Sparaufschub Griechenland braucht neue Milliardenhilfe

Der angepeilte Zeitaufschub für Griechenland wird teuer. Laut einem Zeitungsbericht wollen die übrigen Euro-Staaten dem Land neue Kredite über bis zu 20 Milliarden Euro gewähren. Das bisherige Rettungspaket reiche nicht mehr aus. Der Bundestag müsste den neuen Hilfen zustimmen.

Parthenon-Tempel: Ein drittes Hilfspaket wird nötig
REUTERS

Parthenon-Tempel: Ein drittes Hilfspaket wird nötig


Brüssel - Das hochverschuldete Griechenland braucht offenbar weitere Milliardenhilfen. Die Europäische Währungsunion wolle dem Land einen neuen Kredit zwischen 16 und 20 Milliarden Euro gewähren, berichtet das "Handelsblatt" und beruft sich dabei auf einen hochrangigen Vertreter der Euro-Zone. Das zweite Hilfspaket vom Februar in Höhe von 130 Milliarden Euro reiche nicht aus. Zusätzliche Kredite seien unvermeidlich.

Laut dem Bericht sollen die Euro-Finanzminister die zusätzlichen Mittel voraussichtlich am 12. November beschließen. Vorbedingung sei allerdings, dass das griechische Parlament die vereinbarten Einsparungen und Strukturreformen beschließt. Zusätzlich zu den Krediten soll Griechenland einen Zinserlass gewährt bekommen. Außerdem sollen die Zinslaufzeiten verlängert werden. Einen partiellen Schuldenerlass soll es dagegen nicht geben.

Sollte tatsächlich ein neues Hilfspaket fällig werden, müsste der Deutsche Bundestag die neuen Kredite absegnen. Das dürfte freilich schwierig werden. Schon das aktuelle, zweite Hilfspaket hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nur gegen große Widerstände aus der eigenen schwarz-gelben Regierungskoalition durch das Parlament bekommen. Zudem hatte sie stets signalisiert, dass es keine weiteren Kredite geben werde.

Zuletzt hatte Merkel ihren Griechenland-Kurs allerdings geändert und dem Land Unterstützung zugesagt. Wie es scheint, wollen die Euro-Partner und der Internationale Währungsfonds (IWF) der Regierung in Athen nun zwei Jahre mehr Zeit geben, um ihre Sparziele zu erreichen. Statt 2014 soll Griechenland die vereinbarten Haushaltsziele erst 2016 erreichen. Das geht aus einem Entwurf einer Vereinbarung hervor, über den mehrere Zeitungen berichten. Allerdings wären dann neue Hilfen der internationalen Geldgeber nötig.

IWF dementiert Einigung auf Aufschub

Der griechische Finanzminister Yannis Stournaras verkündete am Mittwoch bereits, man habe von den Geldgebern einen Aufschub erhalten. Doch weder die EU-Kommission noch die Bundesregierung wollten etwas davon wissen. "Ich kann das nicht bestätigen", sagte Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). Es gebe "keine neuen Erkenntnisse". Erst nachdem die sogenannte Troika aus EU, IWF und Europäischer Zentralbank ihren Bericht zu den geplanten Reformen in Griechenland vorgelegt habe, könnten weitere Entscheidungen fallen.

Ein IWF-Sprecher betonte, die Diskussionen mit den griechischen Behörden gingen weiter. "Es gab Fortschritte in den vergangenen Tagen, aber bei einigen wichtigen Themen muss noch eine Einigung erzielt werden."

In Deutschland ist zumindest die SPD bereit, Griechenland einen zweijährigen Aufschub für die Erfüllung der Sparauflagen zu gewähren. Die Retter, die die harten Einsparungen verlangt hätten, seien mitverantwortlich für den Wachstumseinbruch in Griechenland, sagte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Joachim Poß der "Passauer Neuen Presse". "Den eigentlich nötigen gesunden Mix zwischen Sparanstrengungen, Reformen und Wachstumsinitiativen hat es bisher nicht gegeben. Deshalb wäre es richtig, Griechenland mehr Zeit zu geben."

stk/dapd/Reuters

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insgesamt 233 Beiträge
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Peter.Lublewski 25.10.2012
1. Billion
Liebe Regierung: Schickt doch mal zur Abwechslung eine Billion, dann habt Ihr wenigstens bis Weihnachten Ruhe.
masc672 25.10.2012
2. Ach welch wunder
Zitat von sysopREUTERSDer angepeilte Zeitaufschub für Griechenland wird teuer. Laut einem Zeitungsbericht wollen die übrigen Euro-Staaten dem Land neue Kredite über bis zu 20 Milliarden Euro gewähren. Das bisherige Rettungspaket reiche nicht mehr aus. Der Bundestag müsste den neuen Hilfen zustimmen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/euro-zone-will-griechenland-neues-hilfspaket-gewaehren-a-863273.html
Aber wie ich gehört bzw. gelsen habe, wird Griechenland ja auch vom Bundesfinanzministerium aus regiert.
whitewolfe 25.10.2012
3. Genau Hilfspaket Nr.3 und dann Nr.4 die brauchen
gar nicht zu sparen die bekommen sowieso das Geld.Das ist ja schliesslich alternativlos.....Für mich ist erstaunlich das die anderen Länder:Irland,Portugal,Zypern,Spanien alle so ruhig bleiben,wollen die denn gar kein Geld?
APPEASEMENT 25.10.2012
4. Ich gehe jede Wette ein...
Zitat von sysopREUTERSDer angepeilte Zeitaufschub für Griechenland wird teuer. Laut einem Zeitungsbericht wollen die übrigen Euro-Staaten dem Land neue Kredite über bis zu 20 Milliarden Euro gewähren. Das bisherige Rettungspaket reiche nicht mehr aus. Der Bundestag müsste den neuen Hilfen zustimmen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/euro-zone-will-griechenland-neues-hilfspaket-gewaehren-a-863273.html
.. das wir in zwei Jahren bei Griechenland wieder das sind wo wir jetz sind un vor zwei Jahren waren! Ich würde Geld nur gegen konsequente Sparmassnahmen im Land geben! So gehts nicht weiter. Und unsere Politiker lügen uns permanent an wegen des GEldbedarfs von Griechenland un anderen. Ist das Demokratie? Das Volk aber kann nichts machen, da der Staat den Parteien gehört!
optimal61 25.10.2012
5. Privatisierungen Ade?
Es wird nun völlig unglaubwürdig, dass auch nur ein staatsbetrieb privatisiert wird! Die EU wird möglichst lange geschröpft, dann geht's zurück in die Drachme! Die Griechen spielen viel besser Poker als die Europäer! All Inn!
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