Von Stefan Kaiser und Sven Böll
Es war ein schöner Plan: Am 26. März 2010 wurde Griechenland gerettet. Nach wochenlangem Gezerre einigten sich die damals noch 16 Euro-Staaten auf eine Nothilfe, die die Finanzmärkte endlich beruhigen sollte. Die Euro-Krise schien ausgestanden.
Leider hat der Plan nicht so richtig funktioniert. Dem Krisen-Gipfel Ende März folgte ein weiterer Anfang Mai. Aus den bis zu 25 Milliarden Euro, die man den Griechen ursprünglich zur Verfügung stellen wollte, waren da schon 110 Milliarden Euro geworden. Und eine Woche später musste plötzlich sogar ein gigantischer Hilfsfonds mit 440 Milliarden Euro her, um die gesamte Euro-Zone zu stabilisieren. Seitdem reiht sich Krisengipfel an Krisengipfel. Und jedes Mal einigen sich die Euro-Staaten genau auf die Dosis Rettung, die ausreicht, den unmittelbaren Kollaps zu vermeiden.
An diesem Donnerstag kommen die Staats-und Regierungschefs der Euro-Länder erneut zusammen. Diesmal sollen sie das zweite Griechenland-Rettungspaket beschließen, über das sie schon seit Monaten diskutieren. Es geht um bis zu 120 Milliarden Euro zusätzlich - und die Frage, wie man private Gläubiger an der Rettung des Landes beteiligt. Auch der Hilfsfonds für die übrigen Euro-Länder soll mehr Möglichkeiten bekommen, das Schlimmste zu vermeiden.
Und unmittelbar vor dem Sondergipfel gab es einen langen Abend im Berliner Kanzleramt für BundeskanzlerinAngela Merkel, Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy und den EZB-Chef Jean-Claude Trichet. Sie suchten nach einem gemeinsamen Vorschlag für das Hilfspaket, der auf dem Gipfel angenommen werden kann. Deutsche Regierungskreise verbreiteten in der Nacht Hoffnungen, dass die drei sich auf ein Paket einigen könnten. Wenn sie eine gemeinsame Linie finden, gilt eine Lösung auf dem Treffen der Staats- und Regierungschefs an diesem Donnerstag als wahrscheinlich.
Doch den den ganz großen Wurf, der die Krise beendet, erwartet auch diesmal kaum jemand. Abgesehen davon, dass selbst die klügsten Ökonomen sich nicht einig sind, wie man aus dem Dauer-Rettungsmechanismus rauskommt, verhindern vor allem die nationalen Eitelkeiten eine weitergehende Lösung. Kaum ein Regierungschef kann es sich erlauben, Souveränitätsrechte seines Landes zugunsten Europas aufzugeben.
Und angesichts einer wachsenden Integrationsskepsis in vielen Ländern wird auch der Spielraum für finanzielle Hilfen immer enger. Gerade in Deutschland liegt vielen Bürgern auch deshalb so wenig an der Rettung des Euro, weil ihnen die gemeinsame Währung nach fast zehn Jahren immer noch fremd ist. Hinzu kommt: Je länger die Krise des Euro dauert, desto undurchsichtiger wird sie.
Aber warum ist unsere Währung eigentlich in der Krise? Welche Vorteile bringt sie uns? Und ist Europa nun auf dem Weg in eine Transferunion? Antworten auf die wichtigsten Fragen:
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