Euro-Krisengipfel Vorhang auf für den nächsten Rettungsakt

Absturz, Hilfe, Absturz, Hilfe - statt mit einem Masterplan wollen die EU-Lenker den Euro in Trippelschritten stabilisieren. Jetzt treffen sie sich schon wieder, am Mittwochabend rangen Kanzlerin Merkel, Präsident Sarkozy und EZB-Chef Trichet um eine Vorentscheidung. Warum ist diese Krise eigentlich nie vorbei? 

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EU-Gipfel: Viele Probleme, wenige Lösungen
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EU-Gipfel: Viele Probleme, wenige Lösungen

Es war ein schöner Plan: Am 26. März 2010 wurde Griechenland gerettet. Nach wochenlangem Gezerre einigten sich die damals noch 16 Euro-Staaten auf eine Nothilfe, die die Finanzmärkte endlich beruhigen sollte. Die Euro-Krise schien ausgestanden.

Leider hat der Plan nicht so richtig funktioniert. Dem Krisen-Gipfel Ende März folgte ein weiterer Anfang Mai. Aus den bis zu 25 Milliarden Euro, die man den Griechen ursprünglich zur Verfügung stellen wollte, waren da schon 110 Milliarden Euro geworden. Und eine Woche später musste plötzlich sogar ein gigantischer Hilfsfonds mit 440 Milliarden Euro her, um die gesamte Euro-Zone zu stabilisieren. Seitdem reiht sich Krisengipfel an Krisengipfel. Und jedes Mal einigen sich die Euro-Staaten genau auf die Dosis Rettung, die ausreicht, den unmittelbaren Kollaps zu vermeiden.

An diesem Donnerstag kommen die Staats-und Regierungschefs der Euro-Länder erneut zusammen. Diesmal sollen sie das zweite Griechenland-Rettungspaket beschließen, über das sie schon seit Monaten diskutieren. Es geht um bis zu 120 Milliarden Euro zusätzlich - und die Frage, wie man private Gläubiger an der Rettung des Landes beteiligt. Auch der Hilfsfonds für die übrigen Euro-Länder soll mehr Möglichkeiten bekommen, das Schlimmste zu vermeiden.

Und unmittelbar vor dem Sondergipfel gab es einen langen Abend im Berliner Kanzleramt für BundeskanzlerinAngela Merkel, Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy und den EZB-Chef Jean-Claude Trichet. Sie suchten nach einem gemeinsamen Vorschlag für das Hilfspaket, der auf dem Gipfel angenommen werden kann. Deutsche Regierungskreise verbreiteten in der Nacht Hoffnungen, dass die drei sich auf ein Paket einigen könnten. Wenn sie eine gemeinsame Linie finden, gilt eine Lösung auf dem Treffen der Staats- und Regierungschefs an diesem Donnerstag als wahrscheinlich.

Doch den den ganz großen Wurf, der die Krise beendet, erwartet auch diesmal kaum jemand. Abgesehen davon, dass selbst die klügsten Ökonomen sich nicht einig sind, wie man aus dem Dauer-Rettungsmechanismus rauskommt, verhindern vor allem die nationalen Eitelkeiten eine weitergehende Lösung. Kaum ein Regierungschef kann es sich erlauben, Souveränitätsrechte seines Landes zugunsten Europas aufzugeben.

Und angesichts einer wachsenden Integrationsskepsis in vielen Ländern wird auch der Spielraum für finanzielle Hilfen immer enger. Gerade in Deutschland liegt vielen Bürgern auch deshalb so wenig an der Rettung des Euro, weil ihnen die gemeinsame Währung nach fast zehn Jahren immer noch fremd ist. Hinzu kommt: Je länger die Krise des Euro dauert, desto undurchsichtiger wird sie.

