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Euro-Krise Weltbank-Boss verlangt mehr Führung von Merkel

Weltbank-Chef Zoellick: "Kein anderes Land kann Europa aus der Krise führen"Zur Großansicht
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Weltbank-Chef Zoellick: "Kein anderes Land kann Europa aus der Krise führen"

Lob für den Fiskalpakt, Tadel für Knauserigkeit: Weltbank-Chef Robert Zoellick hat Deutschland in einem Zeitungsbeitrag aufgefordert, bei der Lösung der Euro-Krise entschlossener zu handeln. Im aktuellen Konflikt um einen größeren Rettungsschirm scheint sich die Bundesregierung bereits zu bewegen.

Washington - Wie Zuckerbrot und Peitsche muss Angela Merkel den Gastbeitrag empfinden, den Robert Zoellick für die "Financial Times" verfasst hat. Darin lobt der Präsident der Weltbank die Bundeskanzlerin für ihr Drängen auf mehr Haushaltsdisziplin und den Fiskalpakt. Gleichzeitig mahnt er Deutschland eindringlich, in der Euro-Krise die Führung zu übernehmen. Dazu gehöre auch, die neuen Regierungen etwa in Italien oder Griechenland aktiv dabei zu unterstützen, ihre Länder wieder auf Wachstumskurs zu bringen.

Deutschland habe nun die Verantwortung, bei der Rettung Europas die Führungsrolle einzunehmen, schreibt Zoellick. Dies falle den Deutschen schon deshalb nicht leicht, weil sie jahrzehntelang darauf bedacht waren, sich in der EU zurückzunehmen. "Aber kein anderes Land kann Europa aus der Krise und in einen Aufschwung führen." Allerdings gesteht der Weltbank-Chef Deutschland zu, von außen oft dazu gedrängt zu werden, mehr zu tun - und dann im Gegenzug dafür kritisiert zu werden, dabei zu dominant aufzutreten.

Zurzeit liegt Deutschland etwa mit der Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, und Italiens Ministerpräsident Mario Monti im Clinch. Sie fordern, das Kreditvolumen des dauerhaften Euro-Rettungsschirms ESM von geplanten 500 Milliarden Euro aufzustocken - Monti schwebt dabei eine Verdopplung auf eine Billion Euro vor. Auch EU-Währungskommissar Olli Rehn unterstützt eine Ausweitung des ESM, die Bundesregierung blockte dieses Ansinnen jedoch bisher ab. Sowohl Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) als auch Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) verwiesen darauf, dass vereinbart worden sei, das ESM-Volumen erst im März zu überprüfen.

Nun zeichnet sich in diesem Konflikt aber eine Bewegung innerhalb der Bundesregierung ab: Der prominente FDP-Finanzexperte Hermann Otto Solms hat in der "Rheinischen Post" einen Kompromiss ins Spiel gebracht. Demnach könnten die nicht verbrauchten Mittel aus dem bereits bestehenden Rettungsschirm EFSF auf den ESM übertragen werden. Faktisch wäre dies eine Ausweitung, denn eigentlich sollten die restlichen EFSF-Mittel mit dem ESM verrechnet werden.

Laut Insidern hatte Kanzlerin Merkel hinter den Kulissen ohnehin bereits ihre Bereitschaft erkennen lassen, über eine ESM-Aufstockung zu verhandeln, aber auf innenpolitische Widerstände verwiesen. Damit dürfte der Koalitionspartner FDP gemeint gewesen sein - viele Abgeordnete hatten bereits bei der Abstimmung über das aktuelle geplante Volumen des Rettungsschirms nicht oder nur widerwillig zugestimmt.

Zoellick schlägt Euro-Bonds zur Schuldentilgung vor

In seinem Gastbeitrag für die "FT" springt Weltbank-Chef Zoellick der Bundesregierung beim Ringen um mehr Stabilität grundsätzlich zur Seite. Es sei ermutigend, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel auf einen Fiskalpakt dringe, um eine strengere Haushaltsdisziplin zu gewährleisten. Zusammen mit den Spar- und Reformkursen der neuen Regierungen in Spanien und Italien sowie der Unterstützung der Europäischen Zentralbank "hat Frau Merkels neue Richtung die Aussichten verbessert. Aber diese Schritte reichen nicht." Denn es wimmele geradezu vor weiteren Risiken. Europa sei bisher immer nur von einer kleinen Lösung zur nächsten gestolpert.

Der Weltbank-Chef fordert von Deutschland, nicht immer nur widerwillig und im letztmöglichen Moment zu helfen. Stattdessen "sollten Deutschland und seine europäischen Partner jetzt Anreize auf den Tisch legen". Italiens neuer Regierungschef Mario Monti etwa drohe die politische Gefolgschaft zu verlieren, wenn die Bevölkerung im Gegenzug für die harten Sparmaßnahmen keine Verbesserung ihrer Lage erkennen könne. "Deutschland kann nicht und sollte nicht Länder retten, wenn diese nicht handeln, um sich selbst zu retten", schreibt Zoellick. "Aber es kann Reformern beistehen, um politische Unterstützung aufrecht zu erhalten."

