Euro-Krise: Schuldenschnitt für Griechenland immer wahrscheinlicher
Bei der Griechenland-Rettung lässt sich ein Schuldenschnitt wohl nicht mehr vermeiden: Laut Premier Georgios Papandreou führt die Regierung mit den Euro-Partnern intensive Verhandlungen. Auch private Gläubiger sollen laut Nachrichtenagentur Reuters auf bis zu 50 Prozent ihres Geldes verzichten.
Brüssel - Griechenland weiß sich nicht mehr zu helfen: An einem Haircut, einem Schuldenerlass, führt inzwischen offenbar kein Weg mehr vorbei - und dieser würde auch die Banken härter treffen als bisher. In der Euro-Zone werde über eine satte Erhöhung des Hilfsbeitrags der privaten Gläubiger für Griechenland diskutiert, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch von EU-Vertretern. Erwogen werde, den Privatgläubigern einen Verlust von 30 bis 50 Prozent auf griechische Staatsanleihen abzufordern.
Das wäre deutlich mehr als bislang: Die bisherigen Absprachen für ein zweites Griechenland-Hilfspaket sehen noch Verluste von 21 Prozent vor, die die privaten Gläubiger hinnehmen müssten. Allerdings soll es den Insidern zufolge dabei bleiben, einen solchen Hilfsbeitrag auf freiwilliger Basis auszuhandeln.
Griechenlands Ministerpräsident Georgios Papandreou bestätigte indirekt, Gespräche über einen Schuldenschnitt zu führen. Er sagte, verhandelt werde derzeit über eine Minderung der griechischen Schuldenlast "jeder Art". "Das ist der größte Knackpunkt", soll Papandreou einem Kabinettsmitglied gesagt haben.
Bundesbank-Chef hält Pleite nicht mehr für undenkbar
Wie schlecht es um Griechenland steht, hatte erst am Dienstag der Bericht der sogenannten Troika deutlich gemacht: Die Experten von EU-Kommission, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds hatten festgestellt, dass das Schuldenland keines seiner gesetzten Ziele für dieses Jahr erreicht und erst 2013 wieder wachsen wird. Am Mittwoch berichtete das Finanzministerium in Athen zudem, dass das Defizit im Staatshaushalt in den ersten neun Monaten dieses Jahres um mehr als 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen ist. Das Minus betrug von Januar bis Dezember 19,16 Milliarden Euro.
Vor dem Hintergrund der miserablen Lage sprechen sich immer mehr Fachleute für eine kontrollierte Pleite des Landes aus - so zuletzt etwa Altkanzler Gerhard Schröder (SPD). Auch Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hält eine Staatspleite in absehbarer Zeit offenbar nicht mehr für undenkbar. Ein Schuldenschnitt "kann nicht ausgeschlossen werden", sagte Weidmann der "Bild"-Zeitung.
Griechenland müsse seine Probleme selbst in den Griff kriegen. Es sei deshalb wichtig, dass die Regierung in Athen das Übel an der Wurzel packe: "Griechenland muss seinen Staatssektor in den Griff bekommen und seine Wirtschaft wettbewerbsfähig machen." Ein Schuldenschnitt dürfe nicht zum attraktiven Ausweg aus den Problemen werden. "Sonst wird kein Vertrauen mehr in die Staatsanleihen gefährdeter Länder zurückkehren", warnte der frühere Wirtschaftsberater von Kanzlerin Angela Merkel (CDU).
Weidmann ist im EZB-Rat Vertreter eines relativ harten Kurses. Er ist zusammen mit dem scheidenden deutschen Chefvolkswirt der Notenbank, Jürgen Stark, prominentester Gegner der Staatsanleihenkäufe der EZB.
Die europäischen Länder rief Weidmann auf, den Rettungsschirm EFSF nicht immer weiter auszudehnen: "Einfach immer weiter die Haftungsrisiken auszudehnen oder hochzuhebeln, kann nicht die Lösung sein." Stattdessen müssten die richtigen Lehren aus der Krise gezogen werden, um ein stabiles Fundament für die Währungsunion sicherzustellen.
Schweizer UBS: Bankrott spätestens im März 2012
Die Schweizer Großbank UBS erwartet einen Schuldenschnitt für Griechenland spätestens im März 2012. Die Bank hält den Bankrott des Landes für unausweichlich, glaubt aber auch daran, dass Politik und Notenbank einen Flächenbrand verhindern können. Auslöser für den Schuldenschnitt dürfte ein weiterer Hilfskredit von 18 Milliarden Euro für Griechenland sein, der in den Geberländern wohl kaum noch politisch zu rechtfertigen wäre, sagte UBS-Ökonom Dirk Faltin.
yes/Reuters/dapd
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- Mittwoch, 12.10.2011 – 16:51 Uhr
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Umstrittener sind die Folgen für Griechenland: Einige Ökonomen halten eine Pleite für die beste Option. Denn die Schuldenlast des Landes würde vermindert, die Zinsbelastung im Haushalt würde sinken, und die Tilgungsverpflichtungen dürften abnehmen. Als endgültige Lösung für die Schuldenkrise gilt eine Pleite aber keineswegs, denn die Griechen müssten ihre laufenden Ausgaben trotzdem ihren Einnahmen anpassen. Sonst häufen sie weiter Schulden an. Der Teufelskreis wäre nicht durchbrochen. Außerdem blieben griechische Banken bei einer Pleite auf Forderungen sitzen. Das Bankensystem im Land könnte kollabieren.
Für Griechenland könnte es der wirtschaftliche Zusammenbruch sein. Ohne Euro müsste das Land wieder seine alte Währung Drachme einführen, die vermutlich eine drastische Abwertung erfahren würde. Über billigere Produkte würde dies zwar der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Athens zugutekommen. Viel schwerwiegender wäre aber, dass zugleich die in Euro aufgenommenen Altschulden drastisch steigen würden. Das wäre allerdings nicht der Fall, wenn es vorher zu einer Pleite gekommen wäre.
Hinzu kommt, dass das Land seine Staatsausgaben mangels Kreditfähigkeit nur aus seinen Einnahmen finanzieren könnte. Die Folge wäre ein vermutlich noch viel stärkerer Abschwung als bisher.
Auch für die Euro-Zone hätte ein Austritt mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit verheerende Folgen. An den Finanzmärkten würden wohl schnell andere finanzschwache Länder unter Druck geraten, der sogenannte Domino-Effekt könnte eintreten. Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen entsprechender Länder würden drastisch steigen und die jeweiligen Länder ähnlich wie Griechenland an den Rand der Zahlungsunfähigkeit führen. Letztlich könnte so der gesamte Währungsraum ins Wanken geraten.
Fläche: 131.957 km²
Bevölkerung: 11,305 Mio.
Hauptstadt: Athen
Staatsoberhaupt:
Karolos Papoulias
Regierungschef: Antonis Samaras
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