Aber warum ist unsere Währung eigentlich in der Krise? Welche Vorteile bringt sie uns? Und ist Europa nun auf dem Weg in eine Transferunion? Antworten auf die wichtigsten Fragen:

Antworten auf die wichtigsten Fragen zur Euro-Krise


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insgesamt 178 Beiträge
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SIEG 20.07.2011
1. Wenn die "Privaten" ...
... an der Rettung von Griechenland beteiligt werden, sei es "freiwillig", oder mit sanfter Gewalt, feststeht, dass die Bankkunden diese Ausfälle bezahlen werden. Mit anderen Worten, wir werden zweimal für die gleiche Sache zur Zahlung gezwungen. Freiwillig würde ich keinen Cent für diese aussichtslose Sache bezahlen! Ich denke, dass ich für viele Mitbürger hier spreche!
matt_us, 20.07.2011
2. 8 Punkte Plan zur Rettung des Euros
Zitat von sysopAbsturz, Hilfe, Absturz, Hilfe - statt mit einem großen Masterplan versuchen die EU-Lenker den Euro in Trippelschritten zu stabilisieren. Jetzt treffen sie sich schon wieder zu einem Not-Gipfel. Warum ist diese Krise eigentlich nie*vorbei?*Und mutiert Europa nun endgültig zur Transferunion? http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,775525,00.html
8 Punkte Masterplan einfuehren: 1) Rettungsschirm ist ein legitimer Kredit, der die manipulativen Bondmaerkte, die Griechenland in die Pleite treiben wollen, ersetzen muss. 2) Ein Verstoss gegen das Stabilitaetsgesetz, das ausgeglichene Handelsbilanzen fordert, ist gegen das deutsche Stabilitaetsgesetz. Deshalb wird sofort, zum Ausgleich jedem Bundesbuerger der nach GR, IT, SPA, IRL fahren will, 1000 Euro von der Bundesregierung gezahlt. 3) Griechen koennen 350 Mrd Schulden zurueckzahlen, Dank der 280 Mrd griechischer Spareinlagen in der Schweiz. Sie muessen eine Vermoegensteuer einfuehren. 4) Nackte CDS (also reine Spekulations CDS) werden ab sofort verboten. Das heisst jeder CDS Besitzer muss sich ab sofort mit Anleihen eindecken. 5) Alle Credit Default Swaps werden ab Dezember 2011 verboten. 6) Von jetzt bis Dezember 2011 muss jeder CDS Kauefer und jeder CDS Verkauefer seine je 30% “Europeripherierettungssteuer” auf den Versicherungswert abfuehren. 7) Der EFSF kauft massiv Anleihen auf dem freien Markt, um Anleihenrenditen nach unten zu manipulieren auf 3,5% fuer Griechenland, 3,4% Irland, 3,3% Portugal. 8) Langfristig wird den Banken Europas eine Zwangsanleihe fuer Griechenland aufgedrueckt, die mit 3% verzinst wird (oder 2,5% mit EU Buergschaft) Alle Regierungsschefs, die EU, IWF, EZB, sollten immer nur diese 8 Punkte wiederholen, und die Sachen auch sofort durchfuehren. Die Krise waere morgen vorbei.
bhayes 20.07.2011
3. "Warum ist diese Krise eigentlich nie vorbei?"
Weil wir in der Politik und in den Medien fast nur Leute haben, die das Thema nicht verstehen, die einfach keine Ahnung von Wirtschaft und erst recht nicht vom Geldsystem haben. Lesen Sie mal das Dokument "Die Überschuldungskrise – Jetzt wird unser Geld verschleudert", dann erst verstehen Sie alle wesentlichen Teilfacetten der Thematik. Merkel & Co. lassen sich von dubiosen Figuren irgendein Schrott einflüstern, fallen darauf rein, sind dann noch verblendet bzgl. EU und kommen so zu Entscheidungen, die vollkommen verheerend für uns alle sind. Wir können uns morgen z.B. auf weitere dutzende Milliarden an verschleuderten Steuergeldern einstellen. Und wenn der ESM kommt (siehe Petition 18123), dann sind wir min. 100 Mrd. pro Jahr los. Bis in alle Ewigkeit.
brunokoch, 20.07.2011
4. .
Zitat von sysopAbsturz, Hilfe, Absturz, Hilfe - statt mit einem großen Masterplan versuchen die EU-Lenker den Euro in Trippelschritten zu stabilisieren. Jetzt treffen sie sich schon wieder zu einem Not-Gipfel. Warum ist diese Krise eigentlich nie*vorbei?*Und mutiert Europa nun endgültig zur Transferunion? http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,775525,00.html
- Weil Schulden sich nicht einfach in Luft auflösen - Das war Europa schon immer.
h4ush3rr 20.07.2011
5. Hoffentlich ist bald Schluss
Keiner wollte ihn, keiner braucht ihn. Je schneller dieser Euro-Mumpitz wieder in der Versenkung verschwindet, desto besser.
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