Euro-Rettung Deutschland stockt Bürgschaften für Krisenländer auf

Für die Rettung der Währungsunion geht die Bundesregierung immer größere Risiken ein: Nach SPIEGEL-Informationen bürgt sie notfalls mit weit mehr Geld für notleidende Staaten als bisher bekannt. Im Extremfall garantiert sie für bis zu 250 Milliarden Euro.

Euro-Symbol in Frankfurt: Bei Bedarf mehr Garantien aus Deutschland
REUTERS

Euro-Symbol in Frankfurt: Bei Bedarf mehr Garantien aus Deutschland


Hamburg - Der europäischen Währungsunion droht der Zerfall. Immer größer wird der Druck auf die Mitgliedstaaten, immer größer die Schuldenprobleme in Ländern wie Griechenland. Und Deutschland geht für den Erhalt der Euro-Zone immer größere Risiken ein.

Für den erweiterten europäischen Rettungsschirm EFSF will die Bundesregierung bei Bedarf viel mehr Garantien bereitstellen als die bisher bekannten 211 Milliarden Euro. Nach SPIEGEL-Informationen sind es schlimmstenfalls mehr als 250 Milliarden Euro. Bislang unbemerkt von der Öffentlichkeit übernimmt sie einen Passus aus dem bisherigen Regelwerk, laut dem die bereitgestellten Garantien bei Bedarf um 20 Prozent aufgestockt werden können.

Andere Länder dagegen versuchen, ihre Risiken zu minimieren. Kürzlich sorgte Finnland mit einer Sonderanforderung für Furore. Die Regierung in Helsinki beteiligt sich zwar am zweiten Rettungspaket für Griechenland, verlangt im Gegenzug aber Sicherheiten von dem hochverschuldeten Staat.

Nach SPIEGEL-Informationen können sich die Finanzminister der Euro-Zone inzwischen vorstellen, den finnischen Forderungen nachzugeben. Allerdings nur unter einer Bedingung: "Wer Garantien nur gegen ein Pfand vergibt, muss dafür einen Preis zahlen", sagte der belgische Finanzminister Didier Reynders dem SPIEGEL. "Länder, die auf ein Pfand verzichten, demonstrieren ein größeres Vertrauen in die griechische Politik und müssen daher eine höhere Rendite bekommen."

Alternativ könnten sich die Euro-Finanzminister auch vorstellen, dass Finnland sich nicht länger am zweiten Rettungspaket beteiligt und andere Länder die zusätzlichen Garantien übernehmen.

Fotostrecke

9  Bilder
Grafiken: Die wichtigsten Fakten zur Euro-Krise
Griechenlands Schuldenproblem bereitet den Ländern der Währungsunion zusehends Sorge. Die Regierung hatte eingeräumt, dass ihre Neuverschuldung in diesem Jahr weit höher ausfallen dürfte als erwartet. Wenn sich die Finanzen des schuldengeplagten Landes so weiterentwickelten, drohe in diesem Jahr ein Haushaltsdefizit von etwa 8,8 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung, berichten Zeitungen. Geplant waren 7,5 Prozent.

Lindner fordert Treuhandanstalt für Griechenland

Am Freitag gab es zudem heftige Spekulationen, weil eine Sitzung zwischen der griechischen Regierung und Vertretern von EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) überraschend unterbrochen worden war.

FDP-Generalsekretär Christian Lindner dringt auf eine Beschleunigung der Sparmaßnahmen. "Wenn die Griechen es selbst nicht schaffen, müssen die griechischen Staatsbeteiligungen an Industriebetrieben in europäischer Verantwortung verkauft werden", sagte er der "Bild am Sonntag". Eine Treuhandanstalt könnte die Verkäufe überwachen. Mit einer solchen hätten schon die Deutschen nach der Wiedervereinigung gute Erfahrungen gemacht.

Während die Euro-Länder über Griechenland streiten, kommt das ebenfalls hochverschuldete Irland mit seinen Sparbemühungen voran. Der Internationale Währungsfonds (IWF) gab am Freitag weitere 1,48 Milliarden Euro Hilfsgelder für die Regierung in Dublin frei. Diese sind Teil des Hilfspakets in Höhe von 85 Milliarden Euro, das vom IWF, der EU sowie durch bilaterale Kredite Großbritanniens, Schwedens und Dänemarks gestützt wird. Irland musste in der Finanzkrise viele nationale Banken retten, übernahm sich und drohte zuletzt selbst an seinen Schulden zu ersticken.

Inzwischen geht es mit Irland aber schon wieder bergauf. Die irische Regierung habe ihr wirtschaftliches Spar- und Umstrukturierungsprogramm "resolut" umgesetzt, hieß es in einer Mitteilung des IWF. Die Wirtschaft zeige Zeichen der Stabilisierung, der Zustand der Finanzmärkte habe sich verbessert.

Spanien, Portugal, Italien: Noch andere Euro-Länder kämpfen gegen hohe Staatsverschuldung an. Wie sie mit ihren Sparbemühungen vorankommen, entnehmen Sie folgender interaktiver Übersicht:

ssu/dpa



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 158 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
avn 04.09.2011
1. geld..
wir haben es ja! ;(
Medienkritiker 04.09.2011
2. Das kann es nicht sein!
"Alternativ könnten sich die Euro-Finanzminister auch vorstellen, dass Finnland sich nicht länger am zweiten Rettungspaket beteiligt und andere Länder die zusätzlichen Garantien übernehmen." Diese Aussage konterkariert die europäische Idee. Sollte dieser Ansatz nicht strikt ausgeklammert werden, dann sind jegliche weitere Bemühungen zur Einheit Europas völlig sinnfrei! Die vielgepriesene Stärkung Europas für die Zukunft, um nicht der wirtschaftlichen "Bedeutungslosigkeit" anheim zu fallen, kann nur durch Teilnahme SÄMTLICHER EU-Staaten umgesetzt werden. Ein Ausscheren Einzelner, zieht eine Kettenreaktion nach sich, durch welche sich die kleinen Staaten aus der finanziellen Verantwortung stehlen werden...das kann es nicht sein!!!
Pinin 04.09.2011
3. Dümmer gehts nimmer
"Länder, die auf ein Pfand verzichten, demonstrieren ein größeres Vertrauen in die griechische Politik und müssen daher eine höhere Rendite bekommen." Höhere Rendite von was? Höhere Rendite von einem Minus? Die Unverfrorenheit mit der die europäische Bevölkerung von der EU-Politiker-Elite angelogen wird nimmt also immer noch zu. Gibts noch jemanden der bei dem Wort Europa nicht "einen dicken Hals bekommt"?
sacco 04.09.2011
4.
extremfall? die summe wird noch weitaus höher
doc 123 04.09.2011
5. Kein Problem!
Zitat von sysopFür die Rettung der Währungsunion geht die Bundesregierung immer größere Risiken ein: Nach SPIEGEL-Informationen bürgt sie notfalls mit weit mehr Geld für notleidende Staaten als bisher bekannt. Im Extremfall garantiert sie für bis zu 250 Milliarden Euro. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,784279,00.html
Solange die Bürgschaften den jährlichen Bundeshaushalt (ca. 320 Milliarden) nicht übersteigen, sollten doch entsprechende Bürgschaften kein Problem sein! Das ist ironisch gemeint, keine Ahnung ob Politiker gerade so ticken und denken. Fragt sich mal NUR, wer diesem Treiben ein Ende bereiten kann oder will?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.