Krise der Währungsgemeinschaft Euro-Staaten scheitern mit Schuldenabbau

Die Krisenstaaten der Euro-Zone kommen beim Schuldenabbau nicht voran. Trotz des massiven Sparkurses drücken Griechenland Verbindlichkeiten in Höhe von 152 Prozent der Wirtschaftsleistung. Auch Italien, Portugal und Irland leiden weiter unter immensen Schulden.

Proteste in Athen: Das Land kommt trotz hartem Sparkurs kaum voran
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Proteste in Athen: Das Land kommt trotz hartem Sparkurs kaum voran


Luxemburg - Die Lage in der Euro-Zone scheint sich entspannt zu haben. Notenbanker und Politiker diagnostizieren eine deutliche Beruhigung auf den Kapitalmärkten. Diese Ruhe könnte jedoch trügerisch sein. Denn an den Problemen der Krisenländer hat sich wenig geändert. Nach wie vor leidet die Währungsunion unter immens hohen Schulden. Im dritten Quartal machten die Verbindlichkeiten der Euro-Zone 90 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) aus. Das teilte die Statistikbehörde Eurostat am Mittwoch in Luxemburg mit.

Am Ende des zweiten Quartals betrug der Schuldenstand 89,9 Prozent. Er ist also nahezu konstant. Verbindlichkeiten abzubauen ist bislang nicht gelungen. Laut dem Vertrag von Maastricht ist lediglich ein Schuldenstand von 60 Prozent des BIP erlaubt.

Noch dramatischer als der Durchschnittswert sind die Schuldenstände der einzelnen Krisenländer. Bei Griechenland liegt der Wert derzeit bei 152,6 Prozent der Wirtschaftsleistung. Italien hat einen Schuldenstand von 127,3 Prozent, bei Portugal sind es 120,3 Prozent und bei Irland 117,0 Prozent.

Im Falle Griechenlands ist das Ziel der Euro-Retter, die Verschuldung bis 2022 auf 120 Prozent des BIPs zu drücken. Dieser Wert gilt als tragfähig für das Land. Im vergangenen Jahr haben es die Hellenen immerhin geschafft, ihr Haushaltsdefizit auf 15,7 Milliarden Euro zu drücken. Im Vorjahr waren es noch 22,8 Milliarden Euro gewesen. Damit übertraf Griechenland sogar die Vorgaben der Geldgeber. Ein Problem ist aber die seit Jahren andauernde Rezession. Dadurch verschlimmert sich die Lage des Landes trotz des scharfen Sparkurses.

Den niedrigsten Schuldenstand in der Euro-Zone haben laut Eurostat Estland (9,6 Prozent) und Luxemburg (20,9 Prozent). Deutschland liegt mit 81,7 Prozent etwas unter dem Durchschnitt - aber ebenfalls deutlich über den Maastricht-Vorgaben.

Der Schuldenstand in den 27 Staaten der Europäischen Union (EU) blieb ebenfalls fast konstant. Er kletterte im dritten Quartal von 85,0 Prozent auf 85,1 Prozent des BIPs.

cte/dpa



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insgesamt 64 Beiträge
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Palmstroem 23.01.2013
1. Die Schuldenunion
Zitat von sysopDPADie Krisenstaaten der Euro-Zone kommen beim Schuldenabbau nicht voran. Trotz des massiven Sparkurses drücken Griechenland Verbindlichkeiten in Höhe von 152 Prozent der Wirtschaftsleistung. Auch Italien, Portugal und Irland leiden weiter unter immensen Schulden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/euro-staaten-scheitern-mit-schuldenabbau-a-879201.html
Wie sollte das auch funktionieren! Wie man auch in Deutschland sieht, haben die Bürger kein Problem mit Schulden. Man wählt RotGrün, weil die alles versprechen und damit auch kein Problem haben. Bei NRW ist schon heute fast sicher, dass man die Schuldenbremse nicht einhalten wird. Selbst BW macht unter RotGrün wieder Schulden und die neue RotGrüne Mehrheit in Hannover will erst ab 2020 einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen. Warum sollten Griechen und Italiener anders ticken. Europa wird nach der Bundestagswahl mit RotGrün zusammem mit Frankreich die Schuldenunion vollenden, die EZB darf die Bazooka rausholen und alles wird gut.
berns 23.01.2013
2. Durch die Spardiktate können die Länder niemals Schulden abbauen.
Löhne, Renten und Pensionen wurden gesenkt, Preise und Steuern erhöht. Wer nicht total bescheuert ist, der sieht doch auf den ersten Blick, dass dieses Merkel'sche Konzept völlig schwachsinnig ist und genau das Gegenteil bewirkt, nämlich weitere Schulden. Wir haben in Deutschland mit Merkel und CDU/CSU die schlechteste aller Regierungen, die es je in Deutschland gab. Und diese völlig unfähige Merkel macht auch noch die anderen Länder Europas durch ihren "Sparzwang" kaputt.
localpatriot 23.01.2013
3. Erst kommt Stabilisierung
Zitat von sysopDPADie Krisenstaaten der Euro-Zone kommen beim Schuldenabbau nicht voran. Trotz des massiven Sparkurses drücken Griechenland Verbindlichkeiten in Höhe von 152 Prozent der Wirtschaftsleistung. Auch Italien, Portugal und Irland leiden weiter unter immensen Schulden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/euro-staaten-scheitern-mit-schuldenabbau-a-879201.html
Die Schuldenkultur laesst sich nicht kurz oder mittelfristig aendern. Vor einem Abbau der Staatsschulden muss sich erst einmal eine Zeit der Stabilitaet beweisen und das bedeuted wirtschaftlichen Fortschritt oder Wachstum ohne hoehere Staatsverschuldung zu erlangen. D schafft das auch nicht und GR benoetigt einen oder zwei weiter Schuldenschnitte.
hardliner1 23.01.2013
4. Schuldengemeinschaft
Zitat von sysopDPADie Krisenstaaten der Euro-Zone kommen beim Schuldenabbau nicht voran. Trotz des massiven Sparkurses drücken Griechenland Verbindlichkeiten in Höhe von 152 Prozent der Wirtschaftsleistung. Auch Italien, Portugal und Irland leiden weiter unter immensen Schulden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/euro-staaten-scheitern-mit-schuldenabbau-a-879201.html
Das Schuldenmachen ist wessentlich einfacher als die Schulden verringerung. Schließlich wollen Politiker ja wieder gewählt werden. Wenn man den Bürgern Lasten aufbürdet, dann wirkt sich dieses an der Wahlurne aus. Die EU ist zu einer Schuldengemeinschaft geworden, vor allem die Eurozone. Ich denke, dieser Aggregatzustand wird sich auch in zehn Jahren nicht geändert haben. Mit dieser Misere einher geht eine gigantische Arbeitslosigkeit von über 20 Millionen Menschen ohne Job. Wie kann die EU bzw. die Euro-Zone daher ein Friedensprojekt sein?
Dr.pol.Emik 23.01.2013
5. Warum wird denn das als Neuigkeit gehandelt?
Dieser Umstand ist mathematisch vorhersehbar wenn man sich nur einmal mit unserem Geldsystem auseinandersetzt. Es ist auf exponentielles Wachstum ausgelegt und muss irgendwann kollabieren. Man kann die Implosion allenfalls durch geringere Zinssätze und noch mehr Liquidität hinauszögern, um den Preis einer vollständigen Verarmung der Mehrheit. Und so ist das Ende des Euro, oder besser gesagt der Währungsgemeinschaft, zusammen mit dem Euro, sehr absehbar. Viel interessanter und erhellender ist da die Betrachtung der Kehrseite der Medaille, die Guthabenseite: *Schuldenkrise eskaliert, jetzt auch noch Guthabenkrise* (http://qpress.de/2011/12/05/schuldenkrise-eskaliert-jetzt-auch-noch-guthabenkrise/) … da geht es exakt um dieselbe Größenordnung nur eben auf der anderen Seite des T-Kontos. Vielleicht trägt das ein wenig mehr zum Verständnis des Problems bei und warum Schuldenabbau nicht ohne Guthabenabbau funktionieren kann. Das Geldsystem ist schlicht kaputt und taugt nicht für unsere Gemeinschaft, wenn wir dauerhaft in Frieden leben wollen.
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