Euro-Krise Rating-Riese stuft Portugal auf Ramschniveau

Es ist ein neuer Schock für die Euro-Zone: Während Frankreich und Deutschland um die Einführung von Euro-Bonds ringen, stuft die Rating-Agentur Fitch die Kreditwürdigkeit des Krisenlands Portugal herunter. Dessen Anleihen gelten nun als spekulative Anlage.

Fitch-Gebäude in New York: Die Agentur zählt zu den drei großen Unternehmen der Branche
DPA

Fitch-Gebäude in New York: Die Agentur zählt zu den drei großen Unternehmen der Branche


Lissabon - Die Rating-Agentur Fitch hat die Kreditwürdigkeit Portugals herabgestuft. Die Note des Landes sinke von "BBB-" auf "BB+", teilte Fitch am Donnerstag mit. Durch die Verschlechterung der Note rutscht das Land auf sogenanntes Ramschniveau. So werden in der Finanzbranche Rating-Noten unterhalb des "BBB"-Status genannt. Sie signalisieren Investoren, dass die entsprechende Anlage spekulativ, ihr Kauf also mit hohen Risiken verbunden ist.

Die Rating-Agentur Moody's hatte die Bonität Portugals bereits im Sommer auf Ramschstatus gesenkt. Damit ist Standard & Poor's (S&P) die letzte der drei großen Agenturen, die portugiesische Staatsanleihen noch nicht als spekulative Anlage bewertet.

Der Ausblick für das Rating sei negativ, teilte Fitch mit. Damit ist eine weitere Herabstufung in absehbarer Zeit möglich. Die Rating-Agentur begründete ihren Schritt mit den großen Ungleichgewichten im Haushalt, der hohen Verschuldung über alle Sektoren hinweg sowie einem ungünstigen konjunkturellen Ausblick. Fitch rechnet damit, dass die portugiesische Wirtschaft nächstes Jahr um drei Prozent schrumpft.

Die Staatsverschuldung Portugals dürfte laut Fitch bis Ende 2011 auf rund 110 Prozent der Wirtschaftsleistung steigen. Zugleich erwarten die Bonitätswächter, dass die portugiesische Wirtschaft im kommenden Jahr um drei Prozent schrumpfen wird. Angestoßene Reformen dürften sich nur langfristig auswirken. Außerdem dürfte die angestrebte Konsolidierung der Staatsfinanzen durch die Wachstumsrisiken erschwert werden.

Portugal hat sich wie Irland schon vor längerer Zeit unter den europäischen Rettungsschirm EFSF begeben. Der jüngste Schritt von Fitch hat damit keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Kassenlage Portugals. Da das Land Hilfsgelder erhält, ist es zurzeit nicht darauf angewiesen, sich Geld am Kapitalmarkt zu leihen.

Trotzdem kommt die Herabstufung zu einem problematischen Zeitpunkt. Die Investoren an den Finanzmärkten sind nervös. Die Spannungen in der Euro-Zone haben in den vergangenen Tagen noch einmal zugenommen. Am Mittwoch hatte Fitch auch Frankreich vor einer Herabstufung gewarnt. Anders als Portugal wird die zweitgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone bisher allerdings noch mit der Bestnote AAA bewertet.

An Donnerstagmittag treffen sich Bundeskanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy und Italiens Regierungschef Mario Monti zu einem Krisengipfel in Straßburg. Dabei soll es auch um die mögliche Einführung von europäischen Gemeinschaftsanleihen, sogenannter Euro-Bonds, gehen.

stk/dpa/Reuters

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insgesamt 112 Beiträge
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Gerüchtsvollzieher 24.11.2011
1. Ich möchte gerne wetten...
wann Deutschland sein Top-Rating verliert, ich weiss aber nicht, wo solche Wetten angenommen werden und in welcher Währung (Euro? Dollar? Pound Sterling? Renminbi? Rubel?) Kann mir hier jemand helfen?
mrvol 24.11.2011
2. Leichenfledderer
Langsam is es langweilig.. da will wieder ein Hedgefon bzw. Groß bank mit CDS - Geschäfften bisl Geld verdienen. Die Prozentuale verschuldung von Portugal am BIP ist bei weitem nicht so hoch wie das der USA... Aber is ja auch egal weil diese Ratings mittlerweile frei erfunden sind, je nachdem wie ein Hedgefond es braucht um durch CDS - Handel geld zu verdienen !! ... Die raffen es einfach nicht das sie somit alles kaputt machen und es hinterher für keinen mehr Geld zu verdienen gibt.. dann können die Ackermanns dieser Welt sich überlegen wen sie dann "bestehlen" !!... aber warscheinlich gibts bal bis auf China keinen wirtschaftsraum mehr mit stabilien verhältnissen wo das noch geht ...
georghermann9 24.11.2011
3. The writing is on the wall
Und diesen Ramsch hat die B`regierung zu Lasten des Steuerzahlers verbürgt! Hoffentlich werden D und F wach, bevor es weiter bergab geht.
mattotaupa 24.11.2011
4. na und
Zitat von sysopEs ist ein neuer Schock für die Euro-Zone: Während Frankreich und Deutschland um die Einführung von Euro-Bonds ringen, stuft die Rating-Agentur Fitch die Kreditwürdigkeit des Krisenlandes Portugal herunter. Dessen Anleihen gelten nun als spekulative Anlage. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,799711,00.html
Wen interessiert das noch, was Dödelfitch und andere Blödmoppse verkünden?
mimas101 24.11.2011
5. Kein Wunder
das dann Barosso und diese brüsseler EWG-Maschinerie unbedingt diese ECU-Bonds brauchen, man muß sich halt irgendwie über Wasser halten. Und damit ist dann der Vergesellschaftung der Schulden zu Lasten insbes. Dtlds. Tür und Tor geöffnet obwohl das das BVErfG ausdrücklich untersagt hatte. Soweit also zum Rechtsstaatsverständnis dieser Brüsseler Marktkoordinierungsbehörde. Allerdings liest man es aktuell in allen Ecken und Enden: Diese Bonds-Befürworter, Investoren (insbes. China)und der Rest verlangen von den Dt. eine fast unbegrenzte Opferbereitschaft wenn man diesen ECU weiterhin behalten will und Investoren hier ihr Geld lassen sollen. Als wenn wir hier noch das Geld zum Opfern hätten. Kommt noch hinzu das dann Investoren genau dort ihr Geld lassen dürften wo sie sich die größte Rendite versprechen werden: Nämlich in den Habenichtsen von EWG-Land.
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