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11. Juli 2011, 14:55 Uhr

Euro-Krise

Merkel drängt Italien zu Sparkurs

Europa bangt um Italien, Investoren nehmen die drittgrößte Euro-Volkswirtschaft ins Visier. Von einem Hilfspaket für das Land hält Bundeskanzlerin Merkel wenig. Stattdessen soll die Regierung von Silvio Berlusconi massiv sparen.

Berlin - Der Appell war deutlich: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat Italien am Montag aufgefordert, schnell einen Sparhaushalt zu verabschieden. Damit müsse das Land ein wichtiges Signal geben, sagte sie in Berlin. "Ich habe festes Vertrauen, dass Italien genau einen solchen Haushalt verabschieden wird." Auch habe sie am Sonntag mit Ministerpräsident Silvio Berlusconi telefoniert.

Zugleich zeigte sich Merkel skeptisch gegenüber Forderungen, mit neuen Rettungsmechanismen auf die verschärfte Euro-Krise zu reagieren. Es sei zunächst an Italien selbst, einen auf Sparsamkeit ausgelegten Haushalt zu verabschieden, sagte die Bundeskanzlerin. Alle Euro-Länder seien aber "fest entschlossen", die Stabilität der Gemeinschaftswährung zu verteidigen.

Wegen seiner hohen Schulden ist Italien in den vergangenen Tagen an den Finanzmärkten unter Druck geraten. Die Risikoaufschläge für zehnjährige Staatsanleihen erreichten den höchsten Stand seit Bestehen der Euro-Zone. Mit Verbindlichkeiten in Höhe von 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts wird Italien innerhalb der Euro-Zone nur von Griechenland übertroffen.

Hinter der verschärften Situation stecken nach Informationen der "Financial Times" auch große US-Hedgefonds. Diese wetteten mit hohen Summen auf einen Wertverfall italienischer Staatsanleihen und hätten ihre Leerverkäufe auf die Papiere erheblich ausgeweitet, berichtete die Zeitung.

Für Skepsis bei den Anlegern sorgt auch die Gefahr einer politischen Blockade: Angeblich könnte Berlusconi versuchen, seinen Finanzminister Giulio Tremonti zu entmachten. Dieser gilt bislang als Garant für einen harten Sparkurs.

Angesichts der dramatischen Lage forderte Merkel auch eine rasche Entscheidung der EU über ein neues Hilfspaket für Griechenland. Athen müsse sehr schnell ein neues Programm bekommen. Am Montag treffen sich die Euro-Finanzminister in Brüssel, um ein letztes Mal vor der Sommerpause über die brisante Lage in der Währungsunion zu beraten.

Unicredit-Aktien fallen weiter

Allerdings rückt jetzt auch Italien auf die Krisen-Agenda. Die italienische Börsenaufsicht Consob reagierte auf den Kurssturz, indem sie die Vorschriften für Leerverkäufe verschärfte. Angesicht der "derzeitigen Schwankungen" sollten die neuen Regeln die Kontrollmöglichkeiten verstärken, teilte die Aufsichtsbehörde am Sonntagabend mit. Die neuen Regeln traten am Montagmorgen in Kraft und gelten zunächst bis zum 9. September. Sie verpflichten Händler, der Consob Geschäfte zu melden, die in größerem Umfang auf fallende Kurse italienischer Aktien wetten.

Die Anleger am Aktienmarkt zeigten sich ebenfalls höchst nervös: Papiere der Großbank Unicredit , die in der vergangenen Woche bereits 20 Prozent verloren hatten, gaben bis zum frühen Montagnachmittag erneut um fast acht Prozent nach. Auch der Kurs des Euro wurde durch die Ereignisse in Italien deutlich belastet: Mit einem Minus von gut 0,8 Prozent durchbrach er die Marke von 1,42 Dollar. Noch vor wenigen Tagen war ein Euro mit mehr als 1,45 Dollar gehandelt worden.

"Die Sorgen um Italien schüren die Angst vor einer Eskalation der Schuldenkrise in der Euro-Zone", sagte Ulrich Wortberg, Devisenexperte bei der Landesbank Hessen-Thüringen. Verstärkt wurde die Unsicherheit durch Berichte, laut denen die Europäische Zentralbank (EZB) eine Verdopplung des Rettungsschirms EFSF fordert. "Es ist Wahnsinn: Man muss den Eindruck bekommen, dass die Schuldenkrise in der Euro-Zone vollkommen außer Kontrolle gerät", kommentierte ein Händler eine mögliche Aufstockung des Euro-Rettungsschirms auf dann 1,5 Billionen Euro.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) zeigte sich mit Blick auf Italien jedoch zuversichtlich. Auf die Frage, ob das Land der nächste Problemfall werde, sagte Schäuble vor dem Treffen der Euro-Finanzminister: "Nein, das glaube ich überhaupt nicht." Italien habe einen überzeugenden Haushaltsentwurf vorgelegt. "Und ich habe keinen Zweifel, dass Italien die richtigen Entscheidungen trifft." Gerüchte über eine Verdoppelung des Rettungsschirms wegen der Haushaltsprobleme in Italien hätten nichts mit der Realität zu tun.

dab/dpa/dpa-AFX/Reuters/dapd

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