Euro-Krise Griechenlands Wirtschaft schrumpft rasant

Die Wirtschaftsleistung Griechenlands ist im zweiten Quartal abgesackt: Um 7,3 Prozent ging das Bruttoinlandsprodukt im Vergleich zum Vorjahr zurück. Einen Rauswurf aus der Euro-Zone muss das Land jedoch nicht fürchten, erklärte die EU-Kommission.

Griechin beim Einkaufen: Die Arbeitslosigkeit liegt bei 16 Prozent
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Griechin beim Einkaufen: Die Arbeitslosigkeit liegt bei 16 Prozent


Athen - Keine Besserung in Sicht: Die Wirtschaftsleistung Griechenlands ist im zweiten Quartal drastisch eingebrochen. Der Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) fiel noch höher aus als erwartet. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sackte es um 7,3 Prozent ab, teilte das griechische Statistikamt mit. Fachleute hatten das Minus bisher auf 6,9 Prozent geschätzt.

Sie revidierten zudem ihre Zahl für das erste Quartal nach unten. Demnach schrumpfte die griechische Wirtschaft im Zeitraum von Januar bis März im Vorjahresvergleich um 8,1 Prozent.

Zumindest auf dem griechischen Arbeitsmarkt gibt es vorsichtige Erleichterung: Die Arbeitslosigkeit ging leicht auf 16 Prozent zurück und liegt damit nicht mehr auf einem Rekordhoch. Im Mai hatte die Quote noch bei 16,6 Prozent gelegen. Auf Jahresbasis stieg die Quote allerdings beträchtlich von 11,6 Prozent im Juni 2010. Die Arbeitslosenquote wird in Griechenland nicht saisonbereinigt angegeben. Die Statistiker erklärten die Entwicklung im Juni damit, dass die Beschäftigung in der Tourismus-Branche zugenommen habe. Sie habe den Stellenabbau in der gesamten Wirtschaft mehr als kompensieren können.

Einen Rauswurf aus der Euro-Zone muss Griechenland indes nicht fürchten: Entsprechenden Forderungen erteilte die EU-Kommission eine klare Absage. "Es ist laut Lissabonner Vertrag weder ein Austritt noch ein Rauswurf möglich", erklärte ein Sprecher von EU-Währungskommissar Olli Rehn in Brüssel. Und es gebe auch "keinerlei Diskussion über eine solche Eventualität". Der Beitritt zur Euro-Zone sei "unumkehrbar".

Den Druck auf Griechenland hält Brüssel aber aufrecht. In der kommenden Woche soll ein Team aus Vertretern von EU, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds nach Athen zurückkehren, um eine Überprüfung der griechischen Sparbemühungen fortzuführen. Ein Automatismus, wonach Griechenland ein Recht auf die Auszahlung weitere Hilfen habe, gebe es nicht, betonte der Sprecher. Die Zahlung der Gelder sei an strikte Vorgaben geknüpft: "Es ist nicht möglich, Gelder auszuzahlen, wenn die Bedingungen nicht erfüllt sind."

kra/AFP/dapd/Reuters



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insgesamt 82 Beiträge
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Fuinlhach, 08.09.2011
1. Willkommen in der Sklaverei
Natürlich schrumpft die griechische Wirtschaft rasant. Es wird sich zeigen, dass die Wirtschaft nicht nur in Griechenland rasant schrumpft sondern überall dort, wo 'gespart' werden muss. Überall dort, wo mehr Geld in Finanztiteln versackt als neu in den realen Wirtschaftskreis reinkommt. Kein Konsum = keine Wirtschaft. Böser, böser, böser Konsum böser.
Umbriel 08.09.2011
2. der deutsche Futternapf
also, jetzt langt es. Deutschland, EU & Co. haben schon seit den 80er Jahren ständig direkt und indirekt viel für die Modernisierung Griechenlands getan. Weite Teile des Landes waren noch Anfang der 70er Jahre auf reinem Agrarstaatsniveau ohne Zugang zur modernen Welt. Königtum, Diktatur, das ist lang Geschichte. Der Geldsegen hat aber offenbar einen Scheinstaat geschaffen, der einen Großteil der Wirtschaft und Bürger vom deutschen Futternapf abhängig macht.
Anhaltiner 08.09.2011
3. Oder Schrumpfte?
Q1 schrumpfte um 8,1 (ggü Q1/2010) Jetzt reden wir über -7,3 ggü Q2/2010 Frage ist die Wirtschaftsleistung nicht vielleicht doch ggü Q1/2011 getiegen? (auch wenn der Abbau minimal ist) hat die Lybienkriese und der arabische Frühling den Griechen beim Touismus genutzt oder waren es doch unsere Hilfen?
bmehrens 08.09.2011
4. Kein Problem
Kein Grund zur Sorge, die Wirtschaft im 2. Q. dieses Jahres ist nicht geschrumpft, denn die vergleichbare Vorjahreszahl der Gr ist einfach nur um +7% gefälscht - bis auf Brüssel weiss das die ganze EU.
bleifuß 08.09.2011
5. ...
Irgendwann wenn die Banken sich komplett gerettet haben, wird man zu der Erkenntnis kommen, daß es so nicht weiter geht. Also an alle Steuerzahler, macht schon mal die Taschen leer, bald ist Zahltag.
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