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Europäische Union: Hälfte der Hilfsgelder verfehlt ihren Zweck

Mit 30 Milliarden Euro unterstützte die Europäische Union 2014 weltweit Hilfsprojekte. Doch bei der Verteilung gibt es nach SPIEGEL-Informationen große Probleme.

Jeder zweite Euro, den die Europäische Union über ihre Auslandsdelegationen für Entwicklungshilfe oder andere Unterstützungsprojekte ausgibt, verfehlt seinen Zweck. Zu diesem Ergebnis kommt ein Bericht für den Haushaltskontrollausschuss des Europäischen Parlaments, der dem Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL vorliegt. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

Danach gab es im Jahr 2014 bei 915 Projekten im Wert von 15 Milliarden Euro massive Probleme: entweder weil sie nicht im Zeitplan waren oder weil sie ihr Ziel gänzlich zu verfehlen drohten. Insgesamt verwalteten die EU-Außendelegationen im Jahr 2014 Hilfsprojekte im Wert von 30 Milliarden Euro. "Jeder zweite Euro, den die EU ausgibt, erreicht nicht das, wofür er gezahlt wird", heißt es in dem 38-seitigen Bericht. Darin wird erstmals seit Gründung des Europäischen Auswärtigen Dienstes vor fünf Jahren systematisch überprüft, ob die EU-Gelder ihren Zweck erfüllen.

Viel Geld steht ausgerechnet in Ländern auf dem Spiel, in denen die EU-Programme dazu beitragen könnten, den Flüchtlingsstrom nach Europa einzudämmen. In Marokko, so der Report, drohen Programme mit einem Volumen von 664 Millionen Euro zu scheitern. In Jordanien stehen 324 Millionen, im Libanon 258 Millionen Euro auf der Kippe. Die schlechteste Bilanz attestiert der Bericht den EU-Vertretungen in den Krisenländern Zentralafrikanische Republik, Jemen und Syrien. Aber auch die Delegation der EU auf den Salomonen in der Südsee kann kein einziges reibungslos funktionierendes Projekt vorweisen, so der Bericht.

"Manche EU-Delegationen dürfen das Geld der Steuerzahler jahrelang in zum Scheitern verurteilten Projekten versenken", sagt die Chefhaushälterin im EU-Parlament, Inge Gräßle (CDU). "Delegationen mit gehäuften Problemen müssen unter Aufsicht", fordert sie.

Bei ihrem Besuch im Haushaltskontrollausschuss soll die Außenbeauftragte Federica Mogherini am Donnerstag zu den Vorwürfen Stellung nehmen. Eine Sprecherin des Europäischen Auswärtigen Dienstes räumte vereinzelte Probleme ein, sieht aber "insgesamt eine gute Performance".

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 33 Beiträge
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1. das
janne2109 16.01.2016
das ist auch der Grund weshalb immer weniger Menschen spenden werden, warum ist es in der heutigen Zeit nicht möglich, dass Spenden und Hilfsgelder wirklich dort landen wo sie hin sollen, unfassbar
2. Da passt das Foto
moritz27 16.01.2016
mit Obama und einem sehr dicken afrikanischen Präsidenten, das ich kürzlichauf einer Jokeseite gesehen habe, gut zum Artikel. Die Unterschrift lautete: "Entwicklungshilfe. Das sind Gelder, die von armen amerikanischen Bürgern genommen werden, um sie einer reichen afrikanischen Elite zu schenken."
3. Hilfsgelder haben hauptsächlich. ...
joG 16.01.2016
....eine Alibifunktion und sind zudem meist gutmenschlich falsch konzipiert. Ich war darüber als Student der Sache bereits verwundert. Es gibt keine Frage, daß angemessene Import Politik, die schädliche Subventionen, die die Bauern in Drittländer zerstören, wie die EU sie hat meidet oder seiner Bevölkerung erlaubt quasi alles ohne größere Zölle und Behinderungen wie die Amis das beginnend 1945 tun, ist Hilfe.
4. Ein gutes Buch,
soensche 16.01.2016
Wenn der Westen bzw Norden, nicht mit den Schulden der Länder der dritten Welt, erhebliche finanzielle Gewinne erzielen würde und die Schulden erlassen würden(der finanzielle Aufwand zur Bezahlung der Zinsen übersteigt die "Entwicklungshilfe" Zahlungen der Industriestaaten um ein Vielfaches!!!), könnten sich die betroffenen Staaten selbst helfen. Aber daran haben unsere Banken und Konzerne ja kein Interesse.
5. Die teuren Beamten
guenther2009 16.01.2016
der EU sind nicht in der Lage in den Empfängerstaaten druck zu entwickeln damit die Gelder erfolgreich verwendet werden. Wir mutiern wieder zu Zahlmeister von korrupten und ineffektiven Fortschreibung der etablierten Systeme. Was denken sich diese Leute dabei? Hauptache sie stehen gut da, vor den Gaunern.
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