Frankfurt/Madrid/Rom - Positive Meldungen aus Griechenland sind rar. Doch hin und wieder gibt es sie. Die Europäische Zentralbank (EZB) berichtete am Dienstag, dass Verbraucher und Unternehmen erstmals seit einigen Monaten wieder mehr Geld bei griechischen Banken angelegt haben. Ihre Einlagen erhöhten sich im Juli um rund zwei Prozent auf 159,4 Milliarden Euro.
Damit liegen sie zwar immer noch ein Drittel unter dem Niveau von Ende 2009. Doch der leichte Anstieg ist dennoch ein Hoffnungsschimmer. Denn noch im Juni waren die Bankeinlagen um fünf Prozent gefallen, ebenso in den Monaten davor.
Experten sehen die Parlamentswahlen als Grund für den vorsichtigen Vertrauensanstieg. Dabei konnten sich die Befürworter des Reformkurses durchsetzten, die für einen Verbleib Griechenlands in der Euro-Zone kämpfen.
Auch in Spanien gehört der Bankensektor zu den größten Problemfällen des Landes. Einige Institute sitzen dort nach dem Platzen der Immobilienblase auf faulen Krediten und sind in Schieflage geraten. Kunden misstrauen den Banken deshalb. Laut EZB ziehen Verbraucher und Firmen in Spanien weiter Geld von ihren Banken ab. Ihre Einlagen schrumpften um fast fünf Prozent auf 1,509 Billionen Euro. In anderen Krisenländern bleibt die Lage stabil. In Irland legten die Einlagen um ein Prozent zu, während sie in Portugal nahezu unverändert blieben.
Spanien und Italien kommen günstiger an Kredite
Der Bankensektor in Spanien ist längst nicht stabil, doch aus dem Land kommen auch positive Nachrichten. Denn die Regierung konnte sich zu deutlich günstigeren Zinsen Geld bei Investoren leihen. Insgesamt wurden Anleihen im Wert von 3,6 Milliarden Euro aufgenommen. Für Papiere mit sechs Monaten Laufzeit muss Spanien 2,03 Prozent Zinsen zahlen, das ist in diesem Segment der niedrigste Wert seit Mai. Bei dreimonatigen Anleihen fiel die Rendite auf 0,95 Prozent. Ende Juli hatte sie noch bei 2,43 Prozent gelegen.
Grund für die Entspannung dürfte die Ankündigung von EZB-Chef Mario Draghi sein, die Notenbank werde die Krisenländer mit Anleihenkäufen stützen. Diese Aussicht verschafft auch Italien Luft. Auch die Regierung in Rom musste bei einer Versteigerung von Staatspapieren deutlich weniger Zinsen zahlen. Bei der Versteigerung von Null-Zins-Anleihen mit einer Laufzeit von zwei Jahren lag die Rendite bei 3,064 Prozent, teilte die italienische Schuldenagentur mit. Bei der letzten vergleichbaren Auktion Ende Juli lag der Zinssatz noch bei 4,86 Prozent. Bei Null-Zins-Anleihen gibt es keine laufende Zinszahlung, sondern nur eine Auszahlung am Ende der Laufzeit. Mit der Auktion nahm Italien drei Milliarden Euro auf.
Rösler und Westerwelle werben für Euro-Rettung
Trotz vereinzelt positiver Nachrichten sind die Krisenländer längst nicht über den Berg. Die Diskussion über die Strategie in der Euro-Krise dürfte deshalb weitergehen. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler rief auf einer Botschafterkonferenz in Berlin dazu auf, für den Zusammenhalt Europas zu kämpfen. "Wir stehen für ein starkes gemeinsames Europa mit einer stabilen Währung. Das ist für uns eine Herzensangelegenheit", sagte der FDP-Chef.
Außenminister Guido Westerwelle warnte vor einer Anti-Euro-Debatte in Bayern. Die Wirtschaft in diesem Bundesland hänge so stark an Exporten, "dass es geradezu unpatriotisch, dass es geradezu gegen Landesinteressen wäre, wenn man partiell in Bayern der Auffassung wäre, dass man Europa aufgeben oder das Ausfransen Europas zulassen könnte", sagte Westerwelle. Er spielte damit auf Äußerungen von CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt an, der ein Ausscheiden Griechenlands aus der Euro-Zone als unvermeidlich bezeichnet hatte.
Zugleich bezeichnete es Westerwelle als "äußerst fragwürdig", dass die Europäer zur Bewältigung der Schuldenkrise die Hilfe des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Anspruch nehmen werden. "Wir sind in Europa mit 500 Millionen Menschen die reichste Region auf der Welt", sagte er. "Und trotzdem haben wir als Europäer Programme vom IWF und nehmen gewissermaßen Mittel für viel ärmere Regionen und lenken sie hier nach Europa." Eigentlich müssten die Europäer es als Aufgabe sehen, ihre Krise selbst zu bewältigen, sagte Westerwelle.
mmq/dpa/Reuters
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