schulden machen muss, um die Zinsen für bestehende Verbindlichkeiten zu bezahlen, sind seine Finanzen langfristig tragfähig.

Für das Gros der Mitglieder der Währungsunion gibt Studienleiter Klodt Entwarnung - selbst für Frankreich, das seine Top-Bonität verloren hat. "Die Bewertung durch die Märkte ist viel schlechter als die tatsächliche Haushaltslage." Das gelte auch für Spanien. "Wenn die Zinsen nicht weiter steigen und das Wachstum zurückkehrt, bekommt es seine Verschuldung bald in den Griff."

"Bei bestem Willen utopisch"

Allerdings zeigen die Berechnungen, wie aussichtslos die Reformbemühungen in einem Teil der extrem verschuldeten Länder sind. Zieht das Wachstum etwa in Italien nicht deutlich an, machen die hohen Zinsen eine Haushaltssanierung nahezu unmöglich. Zur Stabilisierung der Schuldenquote müsste der Finanzminister einen jährlichen Haushaltsüberschuss in Höhe von fast sechs Prozent des Bruttoinlandsproduktes erzielen.

"Das ist selbst bei bestem Willen utopisch", sagte Klodt dem SPIEGEL. Noch pessimistischer ist die Prognose für Portugal: Sinken die Marktzinsen nicht deutlich, zeigen die Berechnungen, dass die Investoren dem Land in diesem Fall mehr als die Hälfte seiner Schulden erlassen müssten, damit es eine Chance auf stabile Staatsfinanzen hat.

Vertreter der griechischen Regierung und ihrer Gläubiger feilschen seit Monaten über den Schuldenschnitt. Trotz positiver Signale ist bislang unklar, ob sie wie geplant bis Montag eine Einigung erzielen. Der Chefunterhändler des Internationalen Bankenverbandes IIF, Charles Dallara, reiste am Samstag aus Athen ab.

Wegen der weiterhin hohen Finanzierungskosten für viele Euro-Länder mehren sich Forderungen nach einer Stärkung des dauerhaften Rettungsschirms ESM. Nach SPIEGEL-Informationen wirbt der italienische Premier Mario Monti dafür, das Volumen des ESM von 500 Milliarden auf eine Billion Euro zu erhöhen. Dies würde Vertrauen in die Währungsunion schaffen und die Zinsen für Staatsanleihen sinken lassen, argumentiert Monti.

dab

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insgesamt 142 Beiträge
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stanislaus2 22.01.2012
1. Grins
Genau das stand hier im Forum bereits im Oktober 2009, als es das erste Mal hochkochte, dass Griechenland pleite ist. Aber offenbar müssen "Forscher" oder besser Wirtschaftssachverständige in Deutschland erst bei der Regierung nachfragen, ob sie forschen dürfen und was rauskommen darf. Und das dauert eben bei der Frau Merkel einige zeit, weil die überhaupt keine Ahnung von Ökonomie hat und überdies Entscheidungen im Trippelschritt bevorzugt.
almabu 22.01.2012
2. Der ‘haircut‘ wird eine Glatze sein müssen!
Das heisst Griechenland wird keine Schulden zurückzahlen. Der Nachlass wird 100 Prozent betragen. Weiteres Geld wird nachgeschossen werden müssen! Das ist die traurige Wahrheit. Vielleicht sagt ja mal einer der Politiker ausnahmsweise die Wahrheit, wie wär's?
RosaHasi 22.01.2012
3. ,
und schulden + zins sind versklavung. aber ihre propaganda haben sie schon oft genug geposted. zeit sich ein neues forum zu suchen
kimba2010 22.01.2012
4. ...
Selbst wenn der Schnitt 100% beträgt, wird Griechenland mit dem Euro nie mehr auf die Beine kommen, sondern das ganze Trauerspiel geht wieder von vorne los! Die griechische Wirtschaft ist mit dem Euro weder überlebens- noch konkurrenzfähig. Griechenland und andere Siesta-Länder müssen raus aus dem Euro. Oder besser noch, Deutschland steigt endlich aus.
baumuster 22.01.2012
5.
Griechenland hat ein freundliches Sommergesicht für die Touristen. Hinter den Kulissen sieht es zum Teil aber anders aus: Müllkippen unter freiem Himmel, kein funktionierendes Steuersystem, kein funktionierendes Einwohnermeldeamt, unklare Eigentumsverhältnisse - kein Katastersystem, Tierelend, hohe Arbeitslosigkeit usw. In einigen elementaren Bereichen also nichts anderes als ein Dritte Welt Land. Wer kennt ausser Feta-Käse und Olivenöl eigentlich noch andere nennenswerten Produkte aus Griechenland? Und jetzt soll es darum gehen, dass Griechenland ausreichend Geld zur Verfügung steht. Wer will dafür denn persönlich haften? Niemand, vor allem nicht die Politiker. Vor allem die CDU wird nun Entscheidungen treffen, die die (finanzielle) Zukunft von Deutschland betreffen. Und das sollte der Bürger ihr nicht mehr vergessen.
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