Euro-Krise: Schuldenschnitt für Griechenland immer wahrscheinlicher

Bei der Griechenland-Rettung lässt sich ein Schuldenschnitt wohl nicht mehr vermeiden: Laut Premier Georgios Papandreou führt die Regierung mit den Euro-Partnern intensive Verhandlungen. Auch private Gläubiger sollen laut Nachrichtenagentur Reuters auf bis zu 50 Prozent ihres Geldes verzichten.

Akropolis in Athen: Defizit im Staatshaushalt um mehr als 15 Prozent gestiegen Zur Großansicht
dapd

Akropolis in Athen: Defizit im Staatshaushalt um mehr als 15 Prozent gestiegen

Brüssel - Griechenland weiß sich nicht mehr zu helfen: An einem Haircut, einem Schuldenerlass, führt inzwischen offenbar kein Weg mehr vorbei - und dieser würde auch die Banken härter treffen als bisher. In der Euro-Zone werde über eine satte Erhöhung des Hilfsbeitrags der privaten Gläubiger für Griechenland diskutiert, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch von EU-Vertretern. Erwogen werde, den Privatgläubigern einen Verlust von 30 bis 50 Prozent auf griechische Staatsanleihen abzufordern.

Das wäre deutlich mehr als bislang: Die bisherigen Absprachen für ein zweites Griechenland-Hilfspaket sehen noch Verluste von 21 Prozent vor, die die privaten Gläubiger hinnehmen müssten. Allerdings soll es den Insidern zufolge dabei bleiben, einen solchen Hilfsbeitrag auf freiwilliger Basis auszuhandeln.

Griechenlands Ministerpräsident Georgios Papandreou bestätigte indirekt, Gespräche über einen Schuldenschnitt zu führen. Er sagte, verhandelt werde derzeit über eine Minderung der griechischen Schuldenlast "jeder Art". "Das ist der größte Knackpunkt", soll Papandreou einem Kabinettsmitglied gesagt haben.

Bundesbank-Chef hält Pleite nicht mehr für undenkbar

Wie schlecht es um Griechenland steht, hatte erst am Dienstag der Bericht der sogenannten Troika deutlich gemacht: Die Experten von EU-Kommission, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds hatten festgestellt, dass das Schuldenland keines seiner gesetzten Ziele für dieses Jahr erreicht und erst 2013 wieder wachsen wird. Am Mittwoch berichtete das Finanzministerium in Athen zudem, dass das Defizit im Staatshaushalt in den ersten neun Monaten dieses Jahres um mehr als 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen ist. Das Minus betrug von Januar bis Dezember 19,16 Milliarden Euro.

Vor dem Hintergrund der miserablen Lage sprechen sich immer mehr Fachleute für eine kontrollierte Pleite des Landes aus - so zuletzt etwa Altkanzler Gerhard Schröder (SPD). Auch Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hält eine Staatspleite in absehbarer Zeit offenbar nicht mehr für undenkbar. Ein Schuldenschnitt "kann nicht ausgeschlossen werden", sagte Weidmann der "Bild"-Zeitung.

Griechenland müsse seine Probleme selbst in den Griff kriegen. Es sei deshalb wichtig, dass die Regierung in Athen das Übel an der Wurzel packe: "Griechenland muss seinen Staatssektor in den Griff bekommen und seine Wirtschaft wettbewerbsfähig machen." Ein Schuldenschnitt dürfe nicht zum attraktiven Ausweg aus den Problemen werden. "Sonst wird kein Vertrauen mehr in die Staatsanleihen gefährdeter Länder zurückkehren", warnte der frühere Wirtschaftsberater von Kanzlerin Angela Merkel (CDU).

Weidmann ist im EZB-Rat Vertreter eines relativ harten Kurses. Er ist zusammen mit dem scheidenden deutschen Chefvolkswirt der Notenbank, Jürgen Stark, prominentester Gegner der Staatsanleihenkäufe der EZB.

