Woher kommt dieser Hass auf den Euro, diese gefühlte Überheblichkeit gegenüber Ländern wie Griechenland und Irland, diese so kompromisslose D-Mark-Nostalgie? Ehrlich gesagt: Ich weiß es nicht.
Was ich weiß, ist, dass mir die Mails Sorgen machen, die ich auf pro-europäische Geschichten bekomme. Mit Kritik kann ich gut leben, ich sehe meine Artikel als Beitrag zur Meinungsvielfalt. Nicht mehr und nicht weniger. Aber die Beschimpfungen waren zum Teil so verletzend, dass ich schlucken musste.
Die Resonanz der Leser und Gespräche im Freundes- und Bekanntenkreis zeigen mir, dass ein beträchtlicher Teil der Bundesbürger immer noch der Meinung ist, Deutschland sei etwas Besseres, wir seien das Vorbild schlechthin für andere Staaten. Vielleicht ist manch einer von den unsäglichen Anti-Euro-Kampagnen beeinflusst, die Boulevardmedien 2010 gefahren haben ("Ihr Griechen, ihr griecht nix von uns").
Was aus meiner Sicht in der Debatte der vergangenen Monate ausgeblendet wurde, ist die Tatsache, dass Deutschland nur im Moment ganz gut dasteht. Langfristig taugen wir nicht wirklich als Vorbild für Stabilität. Wir haben viele Schulden, und unsere demografische Entwicklung ist beängstigend. Statt auf anderen Ländern herumzuhacken, sollten wir uns lieber fragen, ob die Akteure auf den Finanzmärkten eigentlich in 20 oder 30 Jahren noch deutsche Staatsanleihen kaufen werden.
Falls nicht, könnte sich die Bundesrepublik ganz schnell zu einem Dunkel-Deutschland entwickeln. Selbst wenn wir künftig keine neuen Schulden mehr aufnehmen, müssen wir über Jahrzehnte 200 bis 300 Milliarden Euro pro Jahr refinanzieren, also alte Kredite von Bund, Ländern und Gemeinden durch neue ablösen. Gibt uns niemand mehr dieses Geld, müssen wir 2030 oder 2040 wahrscheinlich in China oder Indien um Hilfe betteln. Und sind dann mit Sicherheit dankbar, wenn uns diese Länder weder hasserfüllt noch überheblich behandeln.
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