Plan für EZB-Hilfe Spanien trickst sich am Spardiktat vorbei

Die spanische Regierung hat offenbar einen konkreten Plan entwickelt, um Hilfe der Europäischen Zentralbank zu erhalten. Zeitungsberichten zufolge will das Land aber nicht unter den Euro-Rettungsschirm schlüpfen. So könnte Ministerpräsident Rajoy sein Gesicht wahren.

Madrid: Mit Kniffen zu niedrigeren Zinsen
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Madrid: Mit Kniffen zu niedrigeren Zinsen


Madrid - Spanien hat offenbar einen Plan erarbeitet, um an Hilfe der Europäischen Zentralbank zu kommen. Wie "Financial Times" ("FT") und "Wall Street Journal" ("WSJ") übereinstimmend berichten, will die Regierung in Madrid die Notenbank dazu bringen, Staatsanleihen zu kaufen. Das Land will dazu aber nicht unter den Rettungsschirm ESM schlüpfen und sich damit auch keinen neuen Sparauflagen beugen.

Ein hochrangiger Vertreter des spanischen Wirtschaftsministeriums schilderte laut "FT" den Plan so: Die Regierung wolle beim ESM einen Antrag auf eine Kreditlinie stellen. Damit sollen die Bedingungen der EZB erfüllt werden, um Staatsanleihen aufkaufen zu können. Die spanische Regierung gehe davon aus, dass sie die Kreditlinie des ESM letztlich aber gar nicht benötige, sagte der Spanier. "Man könnte sagen, es ist eine virtuelle Kreditlinie", zitiert ihn das "WSJ". Der Hilfsantrag sei lediglich Voraussetzung dafür, dass die EZB ihr neues Anleihekaufprogramm für Spanien aktiviere. Wenn dies geschehe, rechne die Regierung mit einem schnellen und starken Rückgang der Refinanzierungskosten an den Anleihemärkten. Das wiederum mache die Inanspruchnahme der Kreditlinie überflüssig.

Zugleich will die Regierung in Madrid neue Sparauflagen vermeiden. Geplant ist demnach eine Absichtserklärung mit den Euro-Partnern, die aber keine zusätzlichen Auflagen erforderlich mache. Dass Spanien mit seinem Antrag zögere, begründete der Regierungsvertreter mit der Ungewissheit, ob wirklich alle Länder im Euro-Raum einen Hilfsantrag Spaniens unterstützen würden.

Spanien sieht keinen Druck für schnellen Hilfsantrag

Spanien zögere zudem mit einem Antrag, da nicht klar sei, wie sich dieser auf die Refinanzierungskosten Italiens auswirken würde, erklärte der Regierungsvertreter. Einige Experten halten es für möglich, dass ein Antrag Spaniens den Druck in der Euro-Krise verringern könnte. Andere fürchten, dass Italien als ebenfalls geschwächtes Land dann erst recht von den Märkten unter den Rettungsschirm gedrängt wird.

Die Euro-Zone rechnet nach den Worten ranghoher Vertreter im November mit einem Antrag Spaniens auf Hilfen durch den Euro-Rettungsschirm ESM. Dies verlautete am Wochenende beim Gipfel von Weltbank und Internationalem Währungsfonds (IWF). "Ich bin sicher, dass es dann passieren wird - im November", hatte ein mit der Sache vertrauter Vertreter der Euro-Zone in Tokio gesagt.

Ein schneller Hilfsantrag ist aus Sicht der spanischen Regierung nicht nötig. Als Grund nannte der Spanier die stark gesunkenen Renditen am Anleihemarkt, seitdem die EZB Ende Juli ihre grundsätzliche Bereitschaft zu Anleihekäufen verkündet hatte.

Spanien kommt trotz schlechterem Rating an frisches Geld

Zuletzt hatte die Rating-Agentur Standard & Poor's die Kreditwürdigkeit von Spanien gesenkt. Am Dienstag konnte sich das Land dennoch zu günstigeren Konditionen Geld bei Investoren leihen. Das hoch verschuldete Land verkaufte Anleihen mit einem Volumen von insgesamt rund 4,9 Milliarden Euro. Damit wurde das Ziel von 4,5 Milliarden Euro übertroffen. Die Durchschnittsrendite von 18-Monats-Papieren sank von zuvor 3,07 Prozent leicht auf 3,02 Prozent. Die Rendite für einjährige Papiere fiel von 2,84 Prozent auf 2,82 Prozent.

Schlechte Nachrichten gab es aber für spanische Banken. S&P bewertet nun auch die Bonität von 15 Instituten des Landes schlechter. Die Ratings der beiden größten spanischen Banken Santander und BBVA versah die Agentur je mit einem negativen Ausblick und begründete dies mit der schlechteren Bewertung Spaniens. Die spanischen Banken leiden unter der schweren Rezession des Landes. Zudem sitzen einige Institute nach dem Platzen der Immobilienblase auf faulen Krediten.

mmq/dpa-AFX

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insgesamt 90 Beiträge
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Seite 1
Shaft13 16.10.2012
1.
Mauscheleien ohne Ende. Hat irgendjemand was anderes erwartet? Und selbstredent wird Schäuble,Merkel und die EZB freudig drauf anspringen. Zumal eh die EZB es gar nicht erwarten kann,trotz Dementi,endlich mit der Notenpresse alle Staaten zu finanzieren.
prontissimo 16.10.2012
2. sowas nennt man in der Branche
Zitat von sysopGetty ImagesDie spanische Regierung hat offenbar einen konkreten Plan entwickelt, um Hilfe der Europäischen Zentralbank zu erhalten. Zeitungsberichten zufolge will das Land aber nicht unter den Euro-Rettungsschirm schlüpfen. So könnte Ministerpräsident Rajoy sein Gesicht wahren. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/euro-krise-spanien-arbeitet-plan-fuer-hilfsantrag-aus-a-861543.html
Bilanzfälschung. Was unterscheidet Spanien denn nun noch von Griechenland ??? Und andere werden folgen. Leider sind auch die Folgen gleich: Pleite.
Zündkerze 16.10.2012
3. Noch jemand Rettungsschirme ? -
weiter Leben in Saus und Baus, garantiert ohne Verpflichtungen usw., dann bitte den Gang runter, letzte Tür rechts bei Schäuble melden. Stichwort - Friedensgarant EUro.
waltherwhite 16.10.2012
4. und wer darfs am ende bezahlen
...na ratet doch mal....tolle gemeinschaft, tricksereien allenthalben...
APPEASEMENT 16.10.2012
5. Gut..
Zitat von sysopGetty ImagesDie spanische Regierung hat offenbar einen konkreten Plan entwickelt, um Hilfe der Europäischen Zentralbank zu erhalten. Zeitungsberichten zufolge will das Land aber nicht unter den Euro-Rettungsschirm schlüpfen. So könnte Ministerpräsident Rajoy sein Gesicht wahren. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/euro-krise-spanien-arbeitet-plan-fuer-hilfsantrag-aus-a-861543.html
.. das der SPIEGEL solche Tricks aufdeckt. Was für ein Zynismus. Sparen sollen immer die nächsten Generationen, oder bankrott gehen. So fing das auch in Griechenland an. Und das soll das tolle Europa sein?
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