Lissabon - Die Rating-Agentur Fitch hat die Kreditwürdigkeit Portugals herabgestuft. Die Note des Landes sinke von "BBB-" auf "BB+", teilte Fitch am Donnerstag mit. Durch die Verschlechterung der Note rutscht das Land auf sogenanntes Ramschniveau. So werden in der Finanzbranche Rating-Noten unterhalb des "BBB"-Status genannt. Sie signalisieren Investoren, dass die entsprechende Anlage spekulativ, ihr Kauf also mit hohen Risiken verbunden ist.
Die Rating-Agentur Moody's hatte die Bonität Portugals bereits im Sommer auf Ramschstatus gesenkt. Damit ist Standard & Poor's (S&P) die letzte der drei großen Agenturen, die portugiesische Staatsanleihen noch nicht als spekulative Anlage bewertet.
Der Ausblick für das Rating sei negativ, teilte Fitch mit. Damit ist eine weitere Herabstufung in absehbarer Zeit möglich. Die Rating-Agentur begründete ihren Schritt mit den großen Ungleichgewichten im Haushalt, der hohen Verschuldung über alle Sektoren hinweg sowie einem ungünstigen konjunkturellen Ausblick. Fitch rechnet damit, dass die portugiesische Wirtschaft nächstes Jahr um drei Prozent schrumpft.
Die Staatsverschuldung Portugals dürfte laut Fitch bis Ende 2011 auf rund 110 Prozent der Wirtschaftsleistung steigen. Zugleich erwarten die Bonitätswächter, dass die portugiesische Wirtschaft im kommenden Jahr um drei Prozent schrumpfen wird. Angestoßene Reformen dürften sich nur langfristig auswirken. Außerdem dürfte die angestrebte Konsolidierung der Staatsfinanzen durch die Wachstumsrisiken erschwert werden.
Portugal hat sich wie Irland schon vor längerer Zeit unter den europäischen Rettungsschirm EFSF begeben. Der jüngste Schritt von Fitch hat damit keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Kassenlage Portugals. Da das Land Hilfsgelder erhält, ist es zurzeit nicht darauf angewiesen, sich Geld am Kapitalmarkt zu leihen.
Trotzdem kommt die Herabstufung zu einem problematischen Zeitpunkt. Die Investoren an den Finanzmärkten sind nervös. Die Spannungen in der Euro-Zone haben in den vergangenen Tagen noch einmal zugenommen. Am Mittwoch hatte Fitch auch Frankreich vor einer Herabstufung gewarnt. Anders als Portugal wird die zweitgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone bisher allerdings noch mit der Bestnote AAA bewertet.
An Donnerstagmittag treffen sich Bundeskanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy und Italiens Regierungschef Mario Monti zu einem Krisengipfel in Straßburg. Dabei soll es auch um die mögliche Einführung von europäischen Gemeinschaftsanleihen, sogenannter Euro-Bonds, gehen.
stk/dpa/Reuters
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