Wie Deutschland seine Führungsrolle konkret ausfüllen könne, skizziert Zoellickebenfalls. So könnten etwa gemeinsame Anleihen der Euro-Staaten nur für die bereits aufgehäuften Schulden ausgegeben werden. Dies würde dazu führen, dass der Druck der Finanzmärkte auf die hochverschuldeten Länder sinke, während sie gleichzeitig nicht in Versuchung kämen, sich über die günstigen Euro-Bonds mit neuen Schulden einzudecken und die Haushaltsdisziplin schleifenzulassen.

Einspruch kommt von Bundesbank-Chef Jens Weidmann. Der wehrte sich am Dienstagabend bei einer Rede in Eschborn gegen das Argument, die Euro-Zone würde sich kaputtsparen. Vielmehr müsse das Vertrauen in die Haushaltsführung wiederhergestellt werden. Die Wachstumskräfte in den Krisenländern müssten durch Strukturreformen mobilisiert werden und nicht "durch zweifelhafte konjunkturelle Strohfeuer". Euro-Bonds lehnte Weidmann ebenso wie eine aktivere und damit riskantere Rolle der Europäischen Zentralbank in der Euro-Krise.

fdi/Reuters

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insgesamt 15 Beiträge
MtSchiara 25.01.2012
Seit wann führen denn harte Sparmaßnahmen zur Verbesserung einer Lage? Harte Sparmaßnahmen führen nicht einmal dazu, zu sparen, sondern lediglich dazu, weniger neue Schulden zu machen. Bei dieser Äußerung Montis wird [...]
Zitat von ArtikelItaliens neuer Regierungschef Mario Monti etwa drohe die politische Gefolgschaft zu verlieren, wenn die Bevölkerung im Gegenzug für die harten Sparmaßnahmen keine Verbesserung ihrer Lage erkennen könne.
Seit wann führen denn harte Sparmaßnahmen zur Verbesserung einer Lage? Harte Sparmaßnahmen führen nicht einmal dazu, zu sparen, sondern lediglich dazu, weniger neue Schulden zu machen. Bei dieser Äußerung Montis wird offensichtlich, was eines der Probleme von Italien ist: falsche Vorstellungen in der Bevölkerung darüber, worum es sich bei "harten Sparmaßnahmen" überhaupt handelt. Dies bedeutet allerdings, daß nicht Deutschland führt, sondern Zoellick. Was Zoellick mit einer "deutschen Führungsrolle" meint, ist daß Deutschland eben nicht führt, sondern das tut, was andere wollen. Wie soll man denn Staatsanleihenausgaben zur Refinanzierung von denen Unterscheiden, die der Neuverschuldung dienen? Eine Alternative zu Eurobonds wird von den Südländern leider nicht ins Gespräch gebracht. Um die Zinskosten innerhalb der Eurozone anzugleichen, könnte Deutschland auch die Differenz zwischen den eigenen Zinsen und errechneten hypothetischen Eurobond-Zinsen in einen Euro-Fonds einzahlen. Mit diesem Geld werden dann diejenigen Südländer unterstützt, denen es mithilfe dieses Ausgleiches gelingt, einen ausgeglichenen Haushalt vorzulegen. Vorteil dieser Regelung gegenüber Eurobonds wäre, daß Deutschland nicht für fremde Schulden haftet und die Unterstützung sofort eingestellt wird, wenn ein Südland wieder über seine Verhältnisse lebt. Auch das Verlassen der Eurozone bliebe damit als Option bestehen.
masc672 25.01.2012
Deutschland handelt, sind die anderen beleidigt und sprechen wieder von Machtansprüchen der Deutschen. Sag es doch einfacher: Ich will euer Geld. Das ist dann wenigstens nicht so heuchlerisch.
Zitat von sysopLob für den Fiskalpakt, Tadel für Knauserigkeit: Weltbank-Chef Robert Zoellick hat Deutschland in einem Zeitungsbeitrag aufgefordert, bei der Lösung der Euro-Krise entschlossener zu handeln. Im aktuellen Konflikt um einen größeren Rettungsschirm scheint sich die Bundesregierung bereits zu bewegen. Euro-Krise: Weltbank-Boss*verlangt mehr Führung von*Merkel - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,811218,00.html)
Deutschland handelt, sind die anderen beleidigt und sprechen wieder von Machtansprüchen der Deutschen. Sag es doch einfacher: Ich will euer Geld. Das ist dann wenigstens nicht so heuchlerisch.
localpatriot 25.01.2012
'Deutschland habe nun die Verantwortung, bei der Rettung Europas die Führungsrolle einzunehmen, schreibt Zoellick. Dies falle den Deutschen schon deshalb nicht leicht, weil sie jahrzehntelang darauf bedacht waren, sich in der EU [...]
