Schuldenkrise: Rating-Agentur stuft Zypern herab

Zypern braucht Hilfskredite in Milliardenhöhe, sonst droht dem Land die Pleite. Doch die Retter streiten über einen möglichen Schuldenschnitt. Euro-Gruppenchef Juncker lehnt einen entsprechenden Plan des IWF ab. Die Rating-Agentur S&P senkte Zyperns Kreditwürdigkeit um zwei Stufen.

New York - Die Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) hat Zyperns Kreditwürdigkeit erneut herabgestuft. In der Nacht auf Freitag senkte die Agentur die Bonitätsnote für das Euro-Land um zwei Stufen auf "CCC+". Der Ausblick wurde mit "negativ" angegeben, das heißt, es drohen weitere Herabstufungen.

Als Grund für die schlechtere Bewertung verwies S&P auf die schleppenden Verhandlungen mit den Euro-Partnern und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) über die Details eines Hilfsprogramms. Zypern ist aufgrund seines starken Engagements bei griechischen Banken in den Strudel der Griechenlandkrise geraten und steckt in einer Rezession. Im Sommer hatte das Land beim Euro-Rettungsschirm ESM Notkredite in Höhe von 17,5 Milliarden Euro beantragt. Davon dürften mehr als zehn Milliarden Euro in den relativ großen Bankensektor des Landes fließen. Eine abschließende Einigung über die Gewährung der Hilfskredite steht aber noch aus.

Der IWF drängt auf eine Beteiligung privater Investoren. Auch deutsche Politiker brachten einen solchen Forderungsverzicht ins Gespräch. Zypern wies Spekulationen über einen Schuldenschnitt dagegen zurück.

Auch Euro-Gruppenchef Jean-Claude Juncker sprach sich dagegen aus. "Ich möchte das meinerseits auch ausschließen", sagte Juncker im Deutschlandfunk. Es sei ungesund, darüber zu spekulieren. Griechenland sei eine Ausnahme gewesen, ergänzte Juncker. "Wir haben nicht gesagt alle griechischsprachigen Länder, wir haben gesagt Griechenland."

Der Fall Zypern zeigt jedoch ein grundlegendes Problem der Euro-Retter: Von dem Geld profitieren häufig die Falschen. Bei Zypern würde es zumindest teilweise an dubiose russische Oligarchen gehen. Auch deshalb fand der Vorschlag des IWF am Donnerstag einige Unterstützung. Finanzpolitiker von SPD und Grünen sprachen sich dafür aus, die privaten Gläubiger zu beteiligen. Auch der Bankenverband, der sich im Falle Griechenlands noch klar als Gegner von Schuldenschnitten positioniert hatte, hält eine solche Lösung im Falle Zyperns für denkbar.

Juncker gab zu, dass es schwierig sei, dem Steuerzahler zu erklären, dass ein weiteres Land gerettet werden müsse. Dies sei bei keinem Programm einfach gewesen, bei Zypern sei es aber noch schwieriger. Zur Lage insgesamt sagte Juncker, dass er noch kein Ende der Krise sehe. Aber der Gipfel sei überschritten, so der Luxemburger Regierungschef.

cte/Reuters

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 38 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Zypern auf Ramschniveau
Pandora0611 21.12.2012
Zitat von sysopZypern braucht Hilfskredite in Milliardenhöhe, sonst droht dem Land die Pleite.
Wir müssen russisches Schwarzgeld reten, das ist *"altarnativlos"!* Und wenn der IWF außen vor bleibt, so what? Wir sind es Zypern schuldig zu zahlen! Und wir zahlen gerne! Sonst sind wir wieder die *"bösen NAZIS"* Und das zieht immer. [quote]Der Fall Zypern zeigt ein grundlegendes Problem der Euro-Retter: Von dem Geld profitieren häufig die Falschen. Bei Zypern würde es zumindest teilweise an dubiose russischen Oligarchen gehen. Zypern ist doch "systemrelevant"! Wenn Zypern fällt, kommt es zu einem "Domonoeffekt"! UND: "Scheitert der Euro, dann scheitert Europa!" ALSO müssen wir die "Steueroase Zypern" retten!
2. schockierte Schülerstimme:
cosiimo 21.12.2012
Schon das nächste Land verfällt einem System welches langwierige negative Konsequenzen für alle Beteiligten hat und somit jeglichen Wachstum hemmt. Wie kann das sein? Überall höre ich die stimmen der Unzufriedenheit und dennoch wird dieses System in endeffekt dadurch unterstützt, dass kaum einer sich zu wehr setzt. Mich als Schüler, welcher langsam begreift das er in einer Welt aufwachächst welche von System relevanten Unternehmen regiert wird, schockiert dies sehr.
3. Das hat irgendwie das Gefühl eines Anticlimax...
joG 21.12.2012
....lässt aber mit Argwohn an die Qualität der Lösung euroländer Probleme denken. Was ist ein System Wert, das ein so kleines Problem aufkochen lässt?
4. Es muss heissen
papayu 21.12.2012
immer, nicht haeufig, die Falschen!! Es ist doch ueberall so!! Zuallererst werden die "Schulden" in GR vielleicht beglichen, denn die haben es bitter noetig. Und die untere Schicht der Bevoelkerung sieht davon nichts. Das stelle ich mir so vor! Zypern hat kein Geld mehr, also kann es NICHTS mehr importieren! Die Exportlaender u.a. Deutschland bleiben auf ihren Waren sitzen, es kommt zum Rueckstau!! Da gibt es dann z.B. eine Autoschlange von Emden bis nach Wolfsburg, ja die Baender muessen gestoppt werden. UND DANN?? Hinten raus, wie bei ALDI und Co geht nicht! Oder die letzten Schiffe werden nicht mehr geloescht im Bestimmungshafen, weil da kein Platz mehr ist. Die Schifffahrt kommt zum Erliegen, die Leercontainer kommen nicht wieder zurueck usw usw. Vor Jahren erschien einmal ein Buch, DIE GEKAUFTE REPUBLIK! Wie wahr, wie wahr. Heute ist es schon DIE VERKAUFTE REPUBLIK!!
5. Schuldenschnitt ist doch so einfach
Crossi71 21.12.2012
Einfach einen 80%igen Schuldenschnitt und dann trifft es auf jeden Fall die Richtigen! Spekulation muss weh tun! Wenn durch diesen Schuldenschnitt wieder welche in Schieflage geraten, dann gibt es auch bei diesen einen Schuldenschnitt. Man muss einfach mal so lange Beschneiden, bis die Geldmenge wieder der realen Wirtschaft entspricht. Weg mit diesen Luftblasen. Und zu Zypern muss man noch sagen, wer sich als Steuerparadies (Heuschrecke) aufspielt, muss ich nicht wundern wenn man zertreten wird.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Staat & Soziales
RSS
alles zum Thema Zypern
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 38 Kommentare
  • Zur Startseite

Fläche: 9251 km²

Bevölkerung: 840.407

Hauptstadt: Nikosia (Lefkosa)

Staats- und Regierungschef: Nicos Anastasiades

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Lexikon | Zypern-Reiseseite