Die europäischen Länder rief Weidmann auf, den Rettungsschirm EFSF nicht immer weiter auszudehnen: "Einfach immer weiter die Haftungsrisiken auszudehnen oder hochzuhebeln, kann nicht die Lösung sein." Stattdessen müssten die richtigen Lehren aus der Krise gezogen werden, um ein stabiles Fundament für die Währungsunion sicherzustellen.

Schweizer UBS: Bankrott spätestens im März 2012

Die Schweizer Großbank UBS erwartet einen Schuldenschnitt für Griechenland spätestens im März 2012. Die Bank hält den Bankrott des Landes für unausweichlich, glaubt aber auch daran, dass Politik und Notenbank einen Flächenbrand verhindern können. Auslöser für den Schuldenschnitt dürfte ein weiterer Hilfskredit von 18 Milliarden Euro für Griechenland sein, der in den Geberländern wohl kaum noch politisch zu rechtfertigen wäre, sagte UBS-Ökonom Dirk Faltin.

yes/Reuters/dapd

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insgesamt 58 Beiträge
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1. Auja
uinen_osse 12.10.2011
und den Kredit den wir noch jahrelang abzahlen müssen - für eine gut sitzende Zahprothese weil die Zähne durch die Krebserkankung der Partnerin ausgefallen sind - gleich mit wegschneiden bitte. Was den Griechen Recht ist das sollte doch unns wenigstens billig sein, oder?
2. Maut Nein Danke!
kdshp 12.10.2011
Zitat von sysopBei der*Griechenland-Rettung*lässt sich*ein Schuldenschnitt wohl nicht mehr vermeiden: Laut Premier Georgios Papandreou führt die Regierung mit den Euro-Partnern*intensive Verhandlungen. Auch private Gläubiger sollen laut Nachrichtenagentur Reuters auf bis zu 50 Prozent ihres Geldes verzichten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,791459,00.html
Hallo, ja geil WO kann ich mich melden? ICH will auch einen schuldenschnit von 50% UND dazu aber auch weiter geld von der EU. ICH kann das alles nicht mehr glauben was hier abgeht. Aber he was solls wir dürfen dann ne maut zahlen damit frau merkel das zahlen kann.
3. das war doch schon lange klar
inqui 12.10.2011
Zitat von sysopBei der*Griechenland-Rettung*lässt sich*ein Schuldenschnitt wohl nicht mehr vermeiden: Laut Premier Georgios Papandreou führt die Regierung mit den Euro-Partnern*intensive Verhandlungen. Auch private Gläubiger sollen laut Nachrichtenagentur Reuters auf bis zu 50 Prozent ihres Geldes verzichten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,791459,00.html
wenn man sich die Kurse der Griechenanleihen anguckt ist der Schuldenschnitt von 50% längst eingepreist. http://www.ariva.de/search/search.m?searchname=griechenland
4. Was für ein Pack
Liebknecht 12.10.2011
Zitat von sysopBei der*Griechenland-Rettung*lässt sich*ein Schuldenschnitt wohl nicht mehr vermeiden: Laut Premier Georgios Papandreou führt die Regierung mit den Euro-Partnern*intensive Verhandlungen. Auch private Gläubiger sollen laut Nachrichtenagentur Reuters auf bis zu 50 Prozent ihres Geldes verzichten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,791459,00.html
Letzte Woche hat Papandreou noch getönt, Griechenland würde alle seine Schulden "ich wiederhole, alle, bei meinem Ehrenwort als griechischer Ministerpräsident" mit Zinsen zurückzahlen. Aber da ja einige Gerüchte besagen, dass die Familie Papandreou über CDS im mehrstelligen Milliardenbereich von einer Staatspleite (EU-Euphemismus: Schuldenschnitt) profitieren wird, war die Motivationslage eigentlich eindeutig. Gratulation an Familie P.; geschickt eingefädelt.
5. Das kann doch gar nicht sein!!
Litajao 12.10.2011
Habe ich nicht bis vor einigen Tagen von den Experten, wie Schäuble, Merkel, Juncker, sowie ihren "Fachleuten" gehört, dass es nicht zu einem Schuldenschnitt kommen wird, NIEMALS!!!!!!!!!!!!!!! dass Griechenland alle Schulden zurückzahlen wird und dass Deutschland keinen Cent verlieren wird, nein, auch noch 20 Mia. verdient hat. Oder ist diese Gruppe um Merkel, Schäuble usw. nun, ohne unser Wissen, zum politischen Kabaret gewechselt??
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Finanzkrise in Griechenland
Europa wird ungeduldig: Griechenland bekommt sein Schuldenproblem nicht in den Griff - inzwischen wird offen über eine geplante Insolvenz des Landes gesprochen. Doch ist das die Rettung für den Euro?

