Warnung an die Politik Schäuble fürchtet neuen Höhepunkt der Euro-Krise

Der Rettungsfonds steht, die EZB will helfen - ist das Schlimmste in der Euro-Krise schon vorbei? Mitnichten, sagt Finanzminister Wolfgang Schäuble und warnt vor einem neuen Höhepunkt des Dramas. Mit Griechenland will der Minister nachsichtiger sein als bisher.

Finanzminister Schäuble: "Wir sind entschlossen, das Notwendige zu tun"
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Finanzminister Schäuble: "Wir sind entschlossen, das Notwendige zu tun"


Berlin - An den Finanzmärkten war es zuletzt auffällig ruhig geworden. Die Aktienkurse stiegen, die Zinsen sanken, von Panik keine Spur. Doch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hält die Euro-Krise noch längst nicht für überwunden. "Ich bin nicht sicher, ob der Höhepunkt der Krise überschritten ist", sagte Schäuble am Dienstag in Berlin.

Tatsächlich ist weder das Problem Griechenland gelöst, noch ist Spanien gerettet. Die Regierung in Madrid hat noch nicht mal einen neuen Hilfsantrag gestellt. Und die spanische Wirtschaft rutscht immer tiefer in die Rezession. Die mit der EU vereinbarten Sparziele sind kaum mehr zu halten.

Griechenland dürfte die Euro-Partner in jedem Fall noch viele weitere Milliarden Euro kosten. Schäuble deutete am Dienstag an, dem Land mehr Zeit für die Umsetzung seiner Sparziele zu gewähren. Im Wissen, "dass wir alle Sünder sind" und deshalb anderen gegenüber etwas großzügig, "können wir uns auf eine vernünftige Politik auch in Bezug auf Griechenland verständigen", sagte Schäuble. "Wir warten den Bericht der Troika ab, danach werden wir prüfen und entscheiden", sagte er. Die Bundesregierung werde aber keiner Lösung zustimmen, "die nicht geeignet ist, an den Finanzmärkten auch als belastbar eingeschätzt zu werden".

In den vergangenen zweieinhalb Jahren hat Griechenland bereits knapp 150 Milliarden Euro an Hilfskrediten von den Euro-Partnern und vom Internationalen Währungsfonds (IWF) erhalten. Bis Ende 2014 sollen weitere Milliarden aus dem aktuellen Rettungspaket fließen. Doch das dürfte nicht ausreichen, wenn Griechenland mehr Zeit braucht. Experten rechnen deshalb mit einem weiteren Hilfspaket.

Schäuble gab sich überzeugt, dass die Währungsunion die aktuelle Krise überstehen werde. Die Bundesregierung werde den Euro mit aller Macht verteidigen. "Wir sind entschlossen, das Notwendige zu tun, um den Euro als vertrauenswürdige Währung zu erhalten", sagte der Minister. Alles andere berge unabsehbare Risiken. "Die Weltwirtschaft wäre sehr viel weniger stabil, wenn wir nicht den Euro als eine Weltwährungsreserve hätten mit zunehmend wachsender Bedeutung."

Um das Vertrauen in die Währung wiederherzustellen, müssten die Euro-Länder ihre Finanzen in den Griff bekommen. "Wir müssen die hohe Staatsverschuldung zurückführen", sagte Schäuble. "Daran führt kein Weg vorbei." Alle Euro-Länder seien hier auf einem richtigen Weg - auch was die Verbesserung ihrer Wettbewerbsfähigkeit betreffe. Allerdings lasse die Reformbereitschaft nach, sobald die Zinsen auf Staatsanleihen sänken.

Auch die Rating-Agentur Standard & Poor's geht davon aus, dass die Europäische Währungsunion "so wie sie ist" bestehen bleibt. Das sei "der einzig gangbare Weg für Europa", sagte Deutschland-Leiter Torsten Hinrichs. Für eine Auflösung der Euro-Zone seien "die Risiken zu hoch". Allerdings erwartet er in der kommenden Zeit eine "Achterbahnfahrt" der Währungsunion.

stk/Reuters/dapd



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insgesamt 93 Beiträge
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Seite 1
idealist100 23.10.2012
1. Jawohl
Zitat von sysopREUTERSDer Rettungsfonds steht, die EZB will helfen - ist das Schlimmste in der Euro-Krise schon vorbei? Mitnichten, sagt Finanzminister Wolfgang Schäuble und warnt vor einem neuen Höhepunkt des Dramas. Mit Griechenland will der Minister nachsichtiger sein als bisher. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/euro-krise-schaeuble-deutet-mehr-zeit-fuer-griechenland-an-a-862910.html
wie machen Alternativlos weiter bis wir alle den Bach runter gespült werden. Ist halt Alternativlos, denn die Geld haben wollen immer mehr und das müssen wir unterstützen. Originalton brd Regierung
cucco 23.10.2012
2. Mir kommen die Tränen
"im Wissen, dass wir alle Sünder sind..." Schäuble ist ein Meister der Schauspielerei! Mit gefühlstriefenden Worten die Abzocke der Banken dekorieren - das kann Schäuble wohl. Merkel und Schäuble sind offenbar nicht die Personen, die sich persönlich bereichern, wie es bei südlichen Politikern üblich ist, aber die beiden reiten das deutsche Volk durch ihre Schreibtisch EU Konstrukte in eine EU Schlucht , aus der spätere Politiker uns dann mit Mühe retten müssen.
fortion 23.10.2012
3.
Zitat von idealist100wie machen Alternativlos weiter bis wir alle den Bach runter gespült werden. Ist halt Alternativlos, denn die Geld haben wollen immer mehr und das müssen wir unterstützen. Originalton brd Regierung
Die dauernde Eurokrise wird uns und unseren Kindern und Enkeln zu einem treuen Begleiter durchs Leben werden, ähnlich einem Familienmitglied oder einem liebgewonnenen Haustier. Wie weise der Kanzler der Einfalt doch seine Entscheidung für Frieden, Wohlstand und Sicherheit in Europa getroffen hat. Ich werde immer daran denken, wenn ich zur Wahl gehe.
W. Robert 23.10.2012
4. Größenwahn
Schäuble hat sich beim Hauskauf einfach übernommen, um das mal an einem albernen Beispiel zu demonstrieren. Jetzt spart er an der Heizung, am Essen, setzt die Gläubiger unter Druck, kauft sich einen gebrauchten Kleinwagen, und noch immer erdrücken ihn die Schulden. Dabei hatte es so gut geklungen, was ihm die Banker bei der Kreditvermittlung erzählt haben. Jetzt hat er also ein viel zu großes Haus, an dem die Fassade abbröckelt, wo es zum Dach rein regnet, wo sich die Nachbarn zunehmend über den protzgen Klotz beschweren, die Putzfrau kommt auch nicht mehr und die Bank rückt allmählich mit schwerem Gerät an. Die Banker wissen jedenfalls, wie man aus Großmannssucht Kapital schlägt, vor allem, wenn Schäubles Enkel noch relativ solvent sind.
republica_banana 23.10.2012
5.
Unser Super-Sparkommissar hat vollkommen Recht, da kommen noch einpaar Höhepunkte auf uns zu. Ein weiser greiser Mann.
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