Pläne der Euro-Retter: Reiche Russen sollen Zypern retten

Ausländische Investoren und reiche Zyprer sollen für die Rettung des Krisenstaates zahlen. Berichten zufolge prüfen die Euro-Retter, wie sie russische Kontoinhaber an dem Milliardenpaket beteiligen. Im Gespräch sind ein Schuldenschnitt und eine Vermögensabgabe.

Wahlkampf in Nikosia: Reiche Zyprer sollen an Rettung beteiligt werden. Zur Großansicht
AP/dpa

Wahlkampf in Nikosia: Reiche Zyprer sollen an Rettung beteiligt werden.

Brüssel - Die Euro-Länder prüfen offenbar mehrere Maßnahmen, um das geplante Hilfspaket für Zypern zu verkleinern. Das berichten "Handelsblatt" und "Süddeutsche Zeitung" ("SZ") mit Verweis auf namentlich nicht genannte Kenner der Verhandlungen. Überlegt werde, Forderungen von Gläubigern gegen Banken in Beteiligungen an den Geldhäusern umzuwandeln. Die radikalste Option wäre eine Nutzung der Spareinlagen, die auf den Bankkonten des Landes liegen. Die EU-Kommission sieht diese Option, ein sogenanntes Bail-in, allerdings kritisch. In Brüssel befürchtet man laut "Handelsblatt", dass ein solcher Schritt das Vertrauen der internationalen Finanzmärkte in die Euro-Zone erschüttern könnte. Die Gefahr sei, dass die Bereitschaft, in Krisenländer zu investieren, abnehme.

Zypern benötigt dringend bis zu 17,5 Milliarden Euro, um seine Banken und die Staatsfinanzen zu stabilisieren. Das Land gilt als Steuerparadies, vor allem für reiche Russen. Die potentiellen Geldgeber schrecken deshalb vor schnellen Hilfen zurück. Vor allem die Bundesregierung scheut sich, dem Parlament kurz vor der Bundestagswahl ein neues Milliardenhilfspaket zur Abstimmung vorzulegen. Die SPD fordert für eine Zustimmung zu den Hilfen, dass Zypern seinen Status als Steuerparadies aufgibt.

Dazu kommt: Die Euro-Retter sehen den Berichten zufolge ein Problem bei der Schuldentragfähigkeit Zyperns. Im Falle eines Hilfspakets über 17,5 Milliarden Euro würden die Staatsschulden auf 140 Prozent der Wirtschaftsleistung ansteigen.

Zypern beim Pro-Kopf-Einkommen vor Deutschland

Man müsse die finanzielle Stabilität der Währungsunion im Blick behalten, hieß es in Brüssel. Eine Möglichkeit beim Bail-in wäre es auch, die Guthaben der Zyprer nicht anzurühren, sondern nur die der ausländischen Sparer. Damit würden die Geldgeber auf den Unmut gegenüber Zypern als angeblichem Paradies für russisches Schwarzgeld reagieren. Ein solcher Schritt dürfte jedoch Rechtsstreitigkeiten mit den betroffenen Staaten provozieren.

Den Berichten zufolge diskutieren die Geldgeber auch über eine Vermögensabgabe für Zypern. So könnte man reiche Bürger an der Rettung beteiligen. Dazu passt eine bisher unveröffentlichte Studie der Europäischen Zentralbank (EZB). Der Zeitung zufolge haben die 17 nationalen Notenbanken unter EZB-Federführung die Vermögenssituation in den Euro-Staaten untersucht. Bei den privaten Pro-Kopf-Vermögen soll Zypern innerhalb der Euro-Zone in der Spitzengruppe liegen, noch vor Deutschland, Frankreich und Italien.

cte

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insgesamt 74 Beiträge
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1. ...und was
BarisP 22.02.2013
halten die "reichen Russen" von den Plänen? Heute sind es die Russen in Zypern, morgen eigene Bürger mit "auffällig" großem Konto....Es wird immer verrückter
2.
Whitejack 22.02.2013
Zitat von sysopREUTERSAusländische Investoren und reiche Zyprer sollen für die Rettung des Krisenstaates zahlen. Berichten zufolge prüfen die Euro-Retter, wie sie russische Kontoinhaber an dem Milliardenpaket beteiligen. Im Gespräch sind ein Schuldenschnitt und eine Vermögensabgabe. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/euro-retter-wollen-rettungspaket-fuer-zypern-verkleinern-a-884889.html
Warum eigentlich nicht? Wenn die Lösung der Probleme vor Ort geschehen kann, dann sollte das auch passieren; externe Hilfe sollte nur die Ultima Ratio sein. Zudem ist es auch für das betroffene Land immer unangenehm; man gibt damit letztlich Teile seiner Souveränität auf. Ich glaube kaum, dass Zypern seine günstigen Steuern aufrecht erhalten können wird, wenn es tatsächlich "gerettet" werden muss. Aber wie gesagt - erst müssen die lokalen Möglichkeiten ausgeschöpft werden. Wenn man dort an die Grenzen stößt, dann sollte die europäische Solidarität auch greifen.
3. wenn reiche Russen...
aldamann 22.02.2013
...ein finanzielles Gewissen hätten, hätten sie ihr Geld in Russland gelassen. Wie kommt da jemand auf die Idee, die würden plötzlich Steuern/Abgaben zahlen wollen?
4. Also auf Zypern hat jeder Zypriote mehr Vermögen als ein Deutscher ?
iffel1 22.02.2013
Na das geht bei einer Insel mit fast garkeinen Bodenschätzen ja wohl nicht. Der Tourismus kann solche Überschüsse bei den Einnahmen ja auch nicht generieren. Da ist irgendetwas faul ! EU-Knete darf es da nicht geben !
5.
üpoiu 22.02.2013
Zitat von sysopREUTERSAusländische Investoren und reiche Zyprer sollen für die Rettung des Krisenstaates zahlen. Berichten zufolge prüfen die Euro-Retter, wie sie russische Kontoinhaber an dem Milliardenpaket beteiligen. Im Gespräch sind ein Schuldenschnitt und eine Vermögensabgabe. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/euro-retter-wollen-rettungspaket-fuer-zypern-verkleinern-a-884889.html
Die Zyprioten könnten auf eine andere Idee kommen: Raus aus der EU, Hilfe von den Russen mit denen dann die riesigen Erdgasvorkommen vor Zypern erschlossen werden. Die Russen hätten dann wiederum die Möglichkeit, eine Marinebasis im Mittelmeer zu installieren, nachdem ihre Einzige in Syrien wohl wegfällt. Die Griechen könnten dann auch daran Gefallen finden und sich ebenfalls verabschieden und mit Rußland die riesigen Öl und Gas-Vorkommen in der Ägäis erschließen. Vorteil für Griechen und Zyprioten wäre zudem ein starker Partner, der Schutz vor Großmachtsphantasien der Türkei bietet. Aus Resteuropa kann man da ja keine Hilfe erwarten, das hat man damals bei der Besetzung Nordzyperns schon gesehen. Die Zeigefingerstaaten können dann von den Griechen das Gas und Öl kaufen, und sind in der Energieversorgung wieder abhängig von Nicht-EU-Staaten. Alles schöne Phantasie, aber wenn man sich die geopolitischen Zusammenhänge ansieht, wird man den wahren Grund finden, warum man Griechenland nicht schon längst hat Pleite gehen lassen. Ich sag nur billiger Zugriff auf Resourcen...
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