Wirtschaftsinstitute Aufschwung in der Eurozone hält an

Die Eurozone erholt sich - jetzt prognostizieren Forscher, dass sich der Aufschwung auch in der zweiten Jahreshälfte fortsetzt. Aber es gibt Risiken, vor allem durch die US-Politik.

Europäische Flagge in Athen
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Europäische Flagge in Athen


Die Konjunktur in der europäischen Währungsunion läuft besser als gedacht. Noch sind laut Experten keine Schwächen auszumachen. Auch in der zweiten Jahreshälfte bleibe die Wirtschaft der Länder im Euroraum auf Erholungskurs, prognostizieren das Münchner Ifo-Institut, das Schweizer KOF und das italienische Statistikamt Istat.

Sowohl im dritten als auch im vierten Quartal dürfte das Bruttoinlandsprodukt laut den Wirtschaftsexperten um 0,6 Prozent wachsen. Für 2017 würde das ein Wirtschaftswachstum von 2,3 Prozent bedeuten. Ähnlich sieht es die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die ihre Prognose angehoben hat und ein Wachstum von 2,1 Prozent erwartet - 0,3 Prozentpunkte mehr als sie noch im Juni in Aussicht stellte.

Bereits im Frühjahr expandierte die Wirtschaft in der Eurozone derart stark. Treiber der Entwicklung sind laut den Wirtschaftsinstituten Investitionen, die von niedrigen Zinsen und verbesserten Kreditbedingungen profitieren. Hinzu komme der stützende Konsum der Haushalte. Außerdem seien die verfügbaren Einkommen gestiegen, und die Arbeitsmarktlage sei gut. Die positive Entwicklung der Weltwirtschaft würde zudem die Nachfrage von außen stärken.

Allerdings werde die Nachfrage auch leicht gebremst durch einen Verlust an Wettbewerbsfähigkeit, der mit der Aufwertung des Euro einhergeht, warnten die Experten. Auch der hohe Bestand an ausfallgefährdeten Krediten im Bankensektor einiger Mitgliedstaaten könne riskant werden.

Risikoreich sei den Instituten zufolge die Entwicklung in den USA: Wenn die Regierung unter Donald Trump weiterhin wirtschaftspolitisch enttäusche, könne dies zu einer Verschlechterung der Wachstumsaussichten in den USA führen. "Die Spannungen zwischen den USA und Nordkorea sind ebenfalls ein Unsicherheitsfaktor," urteilen die Experten.

laj/rtr



insgesamt 10 Beiträge
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dennis_berber 20.09.2017
1. Stagnierende Kreditmenge und erhöhte Investitionen passt aber auch nur
Die Kreditmenge stagniert seit Jahren in der EU und die Wirtschaftserholung ist mehr auf dem Papier, denn in der Realität bei den Menschen. Daher sollte man auf die Prognosen dieser Institute nicht viel geben, beim kleinen Mann kommt davon nichts an. Letzten Endes ist die Politik der EZB gescheitert. www.finwir.de/finanzmarkt/die-geldpolitik-der-ezb-erzielt-kaum-eine-wirkung/
ProDe 20.09.2017
2. in vielen anderen Ländern wären solche Zahlen ein Zeichen der Krise
das sind Wachstumsraten, die man im Grunde als statistische Ungenauigkeit bezeichnen kann.... und wie immer - Wichtigstes Kennzeichen für Wachstum sind - Anzahl der Arbeitsstunden - Arbeitslosigkeit - Reallohnentwicklung Diese Zahlen sehen leider nicht so gut aus....
rudi_ralala 20.09.2017
3.
Klar gibt es Risiken und zwar en masse, aber nicht durch die US - Politik sondern durch das exzessive Gelddrucken der Zentralbanken, allen voran die Fed und die EZB. Das QE hat in den USA nichts genutzt und Draghi muss in Europa feststellen, dass es auch hier nur wenig Effekte auf die Wirtschaft hat, wenn man Deutschland mal ausnimmt. Wenn in den USA mit einer minimalen Zinserhöhung von 0,25 % gleich reihenweise Ladenketten Insolvenz anmelden müssen, kann sich jeder vorstellen, was auf uns zukommt, wenn die Zinsen auf 1 % und mehr steigen. Das ist der Grund weshalb Yellen zögert, weitere Zinsschritte zu wagen. Der zweite Grund sind die exorbitanten Staatsverschuldungen. In „normalen“ Jahren liegt die Insolvenzrate in Deutschland bei 1,5 % – 2 %, zurzeit sind es nur 0,5 %. Es werden also mit der Minimalzinspolitik des Herrn Draghi Firmen am Leben erhalten, die schon längst hätten über den Jordan gehen müssen. Wenn alle diese Firmen, man könnte sie auch Zombiefirmen nennen in den USA, Europa und China ins Schwimmen kommen, wird das selbstverständliche sehr negative Auswirkungen auf die Kreditwirtschaft haben. Die subprime Krise lässt grüßen. Kurz noch mal zur Staatsverschuldung. Die deutsche Exportwirtschaft wuchs im ersten Halbjahr um 122 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. In der gleichen Zeit stieg das positive BuBa Targetsaldo um ca. 100 Milliarden Euro. Das heißt, ein Großteil der Exporte Deutschlands wurden mit deutschen Überziehungskrediten im Ausland finanziert und Schäuble lacht sich ins Fäustchen, der konnte davon 19 Milliarden Euro an Mehrwertsteuer generieren. Wenn das solide Politik sein soll, will ich Meier heißen um mal einen ehemaligen dt. Politiker zu zitieren. Im Übrigen, es soll immer noch Foristen geben, die das geringe M3 Wachstum für wirtschaftsfördernd halten. Genau umgekehrt ist richtig, wenn die Wirtschaft floriert, werden Kredite nachgefragt und wenn Kredite nachgefragt werden, steigt zwangsläufig die Geldmenge M3.
Mister Stone 20.09.2017
4.
Wenn sich eine "Zone" erholt, was bedeutet das eigentlich für die Menschen, die dort wohnen?
willibaldus 20.09.2017
5.
Zitat von Mister StoneWenn sich eine "Zone" erholt, was bedeutet das eigentlich für die Menschen, die dort wohnen?
Zum Beispiel, dass mehr Menschen Arbeit haben und die Löhne stärker steigen als die Inflation. https://de.tradingeconomics.com/euro-area/unemployment-rate
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