Was würde eine Pleite Griechenlands bedeuten? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:
Welche Folgen hätte eine Pleite Griechenlands?
Für die Euro-Zone wären die Folgen weitreichend: Die Gläubiger müssten ganz oder teilweise auf ihr Geld verzichten. Die Europäische Zentralbank etwa müsste Verluste auf die Staatsanleihen hinnehmen. Gleiches gilt für Geschäftsbanken oder Versicherer, die in griechische Staatsanleihen investiert haben. Das würde ihr Eigenkapital belasten. Allerdings haben die großen Banken im Ausland ihre Papiere schon zum Teil abgeschrieben.

Umstrittener sind die Folgen für Griechenland: Einige Ökonomen halten eine Pleite für die beste Option. Denn die Schuldenlast des Landes würde vermindert, die Zinsbelastung im Haushalt würde sinken, und die Tilgungsverpflichtungen dürften abnehmen. Als endgültige Lösung für die Schuldenkrise gilt eine Pleite aber keineswegs, denn die Griechen müssten ihre laufenden Ausgaben trotzdem ihren Einnahmen anpassen. Sonst häufen sie weiter Schulden an. Der Teufelskreis wäre nicht durchbrochen. Außerdem blieben griechische Banken bei einer Pleite auf Forderungen sitzen. Das Bankensystem im Land könnte kollabieren.
Wäre ein Austritt aus der Euro-Zone sinnvoll?
Die konkreten ökonomischen Folgen eines Austritts Griechenlands aus der Euro-Zone sind schwer vorhersehbar. Viele Experten sind sich aber sicher, dass die Auswirkungen für das Schuldenland und andere Staaten des Währungsraums verheerend wären.
Für Griechenland könnte es der wirtschaftliche Zusammenbruch sein. Ohne Euro müsste das Land wieder seine alte Währung Drachme einführen, die vermutlich eine drastische Abwertung erfahren würde. Über billigere Produkte würde dies zwar der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Athens zugutekommen. Viel schwerwiegender wäre aber, dass zugleich die in Euro aufgenommenen Altschulden drastisch steigen würden. Das wäre allerdings nicht der Fall, wenn es vorher zu einer Pleite gekommen wäre.
Hinzu kommt, dass das Land seine Staatsausgaben mangels Kreditfähigkeit nur aus seinen Einnahmen finanzieren könnte. Die Folge wäre ein vermutlich noch viel stärkerer Abschwung als bisher.

Auch für die Euro-Zone hätte ein Austritt mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit verheerende Folgen. An den Finanzmärkten würden wohl schnell andere finanzschwache Länder unter Druck geraten, der sogenannte Domino-Effekt könnte eintreten. Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen entsprechender Länder würden drastisch steigen und die jeweiligen Länder ähnlich wie Griechenland an den Rand der Zahlungsunfähigkeit führen. Letztlich könnte so der gesamte Währungsraum ins Wanken geraten.
Gibt es eine Alternative zu Pleite und Austritt?
Wichtig ist vor allem, dass Athen seine Sanierungspläne einhält und keine neuen Schulden anhäuft: Der Staat muss verschlankt werden, die Steuerhinterziehung bekämpft, die Privatisierung von Staatseigentum muss weitergehen. Zudem muss das zweite Rettungspaket für Athen umgesetzt werden, das bis 2014 die Unabhängigkeit vom Kapitalmarkt garantiert und dem Land so Zeit für tiefgreifende Reformen geben soll.

Fläche: 131.957 km²

Bevölkerung: 11,305 Mio.

Hauptstadt: Athen

Staatsoberhaupt:
Karolos Papoulias

Regierungschef: Antonis Samaras

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