Von Stefan Kaiser und Sven Böll
Auf den ersten Blick wäre das eine praktische Lösung, die auch von namhaften Experten unterstützt wird. "Jeder Versuch, Griechenland in der Euro-Zone zu stabilisieren und zu halten, ist ein Fass ohne Boden", sagt etwa Hans-Werner Sinn, Präsident des Münchner Ifo-Instituts. Er fürchtet, dass die übrigen Euro-Staaten immer mehr Geld nachschießen müssen, um Griechenland zu retten. Und Ottmar Issing, der ehemalige Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), beschwört sogar "das Ende der Währungsunion", wenn Griechenland Mitglied der Euro-Zone bleibt.
Die Sache mit dem Austritt hat allerdings einige Haken: Erstens kann niemand ein Land gegen dessen Willen aus der Euro-Zone werfen. Der Vertrag von Lissabon sieht lediglich einen freiwilligen Austritt vor. Zweitens wären aber auch damit längst nicht alle Probleme gelöst - weder die Griechenlands, noch die der übrigen Euro-Länder.
Griechenland könnte mit einer Rückkehr zur Drachme seine Waren zwar billiger ins Ausland verkaufen und wäre deshalb wettbewerbsfähiger. Die Schuldenlast aber bliebe - sie würde sogar noch drückender. Denn der griechische Staat hat sich in den vergangenen zehn Jahren in Euro verschuldet und muss diese Schulden auch in Euro zurückzahlen. Wenn die Drachme aber an Wert verliert, wird die Rückzahlung der Euro-Schulden immer teurer. Früher oder später würde ein Schuldenschnitt nötig. Griechenlands Gläubiger müssten also auf große Teile ihres Geldes verzichten.
Eine unkontrollierte Umschuldung ist aber genau das, was die meisten Euro-Staaten und vor allem die EZB derzeit verhindern wollen. Sie fürchten, dass ein solcher Schritt ein Chaos an den Finanzmärkten auslösen würde. Weil die europäischen Banken so stark miteinander vernetzt sind, könnte schon die Pleite eines größeren Instituts viele andere in Schwierigkeiten bringen. Wie schnell so etwas gehen kann, hat der Fall der US-Bank Lehman Brothers im Herbst 2008 gezeigt.
Zudem könnte ein Euro-Austritt Griechenlands einen Domino-Effekt nach sich ziehen: Ist ein Land erst mal raus aus der Währungsunion, könnten Spekulanten darauf setzen, dass noch weitere Länder zum Austritt gezwungen werden - und so einen sich selbst verstärkenden Prozess auslösen, der am Ende die gesamte Euro-Zone gefährdet. Davor warnen zum Beispiel die fünf Wirtschaftsweisen in einem Appell an die Bundesregierung.
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