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Euro-Krise: Wirtschaftsweiser warnt vor Spekulationen gegen Deutschland

Die Euro-Staaten ringen beim Gipfel um den Weg aus der Schuldenkrise. Doch reichen die angepeilten Schritte? Der deutsche Wirtschaftsweise Lars Feld hat seine Zweifel: Im Interview verlangt er ein hartes Spardiktat - und im Extremfall eine Umschuldung zu Lasten privater Gläubiger.

Aktienhändler in Portugal: "Griechenland wird in jedem Fall umschulden müssen" Zur Großansicht
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Aktienhändler in Portugal: "Griechenland wird in jedem Fall umschulden müssen"

SPIEGEL ONLINE: Herr Feld, der EU-Gipfel, der am Donnerstag beginnt, soll einen "Pakt für den Euro" verabschieden. Ist die Währung nun endlich gerettet?

Feld: Was wir erleben, ist nicht so sehr die Rettung des Euro, sondern die einzelner Länder. Solange Griechenland, Portugal und andere hochverschuldet sind, werden wir bangen müssen.

SPIEGEL ONLINE: Die EU will einen dauerhaften Krisenfonds einrichten, den Stabilitätspakt verschärfen und im Extremfall auch private Gläubiger an einer Umschuldung von Staaten, also einem Verzicht auf einen Teil der Forderungen, beteiligen. Sind das richtige Schritte?

Feld: Eine Umschuldung von Staaten ist grundsätzlich sinnvoll. Die Beteiligung von privaten Gläubigern an Staatspleiten setzt für alle Anreize: Für die Banken, damit sie nicht so freigiebig Geld verleihen, die Schuldner, damit sie ihre Schulden abbauen, aber natürlich für weniger verschuldete Länder - damit sie weiter vernünftig haushalten.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind dafür, private Gläubiger zu beteiligen - auch wenn das für neue Unruhen an den Finanzmärkten sorgen könnte?

Feld: Ja, das bin ich. Die Pläne der EU verschieben diese Beteiligung zu weit nach hinten. Da klingt es so, als wollte niemand die Ankündigung umsetzen - und die meisten Politiker sowie die Europäische Zentralbank haben das auch so gesagt.

SPIEGEL ONLINE: Wann sollten Gläubiger denn in die Pflicht genommen werden?

Feld: Wenn die Verschuldung eines Landes nicht mehr tragfähig ist. Dass kann man zum Beispiel am sogenannten Zins-Spread festmachen - also am Aufpreis, den verschuldete Länder zahlen müssen, um sich neues Geld zu leihen.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind als Wirtschaftsweiser nicht mal einen Monat im Amt und haben in dieser Zeit schon mehrfach eine Umschuldung von Griechenland gefordert. Haben Sie keine Sorge, dass Sie damit zu einer Verschärfung der Krise beitragen?

Feld: Doch, das habe ich. Beim ersten Mal war ich schon erstaunt, wie viel Reaktionen das bei Marktbeobachtern ausgelöst hat. Trotzdem habe ich mir genau überlegt, dass ich es noch einmal sage. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Griechenland wird in jedem Fall umschulden müssen.

SPIEGEL ONLINE: Ein anderer Pleitekandidat ist Portugal, dort ist die Regierung gerade am Widerstand gegen ihr neues Sparpaket gescheitert.

Feld: Die Situation in Portugal ähnelt der in Irland: Ein Regierungswechsel verzögert die Konsolidierung und verschärft die Situation. Ich habe den Eindruck, dass in Portugal die politische Kraft fehlt und man deshalb lieber die EU und den Internationalen Währungsfonds hinzuzieht - als Sündenböcke.

SPIEGEL ONLINE: Gehen Sie fest von einer Pleite Portugals aus?

Feld: Das Problem ist: Konsolidierungsmaßnahmen müssen bis Ende März ergriffen werden. Bei einem Regierungswechsel wird die Zeit dafür einfach zu knapp. Das, was bisher unternommen wurde, reicht auch nicht auch aus. Man muss und kann mehr tun.

SPIEGEL ONLINE: Wo müsste mehr gespart werden?

Feld: In Portugal wie in Griechenland ist der öffentliche Sektor im europäischen Vergleich relativ fett, mit sehr vielen Beschäftigten. Auch im sozialen Bereich und bei fragwürdigen Infrastrukturprojekten muss mehr gespart werden.

SPIEGEL ONLINE: Der neue Euro-Rettungsschirm hat einen Umfang von 700 Milliarden. Sie haben gesagt, bei 750 Milliarden müsse Schluss sein. Warum?

Feld: Weil schon eine geringe Ausdehnung den Finanzmärkten die Hoffnung gibt, dass es immer weiter geht. Jede zusätzliche Ausdehnung würde immer weitere Aufstockungen bewirken.

SPIEGEL ONLINE: Aber in früheren Phasen der Krise hat die Politik jedes Mal reagiert, wenn die Märkte genug Druck gemacht haben. Wird das nicht dieses Mal genauso sein?

Feld: Nicht, wenn wir die Ansteckungsgefahr verringern. Dazu müssen wir im Finanzsektor zu einer vernünftigen Konsolidierung kommen. Wir haben die aktuellen Probleme, weil Banken insbesondere in Deutschland und Frankreich eine massive Umschuldung von staatlichen Schuldnern nicht verkraften würden. Deshalb retten wir Pleiteländer. Wir müssten aber genauso dringend den Bankensektor umstrukturieren.

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1. ......
SURE 24.03.2011
Zitat von sysopDie Euro-Staaten ringen beim Gipfel um den Weg aus der Schuldenkrise. Doch reichen die angepeilten Schritte? Der deutsche Wirtschaftsweise Lars Feld hat seine Zweifel: Im Interview verlangt er ein hartes Spardiktat - und im Extremfall eine Umschuldung zu Lasten privater Gläubiger. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,752797,00.html
Auch als nicht Wirtschaftsweiser wird es meiner Meinung nach keinen Ausweg geben aus der Schuldenfalle. Danke Jean Claude Juncker, Danke Angela Merkel, Danke HelmutKohl. Wir hoffen das bei Euch allen die Rente noch ausgezahlt werden kann. Wenn nicht, hilft sicherlich Herr Ackermann aus der Schweiz....mit Überbrückungsgeld. Das meine Kinder für die Schulden der Griechen und Portugiesen, sowie der hiesigen Banken aufkommen müssen, verschlägt einem die Sprache. Oder glaubt irgend jemand ernsthaft, dass die genannten Nationen in der Lage sein werden ihre Schulden zu bezahlen. Lachhaft.
2. Randy marsh
monokultur 24.03.2011
Zitat von sysopDie Euro-Staaten ringen beim Gipfel um den Weg aus der Schuldenkrise. Doch reichen die angepeilten Schritte? Der deutsche Wirtschaftsweise Lars Feld hat seine Zweifel: Im Interview verlangt er ein hartes Spardiktat - und im Extremfall eine Umschuldung zu Lasten privater Gläubiger. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,752797,00.html
Der Typ redet wie Randy Marsh in Margaritaville (south Park). Fehlt nur noch der Hinweis, wir hätten die Wirtschaft mit unseren Schulden erzürnt und müssten nun Abbitte leisten. Feld hat wie viele seiner liberalen "weisen" Kollegen schlicht und ergreifend das Grundprinzip des modernen Kapitalismus nicht verstanden. Es ist schon grotesk, dass hundertfünfzig Jahre nach Marx diese Kerle noch immer Blödsinn von sich geben wie "seit den 70ern lebt Deutschland über seine Verhältnisse". Macht der Staat keine Schulden mehr, machen es eben die privaten und Unternehmen entsprechend mehr. Halten auch die sich zurück, dann siehe Randy Marshs grenzdebile Theorie von der erzürnten Wirtschaft. Mir scheint, dass Marx und Keynes die einzigen waren und sind, die den Kapitalismus verstanden haben.
3. Der Mann hat Recht
hannesR 24.03.2011
Wir haben keine länder Schulden Krise sondern nach wie vor eine Bankenkrise. Wie können deutsche Banken an Griechenland 69 Milliarden Euro Darlehen ausreichen? Die Banken müssen massiv an dieser Schuldenlast beteiligt werden, denn sie haben sie ja selbst verursacht. Versuchen sie mal als Rentner mit einer guten Rente noch ein paar Euro Darlehen zu bekommen unmöglich! Griechenland wurde das Geld regelrecht aufgedrängt, wohl wissend dass der deutsche Steuerzahl dank korrupter Regierung das bezahlt. Das war genauso verabredet wie das AKW Moratorium
4. Spekulation gegen Deutschland
masc672 24.03.2011
Ist doch gut. Dann gehen wir auch unter den Rettungsfonds.
5. Spekulationen gegen Deutschland - eher nicht
cinder_cone 24.03.2011
Auch wenn ich in weiten Teilen den Ausfuehrungen von Professor Feld zustimme, an die Moeglichkeit einer zukuenftigen Spekulation gegen Deutschland glaube ich nicht - wer sollte denn dann noch bezahlen? Oder ist das, was jetzt laeuft, schon die Spekulation gegen Deutschland, und gar keine gegen Griechenland, Irland und Portugal?
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Zur Person
Walter Eucken Institut
Lars Feld ist seit März 2011 Mitglied des Sachverständigenrates der Bundesregierung und damit einer von fünf "Wirtschaftsweisen". Der Experte für Finanzpolitik studierte Volkswirtschaft in Saarbrücken und leitet seit 2010 das Walter-Eucken-Institut in Freiburg. Er ist Vater von drei Kindern, ein Fan von Rockmusik - und dem FC Bayern.

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15. März: Treffen der Finanzminister der EU

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