'Deutschland habe nun die Verantwortung, bei der Rettung Europas die Führungsrolle einzunehmen, schreibt Zoellick. Dies falle den Deutschen schon deshalb nicht leicht, weil sie jahrzehntelang darauf bedacht waren, sich in der EU zurückzunehmen. "Aber kein anderes Land kann Europa aus der Krise und in einen Aufschwung führen." so schreibt der SPON. Es ist der Kaese in der Mausefalle um die Kanlzerin und das deutsche Volk in eine Scheinfuerhrungsrolle zu locken die niemand in der EU oder in der westlchen Welt will oder tolerieren koennte. Man sucht hier den 'Fall Guy', jemanden der reinfaellt, der sich reinlegen laesst. Werimmer die Fuehrungsrolle bei der Euromisere uebernimmt wird letzten Endes ueber die Kohlen gezogen, denn es gibt kein ueberfluessiges Geld um die Schulden der Vergangenheit abzustottern. Es gibt nur muehsame Arbeit und die Blamage fuer das ganze soll die deutsche Regierung dem eigenen Volk bestimmt nicht an den Hals haengen. Deutschland hat keinen Wunsch auf Fuehrung und macht ueberhaupt keinen Anspruch. Herr Zoellick ist sich dessen bewusst. Er muss einen anderen Suendenbock fuer die Euromisere suchen. Finger weg - Frau Kanzlerin, ja die Finger weg.
Herr Hold 25.01.2012
Ich schrieb es schon mehrfach, leider äußern sich zwar viele Wissenden und Halbwissende zu unterschiedlichsten Themen, aber nie dazu, wie "die Regierung bewegt sich" mit dem letzten BVG-Urteil zusammenpasst: [...]
Zitat von sysopLob für den Fiskalpakt, Tadel für Knauserigkeit: Weltbank-Chef Robert Zoellick hat Deutschland in einem Zeitungsbeitrag aufgefordert, bei der Lösung der Euro-Krise entschlossener zu handeln. Im aktuellen Konflikt um einen größeren Rettungsschirm scheint sich die Bundesregierung bereits zu bewegen. Euro-Krise: Weltbank-Boss*verlangt mehr Führung von*Merkel - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,811218,00.html)
Ich schrieb es schon mehrfach, leider äußern sich zwar viele Wissenden und Halbwissende zu unterschiedlichsten Themen, aber nie dazu, wie "die Regierung bewegt sich" mit dem letzten BVG-Urteil zusammenpasst: "Erlaubt das Grundgesetzes eine weitere europäische Integration? Ich denke, der Rahmen ist wohl weitgehend ausgeschöpft. Und wenn die Politik doch weitergehen will? Die souveräne Staatlichkeit Deutschlands wird durch das Grundgesetz unabänderbar garantiert. Sie darf auch durch den verfassungsändernden Gesetzgeber aufgrund der im Grundgesetz verankerten Ewigkeitsgarantie nicht aufgegeben werden. Danach sind Änderungen des Grundgesetzes, die Strukturprinzipien berühren - Demokratieprinzip, Rechtsstaatsprinzip, Sozialstaatsprinzip, Bundesstaatlichkeit -, unzulässig. Könnte man die Budgethoheit des Bundestags teilweise europäischen Institutionen übertragen? Für eine Abgabe weiterer Kernkompetenzen an die Europäische Union dürfte nicht mehr viel Spielraum bestehen. Wollte man diese Grenze überschreiten, was politisch ja durchaus richtig und gewollt sein kann, müsste Deutschland sich eine neue Verfassung geben. Dafür wäre ein Volksentscheid nötig. Ohne das Volk geht es nicht! " Im Gespräch: Andreas Voßkuhle: (http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/europas-schuldenkrise/im-gespraech-andreas-vosskuhle-mehr-europa-laesst-das-grundgesetz-kaum-zu-11369184.html) Das ist in diesem Zusammenhang ja wohl die wirklich spannende Frage. Da könnten sich doch die "Fachleute" der jeweiligen parteien mal zu äußern. Aber das wird stillschweigend ignoriert. Oder man ist immer noch mit der unglaublich wichtigen und spannenden Wulff-Frage beschäftigt.
Herr Hold 25.01.2012
Zumal "politisch unterstützen" und "beim Ankurbeln der Wirtschaft hellfen" ja nicht immer automatisch heißt, dass Millardenbeträge zur Verfügung gestellt werden. Hat ja wohl in den letzten Jahren auch [...]
Zitat von masc672Deutschland handelt, sind die anderen beleidigt und sprechen wieder von Machtansprüchen der Deutschen. Sag es doch einfacher: Ich will euer Geld. Das ist dann wenigstens nicht so heuchlerisch.
Zumal "politisch unterstützen" und "beim Ankurbeln der Wirtschaft hellfen" ja nicht immer automatisch heißt, dass Millardenbeträge zur Verfügung gestellt werden. Hat ja wohl in den letzten Jahren auch nichts gebracht.
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