Von Stefan Kaiser und Sven Böll
Die Euro-Krise hat zwei Hauptursachen: Die hohen Schulden einiger Länder und die halbherzige Konstruktion der Währungsunion. Eine dieser Ursachen alleine hätte die Euro-Zone wohl nicht so schnell ins Wanken gebracht. Weil beide aber zusammenfielen, ist die Währungsgemeinschaft nun in akuter Gefahr.
Einige Euro-Länder haben in den vergangen Jahren extrem hohe Schuldenberge angehäuft. Griechenland, Italien und Irland etwa gehören zu den zehn am höchsten verschuldeten Staaten der Welt. Ihre Verbindlichkeiten sind höher als ihre jährliche Wirtschaftsleistung.
Die Gründe für die prekäre Lage sind vielfältig. Einige Staaten - allen voran Griechenland - haben den Euro-Beitritt genutzt, um günstige Darlehen aufzunehmen. Mussten sie früher mit ihren eigenen Währungen hohe Zinsen zahlen, ermöglichte ihnen die Zugehörigkeit zur Währungsunion eine attraktive Finanzierung. Das ging jedoch nur gut, solange der Schuldenstand nicht übermäßig stieg.
Genau das passierte allerdings als infolge der Finanzkrise 2008 und der anschließenden Rezession. Kleine Länder wie Irland mussten ihre überdimensionierten Banken retten - ein Unterfangen, das den Staatshaushalt völlig überforderte. Auch Staaten ohne einen überdimensionierten Finanzsektor litten unter der Krise. Zum Beispiel Portugal: Weil die Wirtschaftsleistung sank, brachen die Steuereinnahmen ein - und die Verschuldungsquote stieg.
Die steigenden Schulden allein hätten die Euro-Zone wohl noch nicht ins Wanken gebracht. Schließlich haben Länder wie die USA oder Japan höhere Verbindlichkeiten als der Durchschnitt der Euro-Länder. Anders als diese Staaten können die Euro-Mitglieder ihr Geld aber nicht abwerten - also im Vergleich zu anderen Währungen verbilligen -, um ihre Schulden zu reduzieren und ihre Waren billiger ins Ausland zu verkaufen.
Deshalb ist es in einer Währungsunion extrem wichtig, dass alle Teilnehmer eine möglichst einheitliche Wirtschafts- und Finanzpolitik betreiben. Diesen Aspekt haben die Gründungsväter des Euro zu wenig berücksichtigt. Sie haben zwar Schuldenobergrenzen im sogenannten Stabilitätspakt vereinbart. Richtig ernst hat die aber kaum jemand genommen - auch nicht Deutschland, das den Pakt zusammen mit Portugal und Frankreich als erstes Land gebrochen hat. Andere Kriterien, die eine engere wirtschaftspolitische Zusammenarbeit erzwingen würden, fehlen in der Währungsunion ganz.
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