Trotz Schuldenkrise: Griechen tragen wieder mehr Geld zu ihren Banken

Die Bürger in Griechenland fassen offenbar wieder etwas Vertrauen in die heimischen Finanzinstitute. Nach monatelangen Abbuchungen legten sie im Juli erstmals wieder mehr Geld auf ihren Konten an. Auch aus Spanien und Italien kommen positive Nachrichten.

Kunden vor einer Bankfiliale in Athen (Bild von Ende Juli): Etwas mehr Vertrauen Zur Großansicht
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Kunden vor einer Bankfiliale in Athen (Bild von Ende Juli): Etwas mehr Vertrauen

Frankfurt/Madrid/Rom - Positive Meldungen aus Griechenland sind rar. Doch hin und wieder gibt es sie. Die Europäische Zentralbank (EZB) berichtete am Dienstag, dass Verbraucher und Unternehmen erstmals seit einigen Monaten wieder mehr Geld bei griechischen Banken angelegt haben. Ihre Einlagen erhöhten sich im Juli um rund zwei Prozent auf 159,4 Milliarden Euro.

Damit liegen sie zwar immer noch ein Drittel unter dem Niveau von Ende 2009. Doch der leichte Anstieg ist dennoch ein Hoffnungsschimmer. Denn noch im Juni waren die Bankeinlagen um fünf Prozent gefallen, ebenso in den Monaten davor.

Experten sehen die Parlamentswahlen als Grund für den vorsichtigen Vertrauensanstieg. Dabei konnten sich die Befürworter des Reformkurses durchsetzten, die für einen Verbleib Griechenlands in der Euro-Zone kämpfen.

Auch in Spanien gehört der Bankensektor zu den größten Problemfällen des Landes. Einige Institute sitzen dort nach dem Platzen der Immobilienblase auf faulen Krediten und sind in Schieflage geraten. Kunden misstrauen den Banken deshalb. Laut EZB ziehen Verbraucher und Firmen in Spanien weiter Geld von ihren Banken ab. Ihre Einlagen schrumpften um fast fünf Prozent auf 1,509 Billionen Euro. In anderen Krisenländern bleibt die Lage stabil. In Irland legten die Einlagen um ein Prozent zu, während sie in Portugal nahezu unverändert blieben.

Spanien und Italien kommen günstiger an Kredite

Der Bankensektor in Spanien ist längst nicht stabil, doch aus dem Land kommen auch positive Nachrichten. Denn die Regierung konnte sich zu deutlich günstigeren Zinsen Geld bei Investoren leihen. Insgesamt wurden Anleihen im Wert von 3,6 Milliarden Euro aufgenommen. Für Papiere mit sechs Monaten Laufzeit muss Spanien 2,03 Prozent Zinsen zahlen, das ist in diesem Segment der niedrigste Wert seit Mai. Bei dreimonatigen Anleihen fiel die Rendite auf 0,95 Prozent. Ende Juli hatte sie noch bei 2,43 Prozent gelegen.

Grund für die Entspannung dürfte die Ankündigung von EZB-Chef Mario Draghi sein, die Notenbank werde die Krisenländer mit Anleihenkäufen stützen. Diese Aussicht verschafft auch Italien Luft. Auch die Regierung in Rom musste bei einer Versteigerung von Staatspapieren deutlich weniger Zinsen zahlen. Bei der Versteigerung von Null-Zins-Anleihen mit einer Laufzeit von zwei Jahren lag die Rendite bei 3,064 Prozent, teilte die italienische Schuldenagentur mit. Bei der letzten vergleichbaren Auktion Ende Juli lag der Zinssatz noch bei 4,86 Prozent. Bei Null-Zins-Anleihen gibt es keine laufende Zinszahlung, sondern nur eine Auszahlung am Ende der Laufzeit. Mit der Auktion nahm Italien drei Milliarden Euro auf.

Rösler und Westerwelle werben für Euro-Rettung

Trotz vereinzelt positiver Nachrichten sind die Krisenländer längst nicht über den Berg. Die Diskussion über die Strategie in der Euro-Krise dürfte deshalb weitergehen. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler rief auf einer Botschafterkonferenz in Berlin dazu auf, für den Zusammenhalt Europas zu kämpfen. "Wir stehen für ein starkes gemeinsames Europa mit einer stabilen Währung. Das ist für uns eine Herzensangelegenheit", sagte der FDP-Chef.

Außenminister Guido Westerwelle warnte vor einer Anti-Euro-Debatte in Bayern. Die Wirtschaft in diesem Bundesland hänge so stark an Exporten, "dass es geradezu unpatriotisch, dass es geradezu gegen Landesinteressen wäre, wenn man partiell in Bayern der Auffassung wäre, dass man Europa aufgeben oder das Ausfransen Europas zulassen könnte", sagte Westerwelle. Er spielte damit auf Äußerungen von CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt an, der ein Ausscheiden Griechenlands aus der Euro-Zone als unvermeidlich bezeichnet hatte.

Zugleich bezeichnete es Westerwelle als "äußerst fragwürdig", dass die Europäer zur Bewältigung der Schuldenkrise die Hilfe des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Anspruch nehmen werden. "Wir sind in Europa mit 500 Millionen Menschen die reichste Region auf der Welt", sagte er. "Und trotzdem haben wir als Europäer Programme vom IWF und nehmen gewissermaßen Mittel für viel ärmere Regionen und lenken sie hier nach Europa." Eigentlich müssten die Europäer es als Aufgabe sehen, ihre Krise selbst zu bewältigen, sagte Westerwelle.

mmq/dpa/Reuters

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insgesamt 22 Beiträge
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1. Muss passen ....
sltgroove 28.08.2012
Im Juli betrug das Netto-Abfluß der Deposite in spanischen Banken 5% . Was wird hier verzapft ??? Nochmal, eine ZeroHedge-Korrektur für die Muppets: "Yesterday, Spain was kind enough to advise those who track its economy, that things in 2010 and 2011 were in fact worse than had been reported, following an adjustment to both 2010 and 2011 GDP "historical" data. Today, we learn that Q2 data (also pending further downward adjustments), contracted by 0.4% sequentially in Q2, in line with expectations, but somehow, and we have to figure out the math on this, the drop on a Year over Year basis was far worse than expected, printing at -1.3% on expectations of just a -1.0% decline. However, while its economic collapse is well known by all, the surprise came in the deposits department which imploded by a whopping 5% in July, plunging to 1.509 trillion euros at end-July from 1.583 trillion in the previous month. Keep in mind this is after the June 29 European summit which supposedly fixed everything. Turns out it didn't, and the people are no longer stupid enough to believe anything Europe's pathological liar politicians spew.The good news: Greek deposits saw a dead cat bounce after collapsing by ridiculous amounts in the past several years: at this point anyone who puts their money in Greek banks must surely realize that the probability of getting even one cent back is equal odds with going to Vegas and at least having a good time while watching one's money burn. " Any further questions ?????
2. Da werden sich die Herren Dobrindt/Seehofer/Söder aber ärgern
wolfgangotto 28.08.2012
Da werden sich die Herren Dobrindt/Seehofer/Söder aber ärgern!
3.
muellerthomas 28.08.2012
Zitat von sltgrooveIm Juli betrug das Netto-Abfluß der Deposite in spanischen Banken 5% . Was wird hier verzapft ??? Nochmal, eine ZeroHedge-Korrektur für die Muppets: "However, while its economic collapse is well known by all, the surprise came in the deposits department which imploded by a whopping 5% in July, plunging to 1.509 trillion euros at end-July from 1.583 trillion in the previous month.
Das sind die Total Deposits non MFI ex central government. Die Total Retail Deposits sind hingegen gestiegen.
4. Merkwürdige Formulierung!
c54 28.08.2012
"...doch aus dem Land kommen auch positive Nachrichten. Denn die Regierung konnte sich zu deutlich günstigeren Zinsen Geld bei Investoren leihen...." Das ist doch keine positive Nachricht "aus" dem Land, sondern allenfalls "für" das Land. Die günstigeren Zinsen sind schließlich nicht hausgemacht in Spanien, sondern kommen ausschließlich durch die geplanten oder bereits laufenden Tricksereien der EZB und Konsorten zustande.
5.
mabb 28.08.2012
Ein paar Dumme gibts immer.
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Bevölkerung: 11,305 Mio.

Hauptstadt: Athen

Staatsoberhaupt:
Karolos Papoulias

Regierungschef: Antonis Samaras

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