Reaktion auf Euro-Krise: China senkt Leitzins erstmals seit 2008

Konjunkturimpuls von den chinesischen Währungshütern: Die Notenbank in Peking hat erstmals seit vier Jahren wieder den Leitzins gesenkt - und will so das Wachstum im Land ankurbeln. Anleger reagierten begeistert, der Dax legte zeitweise deutlich zu.

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Chinesische Yuan: Chinas Notenbank reagiert auf die Schuldenkrise

Peking - Chinas Notenbank reagiert auf die Schuldenkrise in Europa und den USA. Erstmals seit 2008 senkte die Zentralbank wieder ihre Leitzinsen. Der Schlüsselzins wurde um einen Viertelprozentpunkt auf 6,31 Prozent gekappt. Auch der Einlagezins, zu dem Banken Geld bei der Notenbank parken können, wurde um 0,25 auf 3,25 Prozent gesenkt. Die Zinssenkung wird ab Freitag wirksam.

Das Wachstum der zweitgrößten Wirtschaftsnation der Welt hatte sich im ersten Quartal mit 8,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum überraschend stark abgebremst. Es war der niedrigste Anstieg seit fast drei Jahren. Wegen der Schuldenkrise in Europa waren die Exporte stark zurückgegangen, so dass die Konjunkturdaten vergleichsweise schlecht ausfielen.

Die Anleger reagierten erleichtert auf den Konjunkturimpuls der Notenbank der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt. Der Dax legte zeitweise 1,2 Prozent zu, der Euro stieg auf ein Tageshoch von 1,26 Dollar.

Die Zinssenkung sei ein geeignetes Mittel, um die Konjunktur wieder anzuschieben, sagte Ökonom Christian Schulz von der Berenberg Bank. "Die chinesische Wirtschaft wird nach einem schwachen Sommer wieder schneller wachsen." Weitere Schwellenländer könnten mit Zinssenkungen nachziehen. Auch Analyst Keith Bowman von Hargreaves Lansdown lobte, dass China vorangehe: "Das ist zwar keine massive Senkung, aber sie hilft und signalisiert, dass die Notenbanken bereitstehen, bei Bedarf die Wirtschaft zu stützen."

Bernanke tritt vor US-Kongress auf

Es gibt aber auch kritische Stimmen. Ein Händler sagte, einige Marktteilnehmer würden die Zinssenkung als falschen Schritt interpretieren. Die Krise habe China nun auch ganz offiziell erfasst. Grundsätzlich überrasche die Zinssenkung nicht, nur der Zeitpunkt sei unklar gewesen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte am Mittwoch darauf verzichtet, den Leitzins weiter zu senken - trotz Drängen von Politikern und Experten. Die Notenbanker um EZB-Präsident Mario Draghi fürchten, ein stärkeres Eingreifen könne den Spardruck von den Regierungen nehmen.

In den USA tritt am Nachmittag der Präsident der Notenbank Ben Bernanke vor dem Wirtschaftsausschuss des US-Kongresses auf. Börsianer erhoffen sich davon Hinweise darauf, ob die Fed Maßnahmen zur geldpolitischen Lockerung plant. Angeheizt hatte die Spekulationen die stellvertretende Chefin der US-Notenbank, Janet Yellen, die die jüngsten US-Konjunkturdaten als "ziemlich enttäuschend" bezeichnet und weitere Maßnahmen der Fed zur Ankurbelung der Wirtschaft in Aussicht gestellt hatte.

cte/Reuters